Venedig Alles in "Oil"

Astronauten, Totenköpfe, Spiegel und ein Netz - der deutsche Beitrag auf der 52. Kunstbiennale in Venedig mag irritieren. Doch die Kunstschau will wieder politische Botschaften aussenden. Ab Sonntag präsentieren Künstler aus 76 Ländern, was sie zu sagen hat.

Venedig - Die 52. Kunstbiennale in Venedig bricht nicht nur viele Rekorde, sondern überrascht die Besucher mit eingehenden politischen Botschaften. Nach Jahren, in denen Kunst vor allem durch Schockelemente aufrütteln wollte, werden die Dramen der Welt am Canal Grande jetzt wieder geradlinig pur und ästhetisch dargestellt.

Ob Beirut, Belgrad oder Afrika - in den ehemaligen Lagerhallen des "Arsenale" überwiegen eindringliche Fotos und immense Installationen, die sogar teilweise in verklärendem Babyrosa von den schlimmen Problemen der Welt erzählen, in der wir leben.

Wie eine Baustelle sieht dabei der Deutsche Pavillon aus - zumindest von außen. Die in Berlin wirkende Künstlerin Isa Genzken, die den deutschen Beitrag gestaltet hat, hat das strenge Gebäude ganz in ein orangefarbenes Absperrnetz gehüllt und es damit selbst als Skulptur definiert.

Totenköpfe mit venezianischen Masken

Im Innenraum erwartet den Besucher zunächst ein Spiegelsaal. Dahinter Koffer, Trolleys, Windjacken, teils frei stehend, teils in Anordnungen. Und auch morbide Szenarien tun sich auf: Totenköpfe mit venezianischen Masken, versilberte Monster-Puppen und Galgen-Stricke.

Unter dem Titel "Oil" (Öl) hat Genzken es sich zur Aufgabe gemacht, einzelne Skulpturen zu einem Gesamtkunstwerk zu verschmelzen, erklärt Kurator Nicolaus Schafhausen. Und das Interesse ist groß: Reger Andrang nicht nur aus Deutschland herrschte bereits bei der feierlichen Eröffnung des Pavillons am Donnerstag - trotz des strömenden Regens, der über der Lagunenstadt niederging.

Schafhausen, der Direktor des "Witte de With"-Zentrums für zeitgenössische Kunst in Rotterdam, hat Genzken für die diesjährige Schau ausgewählt, weil er sie für eine "Unangepasste" hält: "Mir fallen nur wenige ein, die Zeit und Realität so subtil und gesellschaftskritisch kommentieren, wie diese Künstlerin."

Kanada und der Zaubergarten

Kanada und der Zaubergarten

Tatsächlich spart auch "Oil" nicht an Gesellschaftskritik: So sollen sämtliche Reiseutensilien und drei schwebende Astronauten die Vorstellung von Bewegung erwecken und auf verschiedene Arten von Tourismus hindeuten. Es geht darum, einerseits zu zeigen, wie schön und einfach das Reisen heute geworden ist, andererseits aber auch, wie zerstörerisch es sein kann. "Genzkens Arbeit im Deutschen Pavillon zitiert somit auch Venedig als massentouristisches Ziel in einer einfachen wie auch komplexen Weise", hieß es.

"Und welche Metapher steht hinter Deinen Spiegeln?", hat Schafhausen seine Künstlerin einmal gefragt. Genzken erläutert: "Es ist doch oft ein Schock, sich selbst zu sehen. Die Betrachter, die sich im Spiegel sehen werden, sollen auch das Unangenehme an sich sehen." Jeweils maximal 25 Besucher dürfen in den Pavillon - das gibt den nötigen Raum, um die Installationen und Skulpturen auf sich wirken zu lassen.

Die 58-jährige Genzken schafft seit mehr als 30 Jahren ein vielseitiges Oeuvre, das auch Collagen, Fotografie, Arbeiten auf Leinwand und Papier sowie Filme umfasst. Ihre Werke waren bereits bei Einzelausstellungen in verschiedenen europäischen Ländern und in den USA zu sehen. Auch bei der Documenta in Kassel war sie dabei. "Die Arbeiten von Isa Genzken waren schon immer kompromisslos. Sie hat nie auf Linearität gesetzt, sondern ihre künstlerische Praxis permanent radikal verändert", bringt es Schafhausen im Vorwort zum Ausstellungskatalog auf den Punkt.

Im Vergleich zu anderen Pavillons wirkt Genzkens Beitrag sehr direkt, sozusagen "auf den Punkt gebracht" und strahlt eine Kühle aus, die von der häufig verwendeten Farbe Silber noch verstärkt wird. Nebenan, bei den Kanadiern etwa, geht es da wesentlich poetischer zu.

Der 32-jährige Künstler David Altmejd hat einen fantastisch-grotesken Zaubergarten geschaffen, mit schillernden Fantasiefiguren und vielen Blumen. Floreal geht es auch bei den Schweizern zu: Die junge Künstlerin Christine Streuli zeigt hier ihre riesigen, in mehreren Schichten gemalten Bilder, auf denen Blumen und explosive Farben den Ton angeben.

Carola Frentzen, dpa

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