Montag, 22. Juli 2019

Bodyflying "Jetzt bin ich ein Pfeil"

6. Teil: "Da muss der Konsument durch"

mm.de: Haben Sie eigentlich eine persönliche Affinität zu allen Ihren Produkten? Vieles ist ja sehr interessant, aber was ist so toll daran, mit dem Vorschlaghammer ein Auto zu zertrümmern oder sich beim Militärdrill von einem Oberst anschreien zu lassen?

 Doppelwhopper: Fallschirm-Tandemsprünge fürs geführte Flugerleben
Jochen Schweizer GmbH
Doppelwhopper: Fallschirm-Tandemsprünge fürs geführte Flugerleben
Schweizer: Also, zu dem letzteren Produkt habe ich persönlich keine Affinität. Aber der Köder muss ja dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Zu fast allen Produkten auf dem Portal habe ich eine Affinität. Ich habe eine Affinität zum Kochen. Aber ich würde eher den mediterranen als den bayerischen Kochkurs wählen. Ich habe eine hohe Affinität zum Fliegen, aber ich würde eher Drachenfliegen wählen als einen Doppeldeckerflug.

mm.de: Ihr letzter Rekord ist elf Jahre her. Damals sind Sie an einem 1000 Meter langen Bungee-Seil aus einem Hubschrauber gesprungen. Werden Sie jetzt, mit 51 Jahren, ruhiger?

Schweizer: Ich bin an jede Grenze gegangen, die ich irgendwo sah. Irgendwann macht es keinen Sinn mehr, noch schneller zu fliegen, noch tiefer zu springen, weil es keine Veränderung mehr gibt. Dann geht man in die andere Richtung. Für mich war es eine große Herausforderung, Za-Zen zu praktizieren, eine buddhistische Meditationsform. Ruhig zu sitzen, ist für mich sehr schwer. Inzwischen kann ich es ganz gut.

Ich bin 1000 Mal aus Flugzeugen gesprungen. Ich habe 400 Außenlandungen mit dem Fallschirm gemacht. Ich habe 500 Flugstunden am Hängegleiter. Ich habe 3000 Bungee-Sprünge, darunter einen Haufen Rekorde. Ich bin die wildesten Flüsse der Welt gefahren. Ich habe 50 Erstbefahrungen gemacht; Wasserfälle. Man kommt irgendwann an den Punkt, wo Sie sagen: I had it. Ich bereue nichts. Aber ich wüsste nicht, aus welcher Motivation ich sagen sollte: Ich will jetzt 1500 Meter springen, nachdem ich vorher 1000 gesprungen bin. Irgendwann wird einer kommen, der diesen Rekord bricht. Der besteht jetzt seit elf Jahren. So what? Ich könnte das auch, aber es interessiert mich nicht mehr.

mm.de: Was für Ziele haben Sie denn im Leben?

Schweizer: Freiheit, Unabhängigkeit, Gelassenheit. Leichtigkeit. Meine grundsätzliche Einstellung ist: Give all, take all.

mm.de: Ich hätte gern von Ihnen ein Zitat erklärt: Wir geben Marken eine neue emotionale Dimension, denn heute kommt der Kunde nicht mehr zur Marke, die Marke muss sich dem Kunden in den Weg stellen.

Schweizer: Das bezieht sich auf die Kommunikationsdisziplin Event innerhalb der integrierten Marketingkommunikation. Das war jetzt kompliziert …

mm.de: Noch kann ich folgen.

Schweizer: Ich habe mit meiner Urfirma, die Events vermarktet, immer großen Erfolg gehabt, weil ich das Public Event begriffen habe als ein Instrument der Marketingkommunikation. Meine Spezialität sind Marketingevents, die sich in ihrer Wirkung an den finalen Rezipienten der Werbebotschaft richten.

Ich war mal in einer Podiumsdiskussion, vor etwa 15 Jahren, als die Vertreter der klassischen Werbung PR belächelt haben als Below-the-Line-Marketing. Wir hatten einen Verfechter auf der Bühne, der sehr gut begründet hat, dass nur Radiowerbung ihr Ziel erreicht, die Konsumenten verbindlich und im richtigen Moment mit der richtigen Botschaft anzusprechen. Da habe ich spontan gesagt: Ich will Ihnen mal was zeigen. Wie funktioniert Event? Ich bin aufgestanden, habe ins Publikum geguckt und habe gesagt: Bitte, meine Damen und Herren, stehen Sie auf.

Dann begannen zwei, drei aufzustehen, und zum Schluss stand der ganze Saal. Und ich habe gesagt: Schauen Sie, Sie können tausend Werbespots abschießen auf die Leute und denen sagen: Stehen Sie auf. Sie werden das nicht tun. Ein Event leistet genau das. Tosender Applaus. Das hat zu dem Leitsatz geführt: In einer modernen Kommunikation ist Event ein sehr wichtiger Baustein, weil er eine neue emotionale Dimension liefert in der Ansprache des Rezipienten, weil er direkt wirkt, weil er Menschen dazu bringt, Dinge zu tun, die sie sonst nicht tun würden. Ich stelle mich dem Konsumenten mit einem Event in den Weg. Da muss er dann durch.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung