Kitesurfen Wahre Luftakrobaten

Wenn ein Kitesurfer auf sein Brett steigt, ist Action garantiert. Kein Wassersportler kann mit so hoher Geschwindigkeit über die Wellen gleiten und derartige Luftsprünge wagen. Doch der Sport will gelernt sein.

Weilheim - Die Wellen rauschen, der Wind steht gut. Gigantisch hoch treibt der Sprung über das Wasser den Kitesurfer in die Luft. "Schon kleinste Wellen reichen aus, um drei bis fünf Meter hoch in die Lüfte abzuheben", sagt Claus Baalmann, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Windsurfing Schulen (VDWS) in Weilheim. Die Kite-Profis springen gar bis zu 20 Meter hoch.

Entstanden ist die Trendsportart vor etwa zehn Jahren aus dem Windsurfen. Der Kitesurfer benutzt aber kein Segel, sondern einen wuchtigen Kiteschirm. Der schwebt in 25 bis 30 Metern Höhe und sorgt für mächtigen Auftrieb. Voraussetzung ist, dass der Kiter den Schirm in die richtige Position zum Wind bringt.

"Es ist so ähnlich wie einen Drachen steigen zu lassen", erläutert Baalmann. Um den Kiteschirm prall werden zu lassen, reicht schon relativ wenig Wind aus. In seinem Schlepptau saust der Surfer hautnah über die Wasseroberfläche. "Das ist Adrenalin pur", schwärmt Baalmann und fügt hinzu: "Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn man den Wind in seinen Händen hält."

Spiel mit dem Wind

Bis man sicher auf dem Brett steht und gleichzeitig den Gleitschirm kontrollieren kann, dauert es allerdings eine Weile. Im Vorteil ist, wer schon Erfahrungen in einem anderen Wassersport gesammelt hat. Snowboarder und Skifahrer haben ein sehr gutes Gleichgewichtsgefühl und bekommen in der Regel auch auf Kitebrettern keine wackligen Beine. Erfahrene Segler entwickeln indes schnell ein Gefühl für den Gleitschirm: "Die wissen schon sehr gut, wie man mit dem Wind spielt", erläutert Baalmann. Am einfachsten hat es der Windsurfer: Er kennt sich mit Brett und Wind gleichermaßen aus.

Aber auch Wassersport-Neulinge erlernen das Kitesurfen relativ schnell. "Nach ein paar Tagen Training kann jeder fahren", sagt Baalmann. Für artistische Luftsprünge braucht es jedoch ein wenig mehr Zeit. "Wer sich als Surfakrobat versuchen will, sollte dies aber niemals ohne fachkundige Anleitung tun, sondern sich an eine lizenzierte Wassersportschule wenden", rät Baalmann. Denn Kitesurfen ist nicht ungefährlich: Stürze kommen häufig vor und auch die Leinen des Kiteschirms können unter Spannung gefährlich scharf werden. Helm und Prallschutzweste gehören deshalb zur Grundausstattung.

In den Sportschulen des VDWS werden Anfänger fundiert ausgebildet und in die Sicherheitsrichtlinien des Sports eingewiesen. Eine Art Führerschein gibt es beim Kitesurfen zwar nicht. Allerdings vermerkt der Surflehrer absolvierte Kursabschnitte wie Startvorbereitung, Flugübungen und Wasserstart auf einer so genannten Level-Card. Surfschulen verlangen diese Befähigungsnachweise in der Regel, wenn man bei ihnen Kitesurfing-Equipment ausleihen will. Wer sich eine eigene Ausrüstung zulegen will, muss mit etwa 2000 Euro rechen. Und dann kann es losgehen. Ein Sprung über das Wasser ist gewiss.

manager-magazin.de mit Material von ddp