Mittwoch, 26. Juni 2019

Bodyflying "Jetzt bin ich ein Pfeil"

Der ehemalige Stuntman und Bungee-Pionier Jochen Schweizer verkauft konfektionierte Erlebnisse wie Fallschirmsprünge, Helikopterflüge und andere Freizeitabenteuer. Im Interview schildert er sein neuestes Projekt: Einen vertikalen Windkanal zur Freiflugsimulation.

mm.de: Herr Schweizer, Sie investieren in Bottrop neben der dortigen Alpinskianlage 4,7 Millionen Euro in einen vertikalen Windkanal. Grundsteinlegung war im Mai, das Gebäude soll 32 Meter hoch werden. Was kann man dort tun?

Schweizer: Dort kann man den freien Fall simulieren, den man sonst nur beim Fallschirmspringen erleben kann, ohne die damit üblicherweise verbundenen Risiken. Die Anlage wird von der Indoor Skydiving Germany GmbH betrieben, ein Joint Venture der Jochen Schweizer Unternehmensgruppe.

mm.de: Haben Sie Vergleiche mit anderen Anlagen?

 Eventpionier: Jochen Schweizer, 51, hält mehrere Bungeejumping- und Stuntrekorde. Für Firmen plant er Großevents, Privatpersonen können bei seiner Firma "Erlebnisgeschenke" kaufen.
Jochen Schweizer GmbH
Eventpionier: Jochen Schweizer, 51, hält mehrere Bungeejumping- und Stuntrekorde. Für Firmen plant er Großevents, Privatpersonen können bei seiner Firma "Erlebnisgeschenke" kaufen.
Schweizer: Ich bin alle Windkanalanlagen geflogen, die es auf der ganzen Welt gibt. Es gibt etwa zehn verschiedene, überwiegend offene Systeme. Das verrückteste System steht in Eilat, in der israelischen Wüste: Das ist ein B-52-Bombermotor mit 1500 PS, den ein israelischer Veteran auf ein Stahlgerüst montiert hat. Der Motor peitscht den Wind durch eine vertikal stehende Röhre, und es entstehen dort 200 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit.

Dieser Wind ist so schnell, dass Sie, wenn Sie in diese Röhre reinspringen, darin fliegen können - allerdings ist das in der vom Rotor zerhackten, rotierenden Luft sehr schwer, weil man die Rotation ausgleichen muss. Und es ist infernalisch laut, außerdem werden Sie sandgestrahlt, weil der Rotor alles ansaugt, was sich in der Wüste befindet.

Ein guter Fallschirmspringer kann das alles kontrollieren, wenn er mal 1000 Sprünge hat. Aber wir bieten ja außergewöhnliche Erlebnisse an, die jedermann erleben kann, nicht nur die Spezialisten. Auch Sie können in dieser Windkanalanlage, die wir bauen, fliegen. Warum können Sie fliegen? Weil es ein neues Prinzip ist. Eigentlich ein altes deutsches Patent, in den 30er Jahren entwickelt, eine Umlaufwindkanalanlage.

Wir erbringen eine technische Transferleistung. Diese Windkanäle wurden ursprünglich gebaut, um Fahrzeuge zu testen. Der Wind wird umgelenkt, geht durch das System zurück und wird wieder beschleunigt. Dadurch ist er nie langsamer als 150 Stundenkilometer. Sie brauchen nur die Energie, um den Wind von 150 auf 200 zu bringen. Und wir bauen den Rotor anders ein, sodass die Luft vollkommen laminar ist - so als wenn ich aus einem fahrenden Heißluftballon springen würde. Und diesen ganzen Windkanal setzen wir in die Vertikale. Deswegen kostet das auch ein bisschen Geld. Wir haben das selbst entwickelt, wir bauen das.

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