Wellenreiten Immer obenauf

Nicht nur auf Hawaii und vor Australien können Surfer das Glück auf dem Brett zelebrieren. Auch in Deutschland ist die perfekte Welle zu finden - an Nord- und Ostsee gibt es interessante Resorts, in denen selbst Anfänger entspannt den Wellenritt erlernen können.

Münster - Blaugrün und schäumend baut sich die Welle auf. Als sie anfängt, in einer gigantischen Rolle vornüber zu kippen, ist der Moment des Surfers gekommen: Er springt auf sein Board und lässt sich von den Wassermassen durch den Tunnel tragen, bis die Welle endgültig über ihm bricht und er kurz darauf prustend und glücklich wieder auftaucht.

Seit Hunderten von Jahren findet das Wellenreiten immer wieder neue Fans an den Stränden der Welt. "Schon als James Cook im 18. Jahrhundert Hawaii besuchte, soll er auf Einheimische getroffen sein, die auf Brettern in den Wellen surften. Es wird sogar angenommen, dass Wellenreiten bereits um 1500 vor Christus in Polynesien entstand", berichtet Jan Groenendijk, Präsident des Deutschen Wellenreit Verbandes (DWV) .

Groenendijk selbst hat vor zwölf Jahren seine Leidenschaft für das Spiel mit den Wellen entdeckt, und diese lässt ihn bis heute nicht los. "Surfen ist viel mehr als eine Sportart. Es ist eine einzigartige Mischung aus Naturerlebnis und dem Gefühl des endlosen Sommers. Und als Wellenreiter ist man immer da, wo was passiert", sagt er.

Dafür nehmen Surfer oft weite Reisen auf sich. Immer auf der Suche nach der vielzitierten perfekten Welle werden Strände in Südfrankreich, Portugal, auf den kanarischen Inseln oder auch in Australien angesteuert. Aber auch hierzulande lässt sich mit einem Surfboard viel bewegen.

Start auf dem Minimalibu

"Die deutschen Wellen werden unterschätzt. Sie sind zwar nicht so hoch wie vor Hawaii, aber an den Stränden der Nord- und Ostsee kann man durchaus auf gute Bedingungen zum Wellenreiten treffen", sagt Groenendijk. In deutschen Surf-Resorts wie Sylt, St. Peter-Ording oder Norderney wachse eine beachtliche Surferszene heran. "Einige der deutschen Surfer gehören schon zur internationalen Elite und sind auf Wettkämpfen sehr erfolgreich", berichtet der Surflehrer.

Das Prinzip ist einfach. Zum Surfen braucht man Wellen, und Wellen brauchen Wind. "Wenn irgendwo vor Island ein Sturm auf dem Meer tobt, dann warten wir hier, bis ein paar Tage später die Wellen dieses Sturms an unseren Stränden für ideale Surfbedingungen sorgen", erklärt Groenendijk. Ansonsten finde man meist morgens und abends gute Wellen an den beliebten Stränden.

Alles, was man zum Wellenreiten braucht, ist ein Surfboard. "Das Brett muss gleiten können. Dazu sollte es relativ knapp unter der Wasseroberfläche liegen", erklärt Groenendijk. Je größer und schwerer eine Person sei, desto mehr Board-Volumen brauche sie, damit das Brett von der Körpermasse nicht zu tief unter Wasser gedrückt werde. "Am besten fängt man also mit einem längeren Brett, einem 'Minimalibu' an. Diese Bretter verzeihen viele Fehler, lassen sich aber einfacher lenken als zum Beispiel das klassische Longboard", sagt Groenendijk.

Lächelnde Pinguine im Herbststurm

Lächelnde Pinguine im Herbststurm

Um die perfekte Welle zu ergattern, legt man sich bäuchlings auf sein Surfboard und paddelt ein Stück aufs Meer hinaus. "Wenn dann die Welle kommt, bringt man sich im rechten Winkel zum Wellenkamm in Position, fängt an zu paddeln und wartet, bis das Brett hinten leicht angehoben wird und anfängt zu gleiten", sagt Groenendijk. Jetzt muss man sich blitzschnell aufrappeln und auf beiden Beinen auf dem Board zum Stehen kommen, um die Welle absurfen zu können. "Anfänger lassen sich dann einfach von der Welle in Richtung Strand spülen. Später kann man anfangen, entlang der Brechung der Welle zu surfen", sagt Groenendijk.

Um so weit zu kommen, sei gar nicht so viel Übung nötig. "Normalerweise haben alle Anfänger den Bogen nach einer Woche Training raus", sagt Groenendijk. Sogar Schulkinder und Senioren seien nach kompetenter Anleitung in der Lage, auf dem Surfboard die Wellen zu bändigen.

Doch zum Surfen gehören nicht nur Geschicklichkeit und ein bisschen Muskelkraft. "Das Meer ist nur dann ein guter Spielplatz, wenn man gelernt hat, mit seinen Gefahren umzugehen. Deshalb sollte man auch niemals alleine surfen gehen, wenn man den Strand nicht gut kennt", warnt Groenendijk. Mehr noch als ein Schwimmer müsse sich ein Surfer mit Wetterbedingungen, Windgeschwindigkeiten und Sicherheitsvorkehrungen auskennen.

Der Wellenreitexperte hält es für unerlässlich, einen grundlegenden Surfkurs zu machen, in dem man Theorie und Praxis des Boardsports erlernt. Damit es in der perfekten Welle nicht zu Unfällen kommt, müssen sich nämlich auch alle Surfer weltweit an bestimmte "Verkehrsregeln" halten. "Wer näher an der Stelle ist, an der die Welle bricht, dem gehört die Welle", erläutert Groenendijk die wichtigste der Bestimmungen.

Risikoarmer Sport

Insgesamt hält er das Wellenreiten für einen relativ risikoarmen Sport. "Die Wellen tragen einen eigentlich immer wieder an Land zurück. Außerdem hat man das Board und den Neoprenanzug, die einen ganz gut über Wasser halten", sagt Groenendijk. Man müsse es nur schaffen, die Angst vor den Wellen zu überwinden.

Surfen ist kein Schönwettersport. Auch bei Regen, Kälte und sogar Schnee wagen sich waschechte Wellenreiter mit ihrem Board aufs Meer hinaus. "Im Herbst, Winter und Frühjahr herrschen sogar meist die besseren Surfbedingungen als im Sommer. Man muss sich dann eben nur wärmer anziehen", sagt Groenendijk. Das bedeutet, dass man nicht in lässigen Boardshorts oder im Bikini ins eiskalte Wasser steigt, sondern sich einen extra dicken Neoprenanzug, Schuhe, Handschuhe und eine Haube anzieht.

"Wenn man so eingemummelt über den schneebedeckten Strand watschelt, sieht man ein bisschen aus wie ein Pinguin. Das ist irgendwie verrückt - aber sobald man die erste Welle erwischt, hat man sofort ein Lächeln im Gesicht, das gar nicht mehr weg geht", sagt Groenendijk.

manager-magazin.de mit Material von ddp

Fotostrecke: Der Ritt auf der Welle

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