Design Mondrian und Möbel

Die Schnittstelle von Design und Kunst zeigt eine neue museale Dauerausstellung in Köln. Klassiker wie die Möbel von Charles Eames oder Marcel Breuer finden sich dort ebenso wie Gemälde Mondrians und Vasarelys. Die Sammlung bietet einen kurzweiligen Einblick in die Geschichte der industriellen Formgebung.

Köln - Ganz auf den Dialog der Kunstdisziplinen setzt Kölns neue Designsammlung: Möbel und Leuchten, Radios und Haushaltsgegenstände sind im Kölner Museum für Angewandte Kunst in direktem Zusammenhang mit Bildern und Skulpturen zu sehen.

Erstmals werde so in einem Museum dauerhaft die parallele Entwicklung von Kunst und Formgebung präsentiert, soKölns Kulturdezernent Georg Quander am Freitag. Um Vergleichbares studieren zu können, müsse man wohl bis ins New Yorker Museum of Modern Art (Moma) reisen. Die neue Dauerausstellung zeigt rund 500 Designobjekte und Kunstwerke, die seit dem Beginn industrieller Formgebung zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts entstanden sind.

Ausgestellt sind Möbel oder Elektrogeräte von Designern wie Charles und Ray Eames oder Dieter Rams zusammen mit Werken Kandinskys, Mondrians oder Vasarelys, die ein Privatsammler zusammengetragen und der Domstadt überlassen hat.

Eine Seele für tote Produkte

Der Schwerpunkt auf dem "heroischen" Design der frühen Jahre von De Stijl und Bauhaus, die Liebe zum Radio der 40er Jahre machen den persönlichen Blick des Schenkers deutlich. Weniger populäre Seitenwege der Kunstgeschichte von Laszlo Peris konstruktivem Betonrelief von 1921 bis zu Werken der 60er Jahre von Morellet oder Soto lassen Entdeckungen jenseits der "gängigen" Mondrians oder Uecker-Nagelreliefs zu.

"Der Künstler besitzt die Fähigkeit, den toten Produkten der Maschine Seele einzuhauchen", notierte der Architekt Walter Gropius 1913 im Pathos der Zeit. Wohl nie waren sich - vornehmlich konstruktive Kunst - und Formgebung so nah, wie in jenen Aufbruchjahren. Der US-Architekturpionier Frank Lloyd Wright erdachte 1904 einen skulptural wirkenden Schreibtisch mit integriertem Stuhl.

Peter Behrens - Deutschlands erster Industriedesigner - gestaltete wenig später im Auftrag der AEG formschöne, elektrische Wasserkessel. Das Bauhaus lieferte Stahlrohrmöbel etwa von Marcel Breuer ebenso wie Kunst aus dem reformatorischen Geist der Rationalität.

"Hässlichkeit verkauft sich schlecht"

"Hässlichkeit verkauft sich schlecht"

Der Kontrast der "Volksempfänger" als NS-Sprachrohr, natürlich im einheitlich-tristen braunen Gehäuse mit Adler und Hakenrune, zu den quietschbunten US-Radios der Zeit markiert nicht nur Design-Geschichte sondern zugleich den denkbar größten Unterschied zweier Lebensweisen.

Der Wahlamerikaner Raymond Loewy sieht die Design-Welt der 40er Jahre pragmatisch merkantil: "Hässlichkeit verkauft sich schlecht", ist seine Losung und er verpasst der Cola-Flasche dieselbe Stromlinienform, die sich an Ufo-ähnlichen Bügeleisen, raketenförmigen Staubsaugern oder dem im Museumsfoyer "geparkten" Mercedes-Sportwagen "Gullwing" (1955) wiederfinden lässt.

Mehr denn je wird in der Ära von Pop und Post-Moderne die eigenwillige Gestaltung der Alltagsgegenstände zum zunehmend bedeutenderen Verkaufsargument. Vom TV als schwarzglänzendem Quader ("Cubo Black"/1969) mit Antenne bis zum Riesen-Gummikaktus als Garderobenständer, von der handlichen Reiseschreibmaschine "Valentine" (1960) bis zum Sessel aus umgebautem Supermarkt- Einkaufswagen heißt die Design-Devise: Erlaubt ist, was ins Auge fällt.

In der Gegenwart, so analysieren Kölns Design-Experten, setzen die Entwerfer wieder mehr auf die Nähe zur Kunst. Damit scheint besonders der Überraschungseffekt gemeint zu sein, mit dem holländische Designer bei ihren 2006 gestalteten USB-Sticks spielen. Die Elektronik versteckt sich in kleinen Holzstückchen, die wie zersägte Weihnachtsbäumchen lange nach dem Fest aussehen.

Von Gerd Korinthenberg, dpa

Fotostrecke: Die neue Designsammlung in Köln

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