Dienstag, 23. Juli 2019

Bodyflying "Jetzt bin ich ein Pfeil"

5. Teil: "Sie werden nichts auf null Risiko kriegen"

mm.de: Was läuft am besten?

Schweizer: Die Toperlebnisse sind Helikopter-selber-fliegen, Fallschirmspringen und witzigerweise auch das Candlelightdinner.

 Ein Hundeleben: Wer nicht fliegen will, kann auch Huskyschlitten fahren
Jochen Schweizer GmbH
Ein Hundeleben: Wer nicht fliegen will, kann auch Huskyschlitten fahren
mm.de: Ist das, was Sie anbieten, nicht eigentlich diametral Ihrem eigenen Charakter entgegengesetzt? Sie sind als ehemaliger Stuntman und Halter diverser halsbrecherischer Rekorde ja jemand, der immer an die Grenzen gegangen ist. Ihre Kunden wollen das Abgesicherte …

Schweizer: Zunächst einmal: Jede Extremsportart, die wir anbieten, beinhaltet die damit typischerweise verbundenen Risiken. Aber ich bin gerade deswegen noch auf dieser Welt, weil ich bei allem, was ich getan habe, ein sehr realistisches Verhältnis zum Risiko gehabt habe. Das ist ja die Aufgabenstellung, nicht auf etwas zu verzichten, sondern es trotzdem machen, mit der üblicherweise damit verbundenen Angst zu scheitern. Auch meine Kunden wollen ja nicht darauf verzichten. Das passt schon ganz gut.

mm.de: 2003 ist einer Ihrer Kunden in Dortmund bei einem Sprung von einer Bungee-Anlage ums Leben gekommen, weil das Seil riss.

Schweizer: Die Staatsanwaltschaft hat eine Anschuldigung erhoben. Ich bin ja nicht angeklagt. Ich bin Angeschuldigter. Das Gericht hat die Anschuldigung geprüft und ist zu der Erkenntnis gelangt, dass sie ungerechtfertigt ist. Die Eröffnung eines Verfahrens wurde abgelehnt. Dagegen opponiert die Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft beharrt aus meiner Sicht aus politischen Gründen darauf, einen Schuldigen finden zu wollen.

mm.de: Hat Sie der Unfall persönlich verändert?

Schweizer: Ungeheuer. Der Unfall von Dortmund hat mich ungeheuer verändert.

mm.de: Inwiefern?

Schweizer: Ich bin durch eine tiefe persönliche Krise gegangen. Aber ich hätte an diesem Tag an diesem Ort mit diesem Seil meinen eigenen Sohn springen lassen.

Es ist schrecklich, was passiert ist, aber es ist passiert. Das Leben muss weitergehen für alle. Letztlich auch für mich. Aber ich bin einmal durchs Fegefeuer gegangen - und zurück. Was ich als Konsequenz für mich daraus ziehe, ist, dass ich versuche, bei allem, was ich anbiete, die größtmögliche Sicherheit zu gewähren. Aber Sie werden nichts auf null Risiko kriegen.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung