Dienstag, 10. Dezember 2019

Bodyflying "Jetzt bin ich ein Pfeil"

3. Teil: "Ich kann reaktiv vorgehen"

mm.de: Und wer will das? Sie rechnen angeblich mit 30.000 zahlenden Fluggästen im Jahr …

 Noch stehen alle auf der Erde: Grundsteinlegung für den Windtunnel in Bottrop, links Jochen Schweizer
Jochen Schweizer GmbH
Noch stehen alle auf der Erde: Grundsteinlegung für den Windtunnel in Bottrop, links Jochen Schweizer
Schweizer: Das Produkt richtet sich an drei Zielgruppen: Zum einen die, nennen wir sie: Recreational People. Das sind Leute, die einfach mal das Gefühl des freien Falls haben wollen. Die zweite Zielgruppe sind Profifallschirmspringer. Sie können heute an keiner Meisterschaft mehr teilnehmen, ohne stundenlang im Windkanal zu trainieren. So viele Sprünge können Sie gar nicht machen. Dabei lernen Sie eine solche Körperbeherrschung in der Luft, die Sie im Realen bei Wettkämpfen einsetzen können.

Dritte Zielgruppe ist natürlich die Bundeswehr, die ihre Fallschirmspringer ja irgendwo ausbilden muss. Es ist ziemlich teuer, das real zu tun, weil sie die ja alle in ein Flugzeug packen müssen. Und hier können sie sie einfach im Windkanal trainieren. Das sind drei Zielgruppen für die Anlage in Bottrop. Und weil wir drei Zielgruppen haben, trauen wir uns auch, die zu bauen.

mm.de: Wie weit sind Ihre Verhandlungen mit der Bundeswehr?

Schweizer: Die Verträge sind noch nicht unterzeichnet. Aber das Militär im weitesten Sinne ist die dritte Zielgruppe.

mm.de: Warum steht die Anlage ausgerechnet in Bottrop?

Schweizer: Wir werden mehrere dieser Anlagen bauen. Bottrop war der Standort, an dem wir am meisten politischen Rückenwind hatten.

mm.de: Und wo sollen die anderen stehen?

Schweizer: Der deutsche Markt verträgt mindestens drei, vielleicht auch fünf Windkanalanlagen. Sehr gerne in Hamburg. Die Flughäfen in München und Frankfurt wären gute Standorte. Berlin ist ein guter Standort. Aber auch Rom und Mailand wären fantastisch.

mm.de: Die Windkanalanlage ist eines von 15 sogenannten Sensationsprojekten, die Sie bis 2010 realisieren wollen.

Schweizer: Wer schreibt das?

mm.de: Das steht auf Ihrer Website.

Schweizer: Jochen Schweizer ist ja nicht nur eine Firma. Das ist eine Unternehmensgruppe aus acht Firmen, von denen drei an die Öffentlichkeit treten. Eine davon ist die Jochen Schweizer Projects AG. Das ist eine mit viel Kapital ausgestattete Developer-Firma, die Projekte identifiziert und realisiert, die unmittelbar über das Internetportal der Jochen Schweizer GmbH vermarktbar sind. Wir investieren nur in Projekte, wo wir nach unten abgesichert sind.

Wir sehen ja, was gekauft wird. Wenn ich feststelle, der Trend geht zum freien Fallen, zum Fliegen - Fallschirmspringen ist von den 550 verschiedenen Erlebnissen, die wir verkaufen, unser Top-Zwei-Produkt - dann fällt es mir natürlich sehr leicht, 4,7 Millionen Euro in dieses Umfeld zu investieren. Ich habe da quasi ein eigenes Marktforschungsinstitut. Ich muss ja nur gucken: Was klicken die Leute auf der Website? Wir haben acht Millionen Besucher im Jahr. Das ist ja schon mal eine statistisch relevante Größe. Ich kann reaktiv vorgehen.

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