Kunst Schöne Franzosen an der Spree

Es ist eine Ausstellung der Superlative wie die MoMA-Schau vor drei Jahren: Vom 1. Juni bis 7. Oktober stellt die Berliner Neue Nationalgalerie 150 französische Spitzenwerke des 19. Jahrhunderts aus dem Metropolitan Museum of Art in New York aus - von Manet bis Rodin.

Berlin - "Die schönsten Franzosen kommen aus New York" - mit dem flotten Spruch auf den Plakaten, die als bunter Luftpostumschlag seit Wochen auf Bussen und Haltestellen für die Ausstellung werben, kündigt sich wieder ein langer Berliner Kunstsommer an. Nach dem sensationellen Erfolg mit der Schau aus dem Museum of Modern Art (MoMA), wird im gläsernen Bau Mies van der Rohes nun wieder Exklusives aus der Neuen Welt präsentiert. Viele Häuser bewarben sich um die Schätze - Berlin bekam den Zuschlag.

Weil das Metropolitan Museum umbaut, schickten die New Yorker die Bilder auf Reisen. Das Haus am Central Park beherbergt neben dem Musee d'Orsay in Paris die größte Sammlung französischer Kunst des 19. Jahrhunderts. Die Sammlung mit Gemälden unter anderem von Manet, Gauguin, Monet, Cézanne, Renoir, Delacroix, Courbet, Matisse und Picasso sowie Skulpturen von Rodin und Degas gilt als wichtigste Kollektion französischer Maler des 19. Jahrhunderts außerhalb Frankreichs. Viele Werke haben die USA zum ersten Mal verlassen.

Mit den Erwerbungen aus Frankreich wollten die Initiatoren des 1870 gegründeten "Met" einen Grundstock der Moderne legen. Die Geschäftsleute, Bankiers und Intellektuelle verstanden ihre Aufgabe als Erziehungsauftrag, orientierten sich bei den Anschaffungen an "Weltkunst in einem umfassenden Sinne". In Berlin werden Sehenswürdigkeiten wie Ingres' "Odaliske in Grisaille", Courbets "Frau mit Papagei" oder Manets "Im Boot" präsentiert.

Es ist eine Begegnung mit Ikonen der Kunst, zu denen Degas' "Tanzstunde" ebenso gehört wie Rodins Skulptur "Die Bürger von Calais", die als Blickfang in der obersten Etage der Nationalgalerie gezeigt wird. Erst im Untergeschoss öffnet sich den Betrachtern die Pracht der Bilder und die Kraft der Farben.

Peter Raue, Initiator der Ausstellung und Vorsitzender des Vereins der Freunde der Neuen Nationalgalerie, rechnet in den vier Monaten der Ausstellung mit rund einer halben Million Besucher. Zur MoMA- Schau bildeten sich sieben Monate lang bis zum letzten Tag riesige Schlangen vor der Neuen Nationalgalerie und bescherten dem Verein einen Gewinn von rund sechs Millionen Euro, der in den Kauf neuer Werke investiert wird.

Auch die "Franzosen" werden wieder die Kassen klingen lassen. Etwa acht Millionen Euro kostet die Ausstellung, eine Million wird für Werbung ausgegeben. Von Karten ab fünf Euro bis zu VIP-Tickets für 30 Euro, die den Besuch für bestimmte Termine und ohne Schlange garantieren - der Publikumserfolg dürfte jetzt schon feststehen.

Über den kulturpolitischen Nutzen der Megaschau sind sich Berlins Museen offenbar nicht ganz sicher. Parallel zur "Met"-Schau präsentiert die Alte Nationalgalerie die Impressionisten aus den eigenen Beständen und setzt damit einen Kontrapunkt zum Blockbuster am Potsdamer Platz.

Esteban Engel, dpa