Tiefsee-Ausstellung Im Reich der Fußballfische

Eiskalt, stockdunkel und voller Geheimnisse - die Tiefsee ist noch immer ein weitgehend unerforschter Lebensraum. Im Frankfurter Senckenberg-Museum können Besucher ab dem 19. Dezember in diese ferne Welt eintauchen und sich auf virtuelle Tauchfahrt zu fleischfressenden Quallen und leuchtenden Stachelfischen begeben.

Frankfurt am Main - "Die Ausstellung zeigt einen unerforschten Lebensraum, den man sonst nicht besuchen kann", sagt Senckenberg -Museumsleiter Bernd Herkner. In Alkohol präparierte Originalfunde und zahlreiche Modelle geben einen Einblick in die Unterwasserwelt in tausenden Metern Tiefe, Besucher können in einem elf Meter langen U-Boot eine virtuelle Tauchfahrt unternehmen. Gezeigt werden unter anderem leuchtende Fische mit enormen Zähnen und Augen, durchsichtige Tintenfische und riesige, fleischfressende Quallen sowie ein meterlanges Pottwal- Modell.

Eiskalt, stockdunkel und voller Geheimnisse - die Tiefsee ist noch immer ein weitgehend unerforschtes Land. Lange glaubten die Wissenschaftler nicht an reiches Leben in großen Tiefen, die systematische Untersuchung ist erst mit modernen Tauchbooten und Tauchrobotern möglich.

Rund um den Globus herrschen in der Tiefsee etwa gleiche Temperatur- und Druckverhältnisse: An den Polen hat das Wasser eine Temperatur von null Grad, am Äquator zwei Grad. Licht dringt nicht in die Tiefe, deshalb ist es vollkommen dunkel, weder Pflanzen noch Algen können dort existieren.

Nüchterne Forscher geraten ins Schwärmen

Der tiefste Punkt der Tiefsee liege rund 11.000 Meter unter der Erdoberfläche im westlichen Pazifik zwischen Japan und Neuguinea, sagt Herkner. Damit sei dieser Punkt weiter von der Oberfläche entfernt als der Gipfel des höchsten Berges, des Mount Everest im Himalaya mit 8848 Metern Höhe.

Die in der Tiefsee geborgenen Funde von hoch spezialisierten Fischen, Würmern und anderen Lebewesen bringt selbst nüchterne Wissenschaftler zum Schwärmen: "E.T., Aliens und andere Fantasie- Gebilde des Science-Fiction-Genres verblassen vor dieser schaurig- schönen Vielfalt an Lebensformen und Lebensstrategien", schreibt Senckenberg-Direktor Prof. Volker Mosbrugger in einer Vorschau zur Ausstellung. Zwei Drittel der Erdoberfläche seien von Meeren bedeckt, und 90 Prozent davon zählten zur Tiefsee. "Die Tiefsee ist also nicht nur der größte, sondern auch der unbekannteste Lebensraum unserer Erde."

Die Ausstellung, die gemeinsam mit dem Naturhistorischen Museum Basel erarbeitet wurde und dort bereits zu sehen war, präsentiert viele eigenartige Tiefsee-Bewohner: Etwa den Fußball-Fisch, der nach Herkners Worten tatsächlich so aussieht wie ein schwach aufgepumpter Fußball; oder den rund 30 Zentimeter großen "Schwarzen Schlinger", der mit seinem aufklappbaren Riesenmaul Fische verschlingen kann, die doppelt so groß sind wie er selbst und dafür seinen Bauch entsprechend dehnt.

Riesengroß und kaum erforscht

An manchen Stellen der Tiefsee sieht das Wasser aus wie bei einem Vulkanausbruch auf der Erdoberfläche: Der Meeresboden bricht auf, kaltes Meerwasser dringt in die Spalten, wird erhitzt und tritt angereichert mit verschiedenen Mineralien wieder aus. Aus den Mineralien werden Schlote aus Schwefelverbindungen aus dem Erdinnern gebildet.

"Schwarze Raucher" heißen die bis zu 400 Grad heißen Thermalquellen, die in der Ausstellung mit einem Modell gezeigt werden. "Es ist das einzige Biotop, das ohne Sonnenlicht auskommt", sagt Ausstellungsleiter Herkner. In der für andere Lebewesen hochgiftigen Umgebung leben Bakterien vom Schwefel und anderen im heißen Wasser gelösten Stoffen. Alle anderen Bewohner der Tiefsee- Dunkelheit leben direkt oder indirekt von Nahrung, die von oben hinunterfällt. Einige fressen die absinkenden Tier- und Pflanzenteile und werden selbst zur Nahrung für andere Arten.

Die Weltmeere nehmen etwa zwei Drittel der Erdoberfläche ein und sind im Durchschnitt 3800 Meter tief. Die Tiefsee mit ihren besonderen Lebensbedingungen beginnt nach Angaben von Wissenschaftlern in 200 Metern unter der Wasseroberfläche. Der tiefste Punkt der Tiefsee liege 11.000 Meter unter dem Meeresspiegel im westlichen Pazifik zwischen Japan und Neuguinea, sagt der Museumsleiter des Forschungsinstituts Senckenberg, Bernd Herkner.

Vollkommene Dunkelheit

Schon in der Dämmerzone zwischen 200 und 1000 Metern gibt es kaum noch Licht. Der Druck in 1000 Metern Tiefe ist den Forschern zufolge 100 Mal so hoch wie auf der Erdoberfläche. Dazu ist es vollkommen dunkel, deshalb gibt es weder Pflanzen noch Algen. Fische, Muscheln, Quallen und andere Lebewesen sind hoch angepasst an diese Umwelt. Für Bewohner der Erdoberfläche wäre allein der hohe Druck von mehreren Tausend Metern Wasser tödlich. Die Lunge würde sofort zusammenbrechen, die Tiere am Meeresgrund haben deshalb keine Lufträume in ihren Körpern.

Die Tiefsee ist zwar nach Aussagen von Wissenschaftlern der größte Lebensraum der Erde, bisher wurden aber erst wenige Quadratkilometer des Meeresbodens systematisch untersucht. Dies gelang wegen des enormen Drucks in großen Tiefen erst mit Spezial-U-Booten oder Robotern.

Lange wurde angenommen, dass in großen Tiefen überhaupt kein Leben möglich sei. Das widerlegten erste Expeditionen englischer und deutscher Wissenschaftler Ende des 19. Jahrhunderts. In den 1930er Jahren gab es erste bemannte Tauchfahrten in einer Taucherglocke bis in 1000 Meter Tiefe. Der Schweizer Tiefseeforscher Jacques Piccard, der im November im Alter von 86 Jahre starb, erreichte 1960 mit dem U-Boot "Trieste", das er mit seinem Vater konstruiert hatte, erstmals den Marianengraben im Pazifik in 10 916 Metern Tiefe. Auf ihnen lastete ein Wasserdruck von 170.000 Tonnen.

Die Ausstellung im Frankfurter Senckenberg-Museum ist bis zum 30. Juni geöffnet.

Sabine Ränsch, dpa

Fotostrecke: Senckenberg-Museum auf Tiefsee-Tauchfahrt

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