Bambi-Gala Zickenkrieg auf rotem Teppich

Der Promiauftrieb bei der Bambi-Gala war so dicht, dass Gudrun Landgrebe auf Sabine Christiansens Abendrobe trat. Aber auch Männer können Zicken sein: Heiner Lauterbach verpasste Tom Cruise hinter vorgehaltener Hand eine verbale Breitseite, und Harald Schmidt bewies einmal mehr Lästermaul-Qualitäten.

Düsseldorf - Einen Rekord hat die Bambi-Gala 2007 auf jeden Fall verbucht - den längsten Monolog hielt Tom Cruise. Der 45-Jährige widmete sich in seiner Dankesrede nicht nur dem von ihm verkörperten Hitler-Attentäter Graf Stauffenberg, er sprach auch ausführlich über seine schwierige Kindheit, ließ seine wichtigsten Rollen Revue passieren, rief als viel geschmähter Scientologe dazu auf, einen Menschen nicht nach seiner Religion zu beurteilen, und lobte das Land, das ihm eine Drehgenehmigung an Stauffenbergs Hinrichtungsstätte zunächst verweigert, später aber erteilt hatte: "Meine Zeit in Deutschland wird immer etwas ganz Besonderes sein."

Kein Geringerer als "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher hatte zuvor eine Lanze für den wohl umstrittensten Hollywoodstar gebrochen. "Nur wenige sind wohl größerem Druck ausgesetzt als er", sagte er in seiner Laudatio. "Ich kenne wenige, die dabei freundlicher, konzentrierter und würdevoller wirken als er."

Der Bambi in der Kategorie "Mut" sei "richtig", ja "zwingend". Doch wenn sich die Gäste auch von den Plätzen erhoben, so wie Schirrmacher dachte nicht jeder im Publikum: "Einen Film zu drehen, dafür 50 Millionen Dollar zu bekommen - ich finde, da gibt es Mutigeres", meinte Heiner Lauterbach bissig.

"Wo bleibt denn der Kleine?"

Cruise war ohne Zweifel der Mittelpunkt des Abends. "Wo bleibt denn der Kleine?" hatten die Fotografen schon beunruhigt gefragt, als er kurz vor Beginn der live in der ARD übertragenen Gala noch immer nicht aufgekreuzt war. Aber dann stand er plötzlich vor ihnen und gab sein blitzendes Cruise-Lächeln zum Besten. Vor ihm waren schon 1300 mehr oder weniger prominente Gäste über den roten Teppich geschritten.

Gelupftes Kinn, gestraffter Busen, Augendeckel-Klappern und Christkindl-Blick - alles für die Fotografen. Gerade die noch nicht ganz so bekannten Schönheiten haben die Kunst des extrem langsamen Vorbeiflanierens an der Fotografenriege zu höchster Vollendung gebracht.

Durch das ausgiebige Posieren staute es sich zeitweise so, dass Schauspielerin Gudrun Landgrebe (57) auf das Abendkleid von Sabine Christiansen (50) trat und es - ratsch - einriss. "Jetzt ist es durch", bemerkte die ehemalige Talkshow-Gastgeberin säuerlich: "Dankeschön!" Manche Gäste beschwerten sich auch über den dekolletéunfreundlichen Dauerregen. Das Rheinland ist eben nicht Hollywood.

Schmidts bewährtes Pointenlabor

Harald Schmidts bewährtes Pointenlabor

Harald Schmidt hatte seinen zweiten Plaudereinsatz als Bambi- Moderator. Die steigenden Benzinpreise, witzelte er mit Blick auf das herausgeputzte Publikum, würden den Anwesenden wohl kaum zu schaffen machen, solange Botox nicht teurer würde. Obwohl er vor allem bei der Ansage von Musikeinlagen schon fast ins Gottschalkhafte spielte, war sein Pointenlabor immer noch gut genug, um das Pathos dieses Lob- und Rührabends hin und wieder zu brechen.

Nach geschlagenen zwei Stunden etwa meinte Schmidt, nun nähere man sich "dem Ende des ersten Viertels" der Gala. Lacher erntete auch Hape Kerkeling, der aus der holländischen Ausgabe seines Pilger-Bestsellers vorlas und aus seiner Verwunderung über den Preis in der Kategorie "Kultur" keinen Hehl machte.

Für den Gastgeber Hubert Burda dürfte es ein besonders erfreulicher Abend gewesen sein, da das Historiendrama "Die Flucht" mit seiner Frau Maria Furtwängler in der Hauptrolle das Publikums-Bambi erhielt. Nicht immer war es einfach, den Überblick darüber zu behalten, wer nun ein Kitz bekam, und wer eins vergab. Prämierte früherer Jahre traten als Laudatoren auf und umgekehrt.

Doch entscheidend war ganz einfach der Promigehalt, und der war hoch: Königin Rania von Jordanien, Sophia Loren, Armin Mueller-Stahl, Maybrit Illner (ohne Anhang), Eva Longoria von "Desperate Housewives", die Rockband Bon Jovi, Henry Maske, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen ... und natürlich Jopie Heesters (103), dem für jedes weitere Erscheinen ein zusätzliches Bambi versprochen wurde.

manager-magazin.de mit Material von dpa

Fotostrecke: Goldene Rehe und roter Teppich

Übersicht: Die Bambi-Preisträger 2007

Die Bambi-Preisträger 2007

Zum 59. Mal wurden die goldenen Rehe des Burda-Verlags verliehen, dieses Jahr erstmals in Nordrhein-Westfalen. Die Preisträger des Medienpreises im Überblick:

Ehren-Bambi: Königin Rania von Jordanien

Lebenswerk: Sophia Loren

Schauspiel National: Armin Mueller-Stahl

TV-Serie International: Eva Longoria

Comeback des Jahres: Henry Maske

Kultur: Hape Kerkeling für sein Pilger-Buch "Ich bin dann mal weg"

Film National (männlich): Matthias Schweighöfer

Film National (weiblich): Katja Riemann

Information: Maybrit Illner

Musik International: US-Band Jon Bon Jovi

Courage: Tom Cruise

Mode: Burberry-Designer Christopher Bailey

Sport: Deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen

Soziales Engagement: Verein "Kinder brauchen uns"

Sonderpreis: ARD-Zweiteiler "Eine einzige Tablette"

TV-Ereignis des Jahres (Publikumspreis): Der Film "Die Flucht"

Überraschungs-Bambi: Johannes Heesters

ddp

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.