Mountainboarding Heißer Pistensommer

Wer sagt, dass man für eine rasante Abfahrt Schnee braucht? Mit Mountainboards lockt die Skipiste auch im Sommer. Luftgefüllte Reifen machen selbst waghalsige Sprünge möglich - je wilder, desto besser.

Iserlohn- Snowboardfahrer zieht es im Winter jedes Jahr auf die schneebedeckten Pisten. Doch auch während der Durststrecke in der warmen Jahreszeit müssen die Sportler nicht auf ihr Brett unter den Füßen verzichten. Mountainboarding heißt die neue Trendsportart, die ausgedehnte Abfahrten und waghalsige Sprünge im Sommer möglich macht. Ausgestattet mit luftgefüllten Reifen lässt sich mit den Mountainboards fast jede Wiese meistern - und eben auch die ungenutzte Skipiste. Die Sportart entstand Mitte der 80er Jahre in Amerika und fand später ihren Weg über England nach Deutschland.

Das Mountainboarding hat viel mit dem Snowboarding gemein, sagt Winfried Turner, Vorsitzender der "All Terrain Board Association" (ATBA) aus Iserlohn (Nordrhein-Westfalen). Der besondere Reiz liege darin, auch im Frühling und Sommer Wiesen herunterzufahren. Der richtige Kick entstehe dadurch, dass die Boards keine Bremse haben. Die Geschwindigkeit lasse sich wie beim Snowboarden nur durch Kurvenfahren verringern.

Mountainboards unterscheiden sich von Skateboards auch darin, dass sie eine Bindung haben. Dabei gibt es zwei Varianten. Bei der Snowboardbindung steht der Boarder fest auf dem Mountainboard. Da er dann aber nicht abspringen kann, ist diese Bindung nur etwas für gute Fahrer. Weitaus häufiger ist eine Art Schlaufe, in die der Fuß reingeschoben wird. Sie gibt Halt, trotzdem ist der Absprung möglich.

Freestyle und Downhill

Mountainboarding ist heute vor allem in England populär, erklärt Florian Leber, Inhaber des "Rock.On"-Mountainboard-Parks am Poppenberg in Winterberg. Seit vergangenem Jahr sei allerdings auch eine größere Szene in Deutschland entstanden. Die Ausrüstung kann man sich im Park leihen. Anfänger haben die Möglichkeit, Stundenkurse zu nehmen. "Einsteiger kommen schnell rein - die wenigstens brauchen länger als eine Stunde, um den Hang herunterzukommen."

Beim Mountainboarding werden zwei Kategorien unterschieden: Freestyle und Downhill. Beim Freestyle gehe es vor allem um ausgefallene Sprünge und Tricks über Rampen und Kicker, sagt Turner. "Von Drehungen bis zum Backflip ist alles möglich." Je wilder, desto besser, laute hier das Motto. Downhill sei eher darauf ausgelegt, längere Strecken zu meistern. Hier stehe das Gefühl für Geschwindigkeit und Kurven im Vordergrund.

Die deutsche Meisterschaft im Mountainboarding wird noch in einer dritten Kategorie ausgetragen - dem Boarder-Cross. "Dabei fahren zwei oder drei Fahrer nach dem K.O.-System in einem Parcours", erklärt Marcel Bender, der schon zweimal die German Open gewann. Die Fahrer bekommen in allen Disziplinen Punkte und müssen sich deshalb auch in allen Bereichen messen.

"Wer will, kann sich draufstellen"

2003 begann Bender mit dem Mountainboarden. Damals gab es die ersten Events, bei denen Veranstalter Boards bereitstellten. "Da hieß es dann: Wer will, kann sich draufstellen." Seitdem hat sich einiges getan. Die Szene wächst stetig, sagt der 21-Jährige. Heute sind die zwei zentralen Anlaufstellen der Mountainboard Park in Winterberg und die ATBA-Mountainboard-Schule in Willingen im Sauerland, erklärt Turner. An beiden Standorten werden regelmäßig Kurse angeboten.

Mountainboarder organisieren sich meistens in Internetforen, sagt Turner. Viele reisten dann in kleinen Cliquen von zwei bis drei Leuten ins Sauerland, in den Schwarzwald oder in den Bayrischen Wald. Denn im Prinzip könne man überall Mountainboard fahren, solange der Boden nicht zu felsig ist. "In den Parks werden im Sommer einfach die leeren Skiwiesen genutzt."

Sportlich gesehen sei es reizvoll, dass noch kaum jemand die Sportart kennt, erklärt Bender. Der Nervenkitzel liege darin, dass man keine Bremsen hat. "Da fährst du als Mountainboarder einfach in die nächste Kurve und schaust, was dich da erwartet." Konkurrenz mit anderen Funsportlern gibt es nicht. "Die begegnen uns meist mit einer Mischung aus Verwunderung und Respekt." Gerade die Mountainbiker wüssten ja, wie die Parcours aussehen und könnten abschätzen, wie es ist, die Strecken ohne Bremsen zu fahren.

Wer Mut gefasst hat und Spaß an der Sache entwickelt, bekommt ab 160 Euro ein gutes Einsteigerboard, erklärt Turner. Profiboards lägen aber in etwa bei 500 bis 600 Euro. Viel mehr als das Board müssten Einsteiger aber nicht investieren. "Es gibt in Deutschland viele Boarder, die einfach alleine für sich fahren." Anfänger sollten am besten auf Gras üben, damit die Verletzungsgefahr nicht so groß ist, rät Florian Leber.

Mountainboarder benutzten zum Schutz die gleichen Protektoren wie Inliner-Skater. Marcel Bender und seine Freunde helfen sich anders aus: "Um Sprünge zu üben, stellen wir einen Kicker an den Baggersee und machen dann unsere Tricks ins Wasser." Er selbst sei gerade dabei, den Backflip zu üben - also einen Rückwärtssalto. In den Wintermonaten könne man natürlich auch auf dem Snowboard trainieren.

Philipp Laage, dpa

Steil bergab: Mountainboarding in Bildern

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