Donnerstag, 2. April 2020

Schirmgeschäft Immer wenn es regnet

2. Teil: Billigware aus Fernost

Billigware aus Fernost

Der Regenschirm ist zum Bedarfsartikel geworden, wie Papiertaschentücher oder Handcreme. Früher aber war er ein Herrscherprivileg, ein Zeichen für Macht und Würde. Vorläufer soll es angeblich schon vor 5000 Jahren gegeben haben.

Ein Must - nicht nur für Briten: Im Rolls- Royce Phantom findet sogar der Regenschirm stilsicher Platz
Jürgen Pander
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Seinen Siegeszug als Gebrauchsgegenstand trat der Schirm in Europa Ende des 18. Jahrhunderts an. Weil er einen hohen Nutzwert hatte - und weil er schön aussah. Aus den Bildern der Impressionisten ist er als Accessoire kaum wegzudenken.

Technisch wurde er mit den Jahren immer komplexer. Aus rund 200 bis 300 Einzelteilen - vom Gelenk über die Feder bis zur Speiche - besteht ein moderner Schirm heute. Und die müssen alle präzise funktionieren.

Kaum zu glauben also, dass der Durchschnittspreis mittlerweile unter die Fünf-Euro-Marke gefallen ist - die vielen Werbegeschenke mit eingerechnet, die allein 30 Prozent des Schirmmarktes ausmachen.

Doch selbst bei solchen Preisen lässt sich noch etwas verdienen, weiß Schirmhändler Schüffler. "Wenn ein Stück für 4,50 Euro verkauft wird, verdient der Händler in einer Größenordnung von 2,20 Euro."

Dass die Hersteller bei solchen Preisen oft nicht nur am Material, sondern auch an den sozialen Standards sparen, ist in der Branche kein Geheimnis. "Man muss sich halt bewusst sein, dass wahrscheinlich ein Achtjähriger daran gearbeitet hat", sagt Vertein und spannt einen Billigschirm aus ihrem Sortiment auf. Gern verkaufe sie solche Schirme nicht, sagt sie. Doch die Nachfrage ist da.

Ihr Hauptgeschäft macht Vertein allerdings mit ihren hochwertigen Schirmen. Qualitätsprodukte, die nicht gleich beim ersten Windstoß einknicken und auch mal den ein oder anderen Starkregenguss vertragen - unter rund 40 Euro ist so ein Exemplar aber kaum zu haben.

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