München Die Urlaubsstadt der Araber

Rund 500 Euro gibt jeder arabische Tourist täglich in München aus. Die Stadt an der Isar verkörpert für die Gäste aus dem Orient Luxus und Eleganz. Mehr als 60.000 arabische Gäste kommen pro Jahr - und bringen von einer Einkaufstour auch gerne mal ein neues Auto mit.

München - Schwarze Tschadors, weite Gewänder - überall in der Münchener Innenstadt ist zu sehen: Die Stadt an der Isar ist ein beliebtes Urlaubsziel für Gäste aus arabischen Ländern. Zehntausende kommen im Sommer und bummeln durch die Einkaufsstraßen. In einigen gehobenen Hotels machen sie zurzeit die Mehrzahl der Gäste aus, und für den Handel sind sie die besten Kunden überhaupt: Rund 500, teils bis zu 1000 Euro gibt jeder von ihnen pro Tag aus.

"München ist die Stadt der Araber", sagt Tourismuschefin Gabriele Weishäupl. Mehr als 60.000 arabische Gäste kamen im vergangenen Jahr und blieben mehr als 250.000 Nächte. Das ist rund ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor - und es sind doppelt so viele Übernachtungen wie in Frankfurt und Berlin zusammen. Bis zu diesem Juni stieg die Zahl der Gäste aus der Wüste in München noch einmal um 10 Prozent - dabei ist die Hauptsaison im Juli und August. "Wenn es da unten heiß ist, dann kommen sie hierher", erläutert Weishäupl. Manche verbringen mehrere Monate hier, einige bleiben bis zum Oktoberfest.

Fatima Aldaheri aus Abu Dhabi bummelt mit ihren Schwestern und ihrem kleinen Sohn zum ersten Mal durch München. Andere Familienmitglieder seien schon Stammgäste, sagt sie. "Jetzt wollten wir es auch einmal versuchen." Seit den Anschlägen von 2001 in New York und 2005 in London zieht es die arabischen Touristen verstärkt nach München.

"Sie treffen hier das, was ihren Erwartungen an Luxus und Eleganz entspricht", erläutert der Orientalistik-Experte Stefan Ovelgönne vom Tourismusamt. München sei sicher und sauber. "Es gibt keine offene Prostitution, keinen Drogenhandel und keinen Vandalismus." Mit seinen Traditionen und dem prunkvollen Ambiente trifft Bayern den Geschmack der Gäste.

"Sie gehen gerne in Schlösser, wo viel Gold ist", sagt Ovelgönne. Daneben lieben sie Grün und Blau: Grün stehe für Natur, sei aber zudem die Farbe des Islam. "Und blau ist das Wasser, das ihnen fehlt." Ein kräftiger deutscher Landregen kann die Wüstensöhne und -töchter nicht verschrecken - im Gegenteil. Höchstes Vergnügen bereite ihnen auch eine Schneeballschlacht auf der Zugspitze.

An der Edeleinkaufsmeile Maximilianstraße herrscht Hochbetrieb. Um den Preis verhandelt wird auch in den teuren Läden, dafür wird anschließend umso mehr gekauft: Markenkleidung, Schmuck, Uhren, Handtaschen, Gläser, Lebensmittel, aber auch Heilmittel bis hin zu Knieschonern. Besonders suchten die Frauen Hochzeits- und Babykleidung, berichtet Weishäupl. Die Männer hingegen nehmen gerne mal ein neues Auto mit nach Hause.

Wo Mubarak seine Bandscheibe kuriert

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Ein Mann in knielanger Hose und Flip-Flops und eine schwarz verhüllte Frau tragen ein halbes Dutzend Tüten mit Kosmetik und Parfum. Sie schieben eine tief verhüllte Frau im Rollstuhl. Ihre Mutter sei zur medizinischen Behandlung da, sagt die junge Frau. Allein die Städtischen Kliniken in München behandelten laut Tourismusamt im vergangenen Jahr mehr als 1000 arabische Patienten.

"Die Reha können sie im wunderschönen bayerischen Oberland machen, das mögen sie besonders gerne", sagt Else Gebauer vom Tourismusamt. Einer der prominentesten ausländischen Patienten war vor vier Jahren der ägyptische Präsident Husni Mubarak; er unterzog sich in einer Spezialklinik einer Bandscheibenoperation.

Wer es sich leisten kann, bringt nicht nur die Familie mit, sondern kommt im eigenen Jet und fliegt das Lieblingsauto mit ein. Für den Tross mit Bediensteten werden oft ganze Hoteletagen gemietet. "Das macht auch für das Hotel Sinn - die Araber leben viel mehr in die Nacht hinein als andere Gäste", sagt der Sprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, Frank-Ulrich John. Die Hotels haben sich auf die speziellen Bedürfnisse eingestellt: Sie schicken den Zimmerservice erst gegen Mittag, räumen den Alkohol aus den Minibars, bieten spezielles Essen und haben in den Zimmern für die täglichen Gebete die Richtung nach Mekka gekennzeichnet.

Längst reisen nicht mehr nur die Superreichen an. Die weniger betuchten Gäste fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln - und besetzen mit der Großfamilie schon mal einen ganzen S-Bahn-Waggon. Nur im Biergarten sind keine arabischen Besucher zu sehen - die bayerischen Nationalspeisen Bier und Schweinebraten sind für Muslime tabu.

Sabine Dobel, dpa

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