Filmbranche "Ich bin schwer bewaffnet"

Regisseur Uwe Boll hat sich erst mit Amerikas Boulevard angelegt, jetzt mit gläubigen Moslems. Im Gespräch mit manager-magazin.de sagt er, warum er seinen Kulturkampf mit blutrünstigen Kinoproduktionen führt, sein neuestes Werk ausgerechnet im Goethe-Institut in Ramallah aufführen lassen will und keine Angst vor Anschlägen hat.
Von Karsten Stumm

mm.de: Herr Boll, eigentlich wollten Sie ein bluttriefendes Videospiel verfilmen. Doch daraus ist Ihnen eine Satire auf die New-York-Anschläge geraten. Jetzt legen Sie mit einer Internetseite nach, auf der Sie behaupten, der Film sei mit Nazi-Gold finanziert worden. Was ist eigentlich los?

Boll: Die Internetseite " New-York-Postal " soll diejenigen provozieren, die mich provozieren - unter anderem das amerikanische Boulevardblatt "New York Post". Die haben doch glatt Angehörige der Terroropfer aus New York aufgeboten, um gegen den Start meines Films "Postal" zu protestieren.

mm.de: Wundert Sie das?

Boll: Nicht nur mich, sondern auch alle, die den Film kennen. Denn der wendet sich gerade gegen Zensur und das Einknicken vor Tabus. In diesem Fall vor dem vermeintlichen Sakrileg, den amerikanischen Umgang mit den Anschlagsfolgen zu belächeln, genauso wie Religiösität angeblich nicht kritisieren zu dürfen. Selbst, wenn sie extremistisch ist.

mm.de: Glauben Sie, dass Ihre Kritik überhaupt wahrgenommen wird, wenn Sie schwule Muslime auf Ihrer Internetseite vermeintliche Experten fragen lassen, ob sie im Paradies schwule Jungfrauen erwarten dürfen?

Boll: Man muss in der totalen Übertreibung den Verblendeten doch zeigen, wie irre ihre Terrorneigung im vermeintlichen Namen des Islam eigentlich ist.

mm.de: Haben Sie den Film eigentlich so geplant, wie er geworden ist? Oder ist Ihnen die Sache irgendwann aus dem Ruder gelaufen?

Boll: Der Film war von Anfang an als Generalabrechnung der vergangenen sieben Jahre geplant. Das Drehbuch wurde im Geiste von Filmen wie "Das Leben des Brian" geschrieben.

mm.de: Hat Sie beim Drehbuchschreiben nie das Gefühl beschlichen, dass Sie über Ihr Ziel hinausschießen könnten?

Boll: Im Gegenteil. Wir müssen schon dafür eintreten, hier in unserem eigenen Land so leben zu dürfen, wie wir es wollen. Das ist das Wichtigste überhaupt, und da darf niemand im vorauseilenden Gehorsam zurückstecken. Schon gar nicht die Kultur, und die macht es schon: Die Deutsche Oper in Berlin beispielsweise hat vor einigen Monaten sogar die Mozart-Oper "Idomeneo" aus Furcht vor islamistischem Terror nicht aufführen wollen.

mm.de: Das sind ehrenwerte Ziele. Aber glauben Sie, dass die Verfilmung eines blutrünstigen Computerspiels und die Veröffentlichung einer pikanten Internetseite die richtigen Mittel sind, diese zu erreichen?

Boll: Das bringt Aufmerksamkeit für einen Film, der sehr wichtig ist, aber nicht die Werbegelder eines Mega-Blockbusters hat.

mm.de: Aufmerksamkeit ist Ihnen spätestens gewiss, wenn Sie den Film im Goethe-Institut von Ramallah aufführen dürfen, woran Interesse besteht. Da herrscht doch schon Bürgerkrieg. Ist das der richtige Premierenzeitpunkt?

Boll: Haben Sie eine bessere Idee, wie ein Diskurs über die Toleranzforderung des Films mit den Menschen geführt werden soll, die genau diese Forderung womöglich bestreiten?

mm.de: Nein, aber wir haben Bedenken, dass Sie sich mit Ihrem Werk und Ihrem Eifer verhoben haben könnten.

Boll: Ich glaube, dass man manche Menschen verstören muss, auch mit filmischen Mitteln, um ihnen die amerikanische Irrealität genauso vor Augen zu führen, wie den verstörenden Irrsinn des Terrors.

mm.de: Fürchten Sie sich eigentlich nicht davor? Der niederländische Regisseur Theo van Gogh wurde ermordet, nachdem dessen islamkritischer Kurzfilm "Unterwerfung" im holländischen Fernsehen ausgestrahlt worden ist. Und Ihr Werk "Postal" wird sogar weltweit in den Kinos zu sehen sein.

Boll: Ich kann boxen, habe zwei Hunde und bin schwer bewaffnet. Wer meine Filme sieht, weiß, dass mit mir nicht gut Kirschen essen ist.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.