F. C. Gundlach Der Mode-Ikonograph

Vor 50 Jahren waren die Models noch Schauspielerinnen. Eleganz statt Skandalpose bestimmte die Attitüde, und Hochglanzmagazine inszenierten die Sehnsucht nach Schönheit. Der Fotograf F. C. Gundlach prägte über Jahrzehnte die kollektive Wahrnehmung der Modewelt. Eine große Retrospektive in Hamburg lädt zur Zeitreise.

Hamburg - Was für ein Leben. Ein Exklusivvertrag mit der Lufthansa machte den Fotografen Franz Christian Gundlach, der sich selbst nur F. C. Gundlach nennt, zum Jet-Setter, dessen Medium die klassische Illustrierte war - und der in Tausenden von Bildern den Zeitgeist der Mode bannte.

Orte, Menschen und Mode gingen in seinen Fotostrecken stets atemberaubende Symbiosen ein - ob in Ägypten oder Afrika, in Paris, Berlin oder New York. Gundlach war sein eigener Location Scout und flog, wohin er wollte. Die Limitationen von Layout und die Sachzwänge des Motivs, denen er als Modefotograf unterlag, hat er als Herausforderung begriffen - und war über Jahrzehnte stilprägend für die Wahrnehmung von Mode.

Das Hamburger Haus der Photographie  in den Deichtorhallen, dessen Gründungsdirektor F. C. Gundlach ist, widmet dem 81jährigen jetzt im Rahmen der von ihm mitinitiierten Triennale der Photographie eine groß angelegte Retrospektive mit fast 900 Exponaten. "Uns war es wichtig, Gundlach nicht nur als Modefotografen zu zeigen, sondern seine verschiedenen Arbeitsfelder darzustellen - von der Reisereportage über Architekturfotografie bis hin zum Starporträt", sagt Ulrich Rüter, der die Schau zusammen mit Sebastian Lux, Klaus Honnef und Hans-Michael Koetzle konzipiert hat.

Lockere Eleganz, inszenierte Posen

Mehr als 5500 Modeseiten und 180 Titelbilder hat F. C. Gundlach zwischen 1963 und 1986 allein für die Zeitschrift "Brigitte", dem Leitmedium weiblichen Mainstream-Selbstverständnisses, produziert. Allein rund 10.000 Pelze, schätzte der Fotograf einmal, habe er im Laufe seiner Karriere in Szene gesetzt. Für andere Blätter wie "Film und Frau", "Stern", "Revue" und "Quick" schuf Gundlach Star- und Künstlerporträts, Homestorys und Reportagen.

Bereits 1953 fand er mit einer ersten Fotostrecke zur Modefotografie. Hinter scheinbar lockerer Eleganz steckten häufig mit akribischer Sorgfalt inszenierte Posen. Fast intime Nähe schufen seine Schwarzweißaufnahmen von Stars wie Gina Lollobrigida oder Romy Schneider, die für die Aufnahmen sogar auf jedes Make-Up verzichtete.

Die Ausstellung, die noch bis zum 7. September läuft, zeigt Ikonen der Modefotografie von hohem Wiedererkennungswert, aber auch seltene und bisher nie gezeigte Aufnahmen, oft in Vintage-Qualitäten mit Originalabzügen aus den Jahren der Aufnahmen selbst. Das bietet einen breiten Zugang sowohl zur Entwicklung des Schaffens von F. C. Gundlach selbst als auch zum Wandel der Bildästhetik durch die Jahrzehnte - denn im kompositorischen Destillat der inszenierten Model-Posen zeigt sich der Zeitgeist womöglich deutlicher als in den zufällig gefundenen Bildern zeitgenössischer dokumentarischer Fotografie.

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