Visual Leader 2009 Von Models und Menschen

Von Samstag an werden in den Hamburger Deichtorhallen die Visual Leader der deutschen Medienlandschaft gezeigt: Herausragende Fotografien der Print- und Onlinebranche. manager-magazin.de zeigt eine Auswahl.

Hamburg - "Das ist wie bei der Duftherstellung: Wir standen vor der Aufgabe, aus dem großen Ganzen die richtige Essenz herauszusuchen." Markus Peichl, Vorsitzender der Lead Academy, hat sich gemeinsam mit einer Jury mehrere Monate Zeit genommen, um dieses Destillat zu finden. Dafür haben sie 350 Zeitschriften und 200 Webseiten durchforstet.

Das Ergebnis der "kreativen Rasterfahndung", wie der Organisator die Suche nennt, ist ab dem 14. März im Haus der Photographie der Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Die Ausstellung "Visual Leader" zeigt den Organisatoren zufolge das Beste, was 2008 in deutschen Magazinen erschienen ist: Fotoserien, Zeitschriftenbeiträge, Anzeigen und Webseiten. "Es ist der einzige Medienpreis, bei dem es keine Einreichungen gibt", so Peichl. Anders als bei anderen Kreativwettbewerben der Branche kann man sich für den Medienpreis nicht bewerben.

Ryan McGinley und der "American Dream"

Zu den Exponaten, die die Jury herausgesucht hat, zählen sowohl international renommierte Fotografen wie Mario Testino, Steven Meisel und Ryan McGinley, als auch junge deutsche Künstler wie Peter Langer und Daniel Josefsohn.

Der Unterschied zwischen den Stilrichtungen amerikanischer und deutscher Fotografen falle in diesem Jahr besonders auf, so Peichl: "In deutschen Zeitschriften werden so viele amerikanische Fotografen abgedruckt wie noch nie. Das sind meist die lauten, plakativen Bilder." Deutsche Künstler seien zurückhaltender: "Die Bilder sind zurückgenommen und überhöht beiläufig, fast ein wenig verträumt.

Der momentane Shootingstar unter den Fotografen, der Amerikaner Ryan McGinley, steht für einen weiteren Trend in diesem Jahr. In seiner Bilderserie "American Dream" hat er Jugendliche abgelichtet und zeigt sie als schüchterne, zerbrechliche Wesen. "Noch nie haben sich Fotografen so intensiv mit Jugendlichen beschäftigt wie heute", so Peichl. "McGinleys Fotos stehen im Gegensatz zu dem Bild, das sich die Gesellschaft von Jugend macht", sagt er. Dabei zieht er eine Parallele zum Amoklauf in Baden-Württemberg, bei dem ein 17-Jähriger 16 Menschen erschoss. "Die Bilder sind eine Antithese zum Verlust der Jugend und damit zu Dingen wie dem schrecklichen Amoklauf."

Ansichten von Helmut Schmidt und von Brad Pitt

Ansichten von Helmut Schmidt und von Brad Pitt

Neben dem Fokus auf Jugendliche sind auch einige Prominente porträtiert. Außer dem Schriftsteller Christian Kracht und dem US-Schauspieler Brad Pitt ist zum Beispiel Altbundeskanzler Helmut Schmidt zu sehen. Der "Stern"-Fotograf Volker Hinz hat ihn 30 Jahre lang begleitet und in verschiedenen Lebensphasen fotografiert.

In der Reihe "Für immer Kanzler" ist Schmidt bei Staatsempfängen, aber auch in privaten Momenten zu sehen, etwa in Freizeitkleidung auf einem Segelboot. Einfach hat Schmidt dem Fotografen die Arbeit nie gemacht. "Schmidt öffnet sich nie. Man muss ihn lesen und sich unsichtbar in seine Welt begeben", sagt Hinz.

Von dem Berliner Fotografen Daniel Josefsohn sind gleich zwei Fotostrecken nominiert: Die Bilder der Serie "Little Dreamers", auf denen die Schauspielerin Nicolette Krebitz gemeinsam mit Freunden porträtiert ist, sowie eine Modestrecke für das Label Herr von Eden in der Kategorie "Anzeige des Jahres". "Auf die Herr-von-Eden-Kampagne bin ich besonders stolz", sagt Josefsohn. "Die Bilder sind so geworden, wie ich sie wollte.Sie sind mit Liebe gemacht." Überhaupt mache er nichts, was ihm keinen Spaß bringt: "Mir geht es bei den Fotos gar nicht so um Mode, sondern um das Lebensgefühl." Bereits 2007 gewann der Fotokünstler beim "Visual Leader" Gold in der Kategorie "Mood- und Modefotografie".

Um gute Bilder zu schießen, müsse Josefsohn sein Gegenüber sympathisch oder aber extrem unsympathisch sein. "Irgendwas dazwischen ist schwierig." Vor kurzem etwa habe er das Topmodel Tatjana Patitz fotografiert. "Das ging nur, weil mein Hund dabei war. Ansonsten wäre es unlocker geworden." Wie sein Kollege Hinz Altbundeskanzler Schmidt zu porträtieren, kann sich Josefsohn nicht vorstellen. "Schmidt ist mir zu alt. Ich hätte gern was Frisches." Wunschkandidaten hat der Berliner auch schon parat: "Ich würde gern die Töchter von Obama ein Jahr lang begleiten. Mitsamt den neuen Hunden."