Jachtdesign Die Leichtigkeit des Scheins

Larry Ellison, Roman Abramowitsch, die Herrscher von Spanien bis in den Nahen Osten - wenn es um den Innenausbau ihrer Luxusjachten geht, vertrauen sie alle Rudolf Rincklake van Endert. manager-magazin.de sprach mit dem westfälischen Inneneinrichter über die perfekte Jacht, anspruchsvolle Kunden und Unternehmergeist.

Senden - Saftige Wiesen mit Kühen und Pferden, wogende Weizenfelder und alte Klinkergehöfte. Senden-Bösensell im Münsterland gilt nicht gerade als das Segelmekka. Die nächsten Boote sind wahrscheinlich die Optimisten auf dem Aasee im benachbarten Münster.

Doch genau hier, rund 200 Kilometer vom nächsten offenen Gewässer entfernt hat die Firma Metrica Interior - einer, wenn nicht der Topausstatter der Jachtindustrie, in einem grauen Zweckbau im Industriegebiet seinen Sitz.

Vom spanischen König Juan Carlos über die Herrscherhäuser des Nahen Ostens bis zu Oligarchen wie Roman Abramowitsch: Sie alle kommen zu Rudolf Rincklake van Endert, wenn es um den Innenausbau ihrer Jachten geht. Ob Superleichtbau, Edel-Hightech oder Prunk-Look - die Münsterländer realisieren, was das Milliardärsherz begehrt.

Während seine Kunden Millionen ausgeben, um in edler Umgebung über die Wellen zu gleiten, bleibt Metrica-Chef Rincklake van Endert lieber an Land. Bis heute hat der Westfale keinen Motorbootführerschein. Und auch Jungfernfahrten sind alles andere als eine Leidenschaft des groß gewachsenen Mannes mit dem weißen Vollbart. "Ich hab' mit Schreinerei zu tun", sagt er und zieht dabei genüsslich an seiner Pfeife. "Nicht mit Seefahrt."

Zum Jachtdesign kam der Nachfahre einer alteingesessenen Münsteraner Inneneinrichterfamilie denn auch wie die Jungfrau zum Kind. "Das Ganze war aus der Not geboren", erzählt er. "Ich bin eigentlich Kaufmann."

Als in den 70er Jahren das Geschäft mit exquisiter Inneneinrichtung immer schwieriger und der Preiskampf heftiger wurde, schaute sich Rincklake van Endert nach neuen Märkten um. "Dabei sind wir auf den Nahen Osten gestoßen."

"Immer mehr, mehr, mehr"

Vom Land auf die See

Einige Jahre liefen die Geschäfte dort gut. "Wir haben den Leuten alles aus einer Hand verkauft, von Möbeln bis zum Besteck und Geschirr", blickt er zurück. Doch mit dem Ausbruch des Irak-Kriegs geriet das lukrative Business mit den Arabern ins Stocken.

Ersatz musste her - und fand sich auf dem Wasser. Für eine schwedische Werft bauten die Münsterländer erstmals in der 300-jährigen Firmengeschichte eine Jacht aus. Zwar war die Skepsis am Anfang groß. Doch die Premiere gelang. "Und so ging die Geschichte weiter: immer mehr, immer mehr, immer mehr." Das Ganze, erzählt der Firmenchef, "läuft vor allem über Mundpropaganda."

Waren es sonst edle Massivholzmöbel und schwere Textilien, die sich die Kunden wünschten, musste beim Bootsausbau alles eine Nummer leichter sein. Und auch technisch gab es für die frischgebackenen Schiffsausstatter eine Menge dazuzulernen.

Wie groß der planerische Aufwand ist, wird schon beim Betreten des Unternehmens klar: Überall im Großraumbüro stapeln sich in Kisten und Schachteln, auf den Tischen und auf dem Boden Muster und Proben von Scharnieren, Knäufen, Klinken, Bodenbelägen und Polstern. In verschiedenen Lackierungen, Bespannungen mit unterschiedlichen Nähten, mal in Gold, mal in Bronze, matt oder glänzend.

Dazwischen auf, über, an und neben den Schreibtischen und Regalen hängen und liegen Tausende von Zeichnungen und sogenannte Mood Boards, colorierte Entwürfe, die einen Designstil illustrieren und zeigen, wie die Räume später aussehen sollen. "Tausend Zeichnungen pro Schiff sind keine Seltenheit", meint Rincklake van Endert.

Eine paar Schritte entfernt, in den Werkhallen, wird aus den Visionen Wirklichkeit: Vom überdimensionalen Fernsehschrank in Leichtbauweise über die Brückenaustattung bis zur geflochtenen Wandverkleidung - hier wird gefräst, lackiert, furniert, zugeschnitten, geprüft, zusammengebaut, nummeriert und vorsichtig verpackt, damit es die Mitarbeiter vor Ort zusammenbauen können.

"Technisch perfekt planen"

Luxus nach Maß

"Technisch perfekt planen, das können Deutsche", sagt Rincklake van Endert und hinter seiner randlosen Brille blitzt in den Augen unverhohlener Stolz auf. "Wir verkaufen Made in Germany", fügt er hinzu und berührt im Weitergehen eine Schranktür, die sich prompt wie von Zauberhand geräuschlos schließt.

Die Ansprüche der zahlungskräftigen Kundschaft sind hoch: Mal muss es ein über vier Decks reichendes Treppenhaus aus Glas und Stahl mit freiem Blick auf das ganze Schiff sein, mal eine schwenkbare TV-Schrankwand aus 24 einzeln steuerbaren Flachbildschirmen oder eine von winzigen Heizfäden durchzogene, gläserne Duschwand, die ihrem Besitzer auch nach einer Stunde Dauerduschen noch einen unvernebelten Blick auf den Fernseher garantiert. Was möglich ist, wird realisiert.

Das Ganze hat seinen Preis: "Kosten von fünf bis 15 Millionen für ein 50-Meter-Schiff sind keine Seltenheit", meint der Firmengründer. "Die Zeit und das Geld, das für Jachtdesign und Innenausbau ausgegeben wird, ist in den vergangenen 20 Jahren deutlich gewachsen."

Dafür bekommen seine Kunden aber auch Maßlösungen, die sie auf Wunsch auch schon einmal im firmeneigenen Sample-Raum ausprobieren können. Von der Luxusdusche mit farbigen Lichteffekten über den perfekten Fall der Lederjalousien bis zum Finish der Säulenattrappe im Marmor-Look. Wer will, kann kommen, anfassen, anschauen und verschiedene Versionen ausprobieren.

In der Regel wünschen die Kunden Unikate. "'One of a kind' ist die Devise", erläutert Rincklage van Endert das Prinzip. Manchmal müssen es aber auch "two of a kind" sein - beispielsweise dann, wenn die Freude über das neue Schiff zu exzessiv ausfällt. "Es ist schon mal vorgekommen, dass bei der Einweihung ein Dutzend Araber so heftig auf den hochglanzlackierten Tischen getanzt haben, dass er völlig zerkratzt war", meint er trocken. "Den mussten wir noch vor dem ersten Auslaufen austauschen."

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