Luxuskino Wie im Film

Champagner statt Cola, Kabarett statt Werbung - in Berlin hat ein Kino eröffnet, das dem Namen Filmpalast neuen Sinn gibt. Statt Popcorngeruch und Gedränge werden Besuchern Schampus und Jakobsmuscheln an den individuell verstellbaren Ledersitz serviert.

Berlin - Es ist eine Mischung aus Flugzeug, Restaurant und Theater. Zumindest entsteht dieser Eindruck beim Besuch des ersten Luxuskinos Deutschlands. Wo sich früher das Berliner Traditionskino "Filmpalast" am Kurfürstendamm befand, beeindruckt seit kurzem die "Astor Film Lounge" mit einem Verwöhnprogramm, das alles enthält außer lästigem lautem Popcorn.

Der Sektempfang in der Vorhalle ist nur eine der vielen angenehmen Überraschungen, die den Besucher vor dem Film erwarten. Im Kinosaal gibt es statt massenhaft aneinandergereihter Sitze komfortable verstellbare Ledersessel mit Fußstützen, die jede Business Class von Fluglinien in den Schatten stellen. "Das sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre", sagt ein Besucher begeistert. Wer es sich gemütlich gemacht hat, kann sich der umfangreichen Menükarte widmen, die neben gedecktem Apfelkuchen auch eine Käseplatte, Jakobsmuscheln und bis zu 590 Euro teuren Champagner bietet. Der Film wird dadurch geradezu zur Nebensache.

Alle Wünsche nehmen Kellner vom Platz aus an und bringen das Bestellte auch bis an den Sessel. Die meisten Besucher sind einen so umfassenden Service gar nicht mehr gewohnt. "Viele stellen sich noch an der Theke an und sind ganz überrascht, wenn wir ihnen sagen, dass wir ihre Bestellungen in den Saal bringen", sagt Kellnerin Inga Sonntag. Einige Flaschen Schampus mit einer Rose dekoriert wechseln so ihren Besitzer, bevor der Vorfilm beginnt. Und selbst dieser ist außergewöhnlich.

Statt Trailer und Werbung tritt ein Kabarettist auf und bringt den Saal mit Ossi-Wessi-Witzen zum Lachen. "Wir wollen etwas Besonderes bieten und auch die Menschen ansprechen, die schon lange nicht mehr im Kino waren", sagt Theaterleiter Jürgen Friedrich. "Wir haben noch viele andere Ideen, die wir austesten möchten", fügt Friedrich hinzu. Und tatsächlich lockt die "Astor Film Lounge" all die Berliner aus der Reserve, die dem konventionellen Kino nichts abgewinnen können.

"Mich stört die Undiszipliniertheit in anderen Kinos. Die Leute sind laut und die Säle ganz schmuddelig durch Cola- und Popcorn-Reste, hier ist das ganz anders", fasst ein Gast zusammen.

Luxus für 15 Euro

Luxus für 15 Euro

In der "Astor Film Lounge" ist während des Films kein Mucks zu hören, noch nicht einmal Kauen, Flüstern oder Rascheln. Selbst beim Abspann entsteht nicht die gewohnte Hektik, die Zuschauer bleiben sitzen, genießen die Gemütlichkeit des Kinos bis zur letzten Sekunde.

Kein Wunder also, dass die Vorstellungen so gut besucht sind, dass es sich empfiehlt, Tickets im Voraus im Internet zu bestellen. Mit Eintrittspreisen zwischen 10 und 15 Euro ist der Luxuskinobesuch auch recht günstig.

"Ich bin sehr gespannt, ob sich das Kino halten kann", sagt ein Besucher leicht zweifelnd. Der Theaterleiter hingegen gibt sich zuversichtlich. "Wir sind überzeugt davon, dass wir die Besucherzahl halten werden, das hat ja bisher auch wunderbar funktioniert."

Auch Johannes Klingsporn, Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher, sieht die Zukunft des Luxuskinos positiv. Als "Rundum-Sorglos-Paket" bezeichnet er die "Astor Film Lounge" und lobt deren "innovativen Ansatz". Luxuskinos seien keine Konkurrenz für die großen Kinokomplexe, sondern richteten sich an bestimmte Zielgruppen.

"Es gibt eine große Nachfrage von potenziellen Kinogängern, die bereit sind, mehr Geld für einen Film auszugeben, wenn ihre Erwartungen erfüllt werden", sagt Klingsporn. In anderen Großstädten wie etwa New York oder London haben Kinobetreiber Klingsporn zufolge auch langfristig Erfolg mit ihren Luxuskinos.

Die Kinobesucher am Kurfürstendamm sind durch und durch zufrieden mit dem neuen Kino. Einige haben sogar beschlossen, alle Filme nur noch hier zu sehen. Denn ein Kinobesuch hier wirkt entspannend und erholsam. Nur für eines eignet sich die "Astor Film Lounge" nicht: Kuscheln ist unmöglich - dafür sind die Sessel und der Abstand zum Nachbarn einfach zu groß.

Patricia Czarkowski, ddp

"Astor Film Lounge": Berlins neues Edelkino

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