Donnerstag, 2. April 2020

Schirmgeschäft Immer wenn es regnet

3. Teil: 1000 Euro für einen Brigg

1000 Euro für einen Brigg

Der teuerste Schirm, den die Hamburgerin je verkauft hat, kostete knapp 1000 Euro. Das war ein Brigg aus London "quasi der Mercedes unter den Schirmen". Verkauft habe sie ihn an einen Lottomillionär. "Der ist reingekommen und hat gesagt, er wollte den teuersten Schirm den es gibt. Beim Preis hat er erst einmal geschluckt - aber er hat ihn genommen."

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Mehr als auf die Parapluies des 1836 gegründeten Londoner Traditionshauses, das auch die Royals vor meteorologischen Widrigkeiten bewahrt und den Markt mit skurrilen Spezialanfertigungen - wie etwa Schirmen mit im Stock versenkbarer Whisky-Flasche versorgt, hält die 40-Jährige mittlerweile aber von den Produkten der Mailänder Manufaktur Francesco Maglia. Die fertigen seit mehr als 150 Jahren bis heute in Handarbeit Meisterstücke der Schirmmacherkunst in Topqualität.

Auf Wunsch ihrer Kunden stellt Vertein auch eigene Schirme her. Selbst für einen Altkanzler hat sie schon gearbeitet. Etwa 150 Stück verlassen ihre Werkstatt jedes Jahr, sagt Vertein, während sie mit routinierten Handgriffen kleine Metallspitzen, sogenannte Kugelspitzen, an die Enden eines Schirmbezugs näht.

Das Zuschneiden, Nähen, Heften und Fräsen erledigt sie direkt im Laden, an ihrer von feinem Holzstaub, diversen Zangen, Bindfäden und Drähten übersäten Werkbank neben dem Verkaufstresen. Etwa eineinhalb Stunden braucht sie im Durchschnitt pro Schirm.

Der Löwenanteil - etwa die Hälfte ihrer Arbeit - geht jedoch für Reparaturen drauf. Im Jahr sicher mehrere Tausend Fälle. Verteins Kunden werfen nicht gern weg.

"Einmal hab ich einen Schirm von Sissi bezogen - nicht der aus dem Film, der echten", erzählt sie mit leuchtenden Augen vom Auftrag eines Antiquitätenbesitzers. "Der war vollkommen marode. Mit einem neuen Bezug aus Krawattenseide sah er wieder richtig edel aus."

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