Klettersteige In gesicherte Höhen

Der Berg ruft - aber Freeclimbing ist nicht jedermanns Sache, und auch eine professionelle Bergsteigerausrüstung findet sich nicht in jedem Haushalt. Die Alternative: Gesicherte Klettersteige, die schwindelfreie Alpinlaien sicher in die Wand führen.

München - In luftigen Höhen an steilen Felsen hinaufzukraxeln, begeistert seit jeher die Freunde der Bergwelt. Bis man allerdings so weit ist, dass man sich an spektakuläre Steilaufschwünge wagen kann, braucht man viel Übung. Spontaner gelingt der Einstieg ins Klettern auf einem Klettersteig.

Ein Klettersteig, auch Via Ferrata (ital.: Eisenweg) genannt, ist eine befestigte Steiganlage in einem Gebiet, in dem sich ein normaler Wanderer auf Grund der Absturzgefahr nicht mehr fortbewegen könnte. "Entlang der Wegstrecke ermöglichen fest installierte Eisenstifte und Eisenleitern das Fortkommen des Kletterers. Ein durchgehendes Drahtseil, in das man sich mit einem Klettersteigset einklinkt, bewahrt die Leute vor dem Abstürzen", erklärt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein in München, Autor des Ratgebers "Richtig Klettersteiggehen".

In Deutschland gibt es derzeit ungefähr vierzig Klettersteige, alpenweit locken an die 1000 dieser befestigten Kletterwege Amateurbergsportler. "Das schöne am Klettersteiggehen ist, dass es sich als Sportart für fast jeden eignet", sagt der erfahrene Bergführer. Wenn man sich in den Bergen auskenne, könne man relativ schnell mit dem Klettersteiggehen anfangen, da man nicht erst noch komplexe Sicherungstechniken lernen müsse. Eine weitere Vereinfachung gegenüber dem klassischen Klettern sei, dass man sich den Weg durch den Felsen nicht erst noch selbst suchen müsse.

Klettersteige fordern jeden Muskel

Von leichten Pfaden mit geringer Steigung bis hin zu Sportklettersteigen mit besonders kniffligen Kletterpartien sind alle Schwierigkeitsstufen vertreten. Sogar für Kinder und Senioren gibt es Klettersteige, die deren Kraft- und Ausdauerreserven entsprechen. Wichtig sei, dass man bei der Tourenplanung die Dauer der Tour und den Schwierigkeitsgrad entsprechend anpasst. "Es gibt verschiedene Klettersteigführer, in denen man nachlesen kann, welchen Schwierigkeitsgrad und welche Länge ein Steig hat", erklärt Winter.

Wer regelmäßig an Klettersteigen trainiere, stärke durch die Ganzkörperbelastung sein Herz-Kreislauf-System und übe seine Koordination. "Das ständige Ziehen, Greifen, Abstützen und Balancieren fordert auch im Klettersteig jeden Muskel. Das Klettern auf Klettersteigen eignet sich daher auch als Einstiegsübung für das klassische Klettern", sagt Winter.

Wer sich auf einen Klettersteig wagt, sollte aber auch schon vorher körperlich fit und gesund sein: "Eine gute Ausdauer und Muskelkraft, vor allem in den Armen, ist unbedingt notwendig", sagt Winter. Als Faustregel gilt: Klettersteiger sollten in der Lage sein, zehn Liegestütze, fünf Klimmzüge und eine Stunde Joggen ohne Probleme zu meistern. Erst dann sind sie fit für den Berg. Auch absolute Schwindelfreiheit ist eine Voraussetzung fürs Klettersteiggehen. Menschen über vierzig, die ansonsten auch eher unsportlich sind, empfiehlt Winter außerdem eine sportmedizinische Untersuchung vor dem Aufstieg.

Bloß nichts Selbstgebasteltes

Bloß nichts Selbstgebasteltes

Ganz ohne Kletterausrüstung lässt sich der Berg auch auf einem Klettersteig nicht bezwingen. "Neben stabilen Bergschuhen, Funktionskleidung und einem Rucksack braucht man auf jeden Fall einen bergtauglichen Helm, einen Anseilgurt und ein modernes, normgerechtes Klettersteigset", sagt Winter. Er rät dringend davon ab, selbst gebastelte Bergsteigerutensilien zu verwenden, da diese den notwendigen Sicherheitsbestimmungen nicht entsprechen.

"Bergsteigen ist nie zu 100 Prozent sicher. Ein gewisses Risiko durch Steinschläge oder Gewitterfronten besteht auch in einem Klettersteig", warnt Winter. Weiter oben gehende Kletterer könnten Steine lostreten, und bei Gewitter locke das Eisen die Blitze noch zusätzlich an. Vor einem Totalabsturz schütze zwar das Drahtseil. Allerdings federe es Stürze nicht so weich ab wie ein langes Kletterseil, weshalb man mit wesentlich stärkeren Verletzungen rechnen müsse. Auch die Eisenvorrichtungen des Steigs könnten bei einem Sturz gefährliche Verletzungen zufügen.

Die größte Gefahr beim Klettersteiggehen sei jedoch das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten. "Gerade Anfänger machen oft den Fehler, sich völlig zu überfordern. Sie kommen dann an einen Punkt, an dem sie weder vor- noch zurückkönnen, weil sie so erschöpft sind, dass ihr Körper einfach blockiert", sagt Winter.

Bergneulingen empfiehlt Winter daher, zur Vorbereitung auf jeden Fall einen Kursus zu belegen, bei dem man sowohl die wichtigsten Techniken als auch Wissenswertes über das Gebirge und seine Eigenarten lernt. Klettersteigkurse bietet unter anderem der Deutsche Alpenverein  landesweit mit seinen 355 Sektionen an.

manager-magazin.de mit Material von ddp

Fotostrecke: Auf dem Klettersteig ganz nach oben

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