Antikenforschung Römer auf der Alster

Hightech von gestern: Eine originalgetreue Römergaleere haben junge Bootsbauer und Geschichtswissenschaftler der Hamburger Uni nachgebaut. Die "Victoria" macht bis zu sechs Knoten und fährt unter dem Motto "Cursum nullius cuius quam causa tardamus" - frei übersetzt: Wir bremsen für niemanden.

Hamburg - 2000 Jahre nach der Varusschlacht sind wieder Römer auf Germaniens Flüssen unterwegs - diesmal allerdings in friedlicher Absicht. Die "Victoria" ist ein Nachbau zweier römischer Galeeren, die 1994 unweit von Ingolstadt geborgen wurden. Mit ihr wollen die Hamburger Geschichtswissenschaftler Geschwindigkeiten und Fahreigenschaften des antiken Bootstyps erforschen.

Wie die Originalfunde ist das Schiff 16 Meter lang und fast drei Meter breit. An 20 Riemen können sich die Ruderer ins Zeug legen - bei Testfahrten auf dem Ratzeburger See erreichte das Schiff eine respektable Geschwindigkeit von sechs Knoten (elf Stundenkilometer). Die wendige Galeere lässt sich in nur 30 Sekunden um 180 Grad drehen - aber das läuft eigentlich der Geisteshaltung ihrer Erbauer zuwider, von der ein Schild am Bug kündet: "Cursum nullius cuius quam causa tardamus" - zu deutsch: Wir werden unseren Kurs aus keinem Grund ändern, oder, etwas freier übersetzt: Wir bremsen für niemanden.

Am Freitag taufte die Präsidentin der Uni Hamburg, Monika Auweter-Kurtz, an der Hamburger Außenalster die Galeere, die in 15 Monaten Bauzeit von zwei Bootsbauern, 17 Studenten und drei Bootsbaulehrlingen in einer Harburger Werft gefertig worden war. Initiator des Projektes war der Hamburger Althistoriker Christoph Schäfer. Das Kriegsschiff wird im Sommer auf Rhein, Ems, Weser und Lippe touren und für die Ausstellung "Imperium, Konflikt, Mythos - 2000 Jahre Varusschlacht"  werben, die im kommenden Jahr in den Römermuseen Haltern, Kalkriese und Detmold gezeigt wird.

Beim Bootsbau hielten sich die Historiker streng an Originalmaterialien: Das Spantgerüst der "Victoria" besteht aus Eichenholz, ebenso die gedrechselten Holznägel, die die Galeere zusammen halten. Planken und Mast sind aus Lärchenholz, die Riemen aus Fichte; die ganze Konstruktion ist in Nut- und Federbauweise ausgeführt. Insgesamt kostete der Nachbau 250.000 Euro.

An diesem Wochenende wird das Schiff noch bis einschließlich Sonntag seine Runden auf der Hamburger Außenalster drehen; die "Römerkohorte Opladen" hat dazu an der Krugkoppelbrücke ein originalgetreues Römerlager aufgebaut, in dem sie den Alltag römischer Legionäre demonstriert. Weitere Termine hier. 

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