Pferderennen Ascot und die Damenhüte

Es ist das Treffen der britischen High Society im Sommer: Das Pferderennen von Ascot - schon seit Jahrhunderten ist das so. Auch in diesem Jahr war die Queen wieder da. Dennoch verliert das Spektakel an Attraktivität. Daran ändert offensichtlich auch die extravagante Hutshow am "Damentag" nichts.

London - Die Londoner Sommersaison hat ihren ersten Höhepunkt. In "Royal Ascot" perlt der Champagner, es wird Hummer gespeist, gezockt, die verrücktesten Kopfbedeckungen vorgeführt - und Pferdesport gibt es natürlich auch.

Die Rennbahn unweit des königlichen Schlosses Windsor wurde 1711 von Queen Anne mit royalen Weihen versehen, seitdem tummelt sich dort die Londoner Upper Crust alljährlich im Juni. Die Zubringerbahnhöfe sind bevölkert mit Menschen im feinsten Zwirn; Jeans, Shorts und Turnschuhe sind in Ascot verpönt. Kurze Damenröcke werden toleriert, gern gesehen sind sie nicht. Ebenfalls tabu: trägerlose, schulterfreie oder bauchfreie Kleider. Hosen für Frauen sind nur zugelassen, wenn sie die Beine vollständig bedecken und farblich zur Jacke passen.

Als modischer Höhepunkt gilt der "Ladies' Day", an dem die Damenwelt traditionell ausgefallene Kopfbedeckungen präsentiert. Doch die britische Kunst, mit traditionellem Tamtam touristische Nostalgiesehnsucht zu stillen, verliert ihren Zauber.

Weniger Besucher

40.000 Besucher kamen zum Auftakt am Dienstag dieser Woche - 14.000 weniger als im Vorjahr. Am zweiten Tag das gleiche Bild: 9000 Tickets wurden weniger verkauft als 2006.

Damals wurde Ascot nach aufwendigen, 300-Millionen-Euro teuren Renovierungsarbeiten neu eröffnet. Doch, das Unmögliche war passiert: Auf den Zuschauertribünen gab es Sichtbehinderungen, aus dem Ascot-Allerheiligsten, dem "Royal Enclosure", musste die High Society auf Krethi-und-Plethi-Tribünen ausweichen.

Es wurde nachgebessert, für weitere 15 Millionen Euro. Die Ausgaben müssen sich dringend amortisieren. Und so sorgte eine weitere Neuheit für Aufruhr unter der edlen Gästeschar. Erstmals in der 300-jährigen Geschichte des Pferderennens durften sich Otto Normalbürger einen Platz im königlichen Areal erkaufen. Bisher bedurfte das hervorragender Beziehungen, sprich Empfehlungen, um das streng bewachte Areal zu betreten. 800 bis 1700 Euro kostete in diesem Jahr dagegen der Platz in der Nähe seiner Majestät.

Und so befürchten langjährige Ascot-Gänger, dass das Rennen immer mehr verkomme, seinen Zauber verliere und nur zum Spielplatz für Neureiche werde. Eines hat sich wohl nicht gewandelt: Ascot bleibt ein Platz für Eitelkeiten.

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