Neuer Luxusgolfplatz Ambitionierte Pläne

Nicht kleckern, sondern klotzen: Nach diesem Motto lässt Michael Weichselgartner in Valley vor den Toren Münchens gerade einen riesigen Golfplatz bauen. Der frühere Chef von MWG Biotech will sich auf dem 140 Hektar großen Gelände einen Lebenstraum erfüllen.

Valley - Wenn Michael Weichselgartner die künftige Anlage beschreibt, spart der 55-Jährige nicht mit Superlativen. Es werde einer der modernsten Plätze und mit bis zu 7160 Meter langen Bahnen der längste Turnierplatz der Welt. Die Eröffnung der 36-Loch-Anlage ist für Mai 2008 geplant, ab Mitte Juli können Golfer allerdings schon die ersten neun Bahnen bespielen.

Noch sind Bagger und Lastwagen auf dem Gelände zu Gange, das mit 140 Hektar die Ausmaße von knapp 200 Fußballfeldern hat. Gearbeitet wird auch sonn- und feiertags. Der Rohbau des Caddy-Hauses steht ebenso wie das Fundament des Clubhauses. Besucher bekommen bereits eine Vorstellung davon, wie das Areal aussehen wird: Über weite Flächen sprießt der Rasen, zieht sich über sanfte Erhebungen. "Der wird schon täglich gemäht", sagt Weichselgartner, selbst passionierter Golfspieler. Zusammen mit seiner Frau leitet der Mitgründer und frühere Chef der Ebersberger Firma MWG Biotech seit einigen Jahren einen Club in Pfaffing.

Hohe Standards gewünscht

Mit seinem neuen Platz zielt Weichselgartner vor allem die wohlhabende Schicht der Golf-Könner ab. "Ich spreche von den unglücklichen Golfern aus anderen Clubs, die sich Qualität und einen hohen Standard wünschen", sagt er selbstbewusst. Die meisten bestehenden Plätze seien "pures Mittelmaß". Um sich davon abzuheben, beauftragte Weichselgartner mit der Architektur den renommierten kanadischen Golfplatz-Designer David Krause, auch sollen laut Presseberichten die Amerikaner Terry Jones und dessen Sohn Casey, die auch schon mal gerne als Genies unter den Golfplatzbauern gehandelt werden, beratend zur Seite stehen.

Eines ist auf jeden Fall sicher, Weichselgartner nahm für sein Projekt etliche Millionen Euro in die Hand. Wie viel Geld genau, "habe ich vergessen", meint er mit einem vielsagenden Grinsen. Reich geworden ist der Manager mit seinem Biotech-Unternehmen MWG, das sich mittlerweile nach einigen finanziellen Turbulenzen im mehrheitlichen Besitz der französischen Bioanalytikfirma Eurofins befindet und demnächst von der Börse genommen werden soll.

Als Zugeständnis an die wachsende Gemeinde der Golfspieler wird es in seinem "Golf Valley" auch einen Neun-Loch-Public-Course für die breite Öffentlichkeit geben. "Da kann jeder mit Platzreife spielen", genauso wie auf der Driving Range, einem Übungsplatz mit Flutlicht bis 22 Uhr, jeder seinen Abschlag trainieren darf. Weichselgartner hat das Gelände auf 45 Jahre von der Gemeinde erbbaurechtlich gepachtet.

Lieber Golfplatz als Sendeanlage

Lieber Golfplatz als Sendeanlage

Die Kommune ist glücklich über die neue Nutzung. Stand auf dem Areal doch über Jahrzehnte eine US-Sendeanlage, die mit bis zu einer Million Watt - der Leistung von 20.000 Mobilfunkmasten - politisch motivierte Radioprogramme in alle Welt strahlte. Über Jahre kämpfte die Bürgerinitiative "Sender Freies Oberland" wegen befürchteter Gesundheitsgefährdung für die Abschaltung des Senders. Tatsächlich litten viele Anwohner an Migräne, Knochenschmerzen und Schlaflosigkeit. Die Initiative ging außerdem von einem um 40 Prozent erhöhten Krebsrisiko aus.

Als die USA den Sender schließlich Ende 2003 abschalteten, war der Jubel groß. Die Gemeinde hatte von Anfang an den Plan, dass auf dem Areal ein Golfplatz entstehen solle. Vorübergehend hatte sich auch Golf-Profi Bernhard Langer dafür interessiert, der Gemeinderat entschied sich letztlich aber für Weichselgartner. "Der Golfplatz wird was Schönes, davon wird die ganze Region profitieren, vor allem die Hotels", ist Valleys Bürgermeister Josef Huber (CSU) überzeugt.

Weichselgartner selbst will an die 60 Mitarbeiter einstellen. Möglicherweise soll auch noch ein Hotel auf dem Golfplatz-Gelände gebaut werden, konkrete Pläne gibt es dafür aber noch nicht. Weichselgartners Ehrgeiz geht in eine andere Richtung. Er plant, seinen Platz von 2010 an nochmals um 18 Bahnen zu vergrößern - nicht zuletzt, weil er davon träumt, den Ryder Cup, das weltweit wichtigste Golfturnier, 2018 auf seinen Platz zu holen. Sollte Deutschland den Zuschlag für den prestigeträchtigen Wettkampf bekommen - was sich erst 2009 entscheidet -, dürften außer ihm allerdings eine Reihe weiterer Mitbewerber um das Turnier buhlen.

Sandra Tjong, dpa