Fahrradtrends Weiß wie ein iPod

Mit ultraleichten Carbonrädern, Designmodellen und Elektrovelos tritt die Fahrradbranche bei der internationalen Messe IFMA in Köln kräftig in die Pedale. Die Räder werden immer leichter, neue Materialien machen es möglich.

Köln - Ein faltbares grasgrünes Liegerad, Räder mit unterstützendem Motor und schicke City-Bikes mit individuellem Design, oder auch mal ein Rad mit funkelnden Swarovski-Steinen besetzt: Zahlreiche Aussteller präsentieren ihre Innovationen ab Donnerstag bei der Fahrradmesse IFMA in Köln.

Dabei gilt Deutschland beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) immer noch als "Fahrrad-Entwicklungsland". Beim Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen trete man mit neun Prozent seit Jahren auf der Stelle, heißt es zum Messestart. Während in Dänemark und den Niederlanden durchschnittlich 1000 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt werden, sind es hierzulande nur 300 Kilometer.

Im Liegen fahren

Dennoch, auf dem diesjährigen Branchentreffen wird gezeigt, was derzeit möglich ist. Zu den Highlights gehören in aber nicht nur schöne Zweiräder, sondern es geht auch um kleinere Elemente wie eine äußerst helle Frontleuchte, ein reflektierender Kinderkragen für mehr Sicherheit und eine in Ringform auf dem Lenker zu schiebende Fahrradklingel.

Einer der Trends: Liegeräder. Sie werden immer salonfähiger, erklärt Thomas Dannenmann vom Hersteller-Unternehmen HP Velotechnik. "Früher war das eher eine alternative Sache", sagte er: "Inzwischen ist es cool, weil es Hightech ist." Azubi Kornelius Sierig betont, ein Liegerad ermögliche einen ganz anderen Blickwinkel: "Man kann das Panorama genießen, hat freie Sicht und ist völlig entspannt." Zudem lässt sich das leuchtend grüne Modell "Grasshopper" mit nur wenigen Handgriffen in ein handliches Paket zusammenfalten, rund 90 mal 60 mal 70 Zentimeter groß und 16 Kilo schwer.

Selbstverständlich drehe sich neben Designs vieles um Technik und Materialen, erklärt Koelnmesse-Geschäftsbereichsleiter Metin Ergül. "Die größte Innovationskraft geht derzeit von den Werkstoffen aus." So sei es ein entscheidendes Ziel der Hersteller, die Fahrräder immer leichter zu machen. Ein besonders leichtes und gleichzeitig sehr belastbares Material sei Carbon. "Und es wird preislich gerade erschwinglich für eine größere Masse von Leuten."

Edelrad für "Augenmenschen"

Fahrräder mit eingebautem Rückenwind

Als weiteren Trend nennt Ergül die so genannten E-Bikes mit unterstützendem Elektromotor: "Fahrräder mit eingebautem Rückenwind." Diese werden immer mehr zu einer Alternative zu Auto und Motorrad. "Angesichts der Klima-Debatte werden sie sich noch wachsender Bedeutung erfreuen."

Unter anderem präsentiert auf der IFMA der Hersteller Flyer Biketec seine S-Serie: Die Modelle wenden sich im Gegensatz zu früheren Elektro-Rädern an ein jüngeres und sportliches Publikum beispielsweise Berufspendler, die zur Arbeit radeln, aber schweißtreibende Anstrengung vermeiden wollen. Die Motoren unterstützen den Radler mit bis zu 150 Prozent der von ihm aufgewandten Kraft, der Akku lässt sich an der heimischen Steckdose aufladen und hält rund 50 Kilometer.

Für besorgte Eltern hat das Unternehmen Rema Tip Top einen neongelben Kinderkragen als zusätzliches Sicherheitsutensil entwickelt. Eine kleine reflektierende Hand leuchtet Autofahrern entgegen und soll die kleinen Verkehrsteilnehmer besser schützen.

Edelrad für "Augenmenschen"

Auch für Erwachsene ist hingegen die neue, äußerst helle Frontleuchte "Lumotec IQ Fly" gedacht, die die gesetzlichen Vorgaben laut Hersteller um das Dreifache übertrifft und mit jedem handelsüblichen Dynamo kompatibel ist.

Highlight der Messe ist auch ein 20.000 Euro teures Rad der Firma Sram und des radbegeisterten Juweliers Manfred Hielscher. Sie haben ein Fahrrad geschaffen, dessen Rahmen mit funkelnden Swarovski-Steinen besetzt und dessen Sattel und Lenkerband nicht weniger als mit Python-Schlangenleder bezogen ist.

Design-Liebhaber werden sich vielleicht auch von dem Rad "Citystrom" ansprechen lassen, das bereits mit einem Designpreis ausgezeichnet wurde. Als "iPod unter den Fahrrädern" preist die taiwanesische Firma Giant ihr komplett weißes Edelrad an. Es zielt vor allem auf "Augenmenschen" ab, unterstreicht Firmsprecher Oliver Hensche. Das besondere: Alle Funktionen sind unsichtbar im Rahmen integriert. Das Modell soll ab nächstem Frühjahr erhältlich sein. Womöglich will Giant es auch in Mode-Geschäften vertreiben.

Bei der IFMA in Köln präsentieren vom 13. bis 16. September knapp 650 Aussteller aus 35 Ländern ihre Innovationen rund ums Fahrrad. Nach den Fachbesuchertagen ist die Messe am 15. und 16. September für alle Fahrradfans geöffnet. Erwartet werden nach Angaben der Koelnmesse etwa 25.000 Fachbesucher und 30.000 Privatbesucher.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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