Flipper Gib mir die Kugel

Es klackert, klickt, blinkt, klingelt und heult: Flippern ist, wie alle Ex-Jugendlichen wissen, eine äußerst sinnliche Erfahrung. Ein Sammler aus Schwerin will nun mit seinen kreischbunten Kugelspieltischen ein Museum aufbauen, das die Kneipenkultur von gestern feiert.

Schwerin - "Flip" ist englisch und heißt "schnipsen". Flipper sind Spielautomaten, an denen per Knopfdruck Kugeln übers Spielfeld geschubst und damit Punkte gesammelt werden. Kein Geldgewinn sei das Ziel, allenfalls eine zusätzliche Spielrunde, betont "Flipper-Experte" Matthias Gomoll aus Schwerin.

Der gelernte Elektromonteur und IT-Kaufmann im Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommerns sammelt und restauriert in seiner Freizeit Flipper - jene Spielautomaten, die heute von Videospielen verdrängt und damit vom Aussterben bedroht sind. Zusammen mit seinem Kollegen Arne Hennes plant er in Schwerin Norddeutschlands erstes Flippermuseum .

Kindheitserinnerungen wachzurufen ist eins der Anliegen des Museums, so Gomoll. Schließlich seien die Geräte Ausdruck einer Jugendkultur über Jahrzehnte hinweg. Der Ursprung der Automaten sei ein einfaches Brettspiel mit einer aus Nägeln (Pins) geformten Kugellaufbahn gewesen, erklärt der 37-Jährige.

1979 wurden noch 40.000 Geräte importiert

Seit den fünfziger Jahren entwickelten sich die Flipperautomaten, die vor allem in Amerika produziert und massenhaft auch nach Deutschland eingeführt worden waren. Im Jahr 1979 gingen etwa noch mehr als 40.000 neue Flipper über den großen Teich und wurden in westdeutschen Kneipen und Kinos aufgestellt. In der DDR kannte man die Automaten allerdings nur von Rummelplätzen, sagt der gebürtige Schweriner Gomoll.

Das Aus für die klobigen bunten, blinkenden und klickenden Kugelspieltische, die meist aufwendig nach Kinofilmen gestaltet worden seien, war ab den neunziger Jahren nicht nur durch die Vielfalt und Kompaktheit der neuen Videospielautomaten besiegelt.

Auch die hohen kommunalen Steuern für Unterhaltungsgeräte, die aufwendig zu pflegende Technik sowie die zunehmende Kompliziertheit der Spielabläufe hätten dafür gesorgt, dass Flipper nicht mehr angenommen worden und mittlerweile fast vollständig aus der Öffentlichkeit verschwunden seien, bedauert Gomoll.

Technik zum Anfassen

Technik zum Anfassen

Denn schließlich sei Flipper spielen eine "körperliche und sinnliche Erfahrung". Das sei noch Technik zum Anfassen und "nicht solch synthetisches Zeug wie Computer", sagt der IT-Fachmann. Beim Reparieren wären Kenntnisse in Holz- und Metallbearbeitung, Mechanik, Elektronik und Elektrotechnik gefragt.

Kathrin Möller, Projektleiterin im Verein Technisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern, schließt eigenen Worten zufolge eine Zusammenarbeit mit dem künftigen Flippermuseum nicht aus. "Auch Spielautomaten repräsentieren Technik- und Kulturgeschichte", sagt sie.

Interessant sei die Faszination, die vom Automatenspiel ausginge, aber auch, wie heutzutage historische Geräte in einem Museum spielerisch genutzt und zugleich vor Zerstörung geschützt werden könnten. Die Schweriner haben bisher 20 Automaten aus fünf Jahrzehnten zusammengetragen, teils aus Scheunen oder feuchten Kellern gerettet. Die Hälfte der ramponierten Stücke konnte restauriert und wieder zum Laufen gebracht werden.

Das Flippermuseum, für das der 2007 gegründete Trägerverein noch keinen passenden Raum finden konnte, solle nicht nur die Entwicklung von Kunstgeschmack und Technik "von der analogen Welt bis in die Digitale, vom Glockenspiel zum Surround-Sound", von "grell bunten bis zu seelenlosen digitalen Filmfotos" darstellen, sondern vor allem Spaß machen, sagt der zweifache Vater Matthias Gomoll.

Grit Büttner, dpa

Flipperautomaten: Von der Kneipe ins Museum

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