Campen Unter dem Sternenhimmel

Der Spaß am Zelturlaub steht und fällt mit einem guten Dach über dem Kopf. Nasse Zeltwände und zu wenig Platz für Gepäck können Campern die Laune gründlich verderben. Worauf sollte also beim Kauf des mobilen Eigenheims geachtet werden?

Hamburg/Stuttgart - Wer es liebt, in der Natur zu campen, der ist auf ein gutes Zelt angewiesen. Geht es an den Kauf des temporären "Zuhauses" sollte man sich im Vorhinein überlegen, welche Bedürfnisse man hat, und ob man Wert auf gutes Material legt.

Doch es sind noch mehr Fragen zu lösen. Denn zunächst muss Grundsätzliches entschieden werden: Welche Form zum Beispiel das Zelt haben? "Im Tunnelzelt ist die Raumausnutzung besonders gut", sagt Ole Korndörfer, Leiter des Bereichs Zelte des Outdoor-Versandhändlers "Globetrotter" in Hamburg. Sie werden mit zwei parallel stehenden Gestängebogen aufgestellt und müssen deshalb immer an Vorder- und Rückseite abgespannt werden. Im Gegensatz zum Kuppelzelt haben sie meist ein Vorzelt, in dem auch gekocht werden kann. Sie sind allerdings etwas instabil im Wind, sagt Boris Gnielka, Redakteur und Zeltspezialist bei der Zeitschrift "Outdoor".

Genau umgekehrt verhalte es sich bei den kugelförmigen Kuppelzelten, sagt Gnielka. Sie sind stabiler, haben aber ein schlechteres Raum-Gewicht-Verhältnis als Tunnelzelte. "Bei den meisten Iglus wird erst das Innenzelt aufgebaut, und dann kommt die Außenhaut darüber", sagt Korndörfer. In warmen Gegenden könne auch mal das Innenzelt allein aufgestellt werden. Weil Kuppelzelte auch ohne Abspannung stehen, eignen sie sich für Bergtouren oder Gegenden, die den Einsatz von Heringen erschweren, sagt Gnielka.

Das Gewicht drückt auf die Schultern

Das gleiche gelte für die so genannten Geodäten. Sie sind eine Weiterentwicklung von Kuppelzelten, haben aber mindestens drei Bogenstangen, die sich kreuzen und nicht über den Zeltmittelpunkt laufen. Nach Angaben des Deutschen Camping-Clubs (DCC) in München sind sie besonders stabil. "Aber vergleichsweise schwer und teuer", ergänzt Boris Gnielka.

Andere Zelttypen sind dreieckige Hauszelte oder Steilwandzelte. Nachteil der Hauszelte sind nach Angaben des DCC die schrägen Wände. Aufrecht sitzen oder stehen ist nur unter dem Giebel möglich. Steilwandzelte bieten meist ein großes Vorzelt. Solche geräumigen Zelte sind gut für Familien oder den Urlaub mit dem Auto geeignet, sagt Ole Korndörfer. Auch Tunnel- oder Kuppelzelte für mehr als drei bis vier Personen können zu den Hauszelten gerechnet werden, sagt Gnielka. Sie ließen sich allerdings nur schwer aufbauen und "wiegen höllisch viel". Viele Modelle bringen mehr als 10 Kilogramm auf die Waage. "Manche wiegen sogar 20 bis 30 Kilogramm", sagt Korndörfer.

Für eine Trekkingtour sind diese Zelte also nicht zu gebrauchen. "Bei Zweipersonenzelten wiegt ein sehr gutes Zelt für Trekkingtouren zwischen zwei und drei Kilogramm", sagt Boris Gnielka. Auch 3 bis 4 Kilogramm seien immer noch in Ordnung. Gute Tunnel- und Kuppelzelte bekommt man ab etwa 200 Euro, sehr gute ab etwa 400 Euro, sagt Gnielka. Gute Geodäten kosten mehr als 400 Euro.

Wenn der Riss durch die Decke geht

Wenn der Riss durch die Decke geht

"Gute Familienzelte gibt es je nach Größe und Material zwischen 300 und 1000 Euro." Ausschlaggebend für die Qualität ist das Material. Häufig verwendete Materialien sind nach Angaben des DCC Nylon (Polyamid) und Polyester. "Beim Zeltaußenmaterial zählt vor allem die Weiterreißfestigkeit, die jedoch - aus gutem Grund - oft verschwiegen wird", sagt Boris Gnielka. Sehr reißfest seien silikonbeschichtete Polyamide. "Bei Rip-Stop-Material setzen sich Risse in der Zeltwand nicht fort", sagt Korndörfer. Einfaches Gewebe, in der Regel mit Polyurethan (PU) beschichtetes Polyestergewebe, reiche in den meisten Fällen völlig aus.

Im Bereich der Familienzelte werde inzwischen auch wieder viel Baumwolle oder Baumwollmischgewebe mit Polyester verwendet, weil das Klima besser ist, sagt Korndörfer. "Letzteres ist sehr eng gewebt und auf der Innenseite mit PU beschichtet." Bei reinen Baumwoll-Zelten sollte darauf geachtet werden, dass die Bewohner bei Regen nicht an die Zeltwand kommen. Sonst kann sich die Feuchtigkeit durch den Stoff drücken. Baumwolle sollte außerdem nicht nass verpackt werden, da der Stoff schimmeln kann. "Polyester oder Nylon verzeiht das eher mal."

Die Wassersäule spielt vor allem beim Boden eine Rolle. "Beim Außenzelt kommt kein hoher Druck zu Stande. Hier zählt vor allem die Eigenschaft des Gewebes und die Beschichtung", sagt Gnielka. Der Boden sollte dann allerdings mindestens eine Wassersäule von 5000 Millimetern haben. Besser seien 7000, optimal mehr als 10.000 Millimeter. Der Deutsche Camping-Club rät außerdem, darauf zu achten, dass die Seiten des Bodens weit genug hochgezogen ist.

Alustangen sind besser

Das Innenzelt sollte luftdurchlässig sein und verschließbare Besätze aus engmaschigem Moskitonetzstoff haben, sagt Boris Gnielka. "Gerade bei billigen Zelten findet man oft weitmaschige Gewebe." Besteht ein Teil der Innenwand nur aus Moskitonetz, ziehe es dort bei windigem Wetter schnell kühl ins Zelt.

Für das Gestänge empfehlen die Experten Alu-Stangen. "Das spart Gewicht, ist bruchfester und flexibler", sagt Korndörfer. Gut seien eloxierte - speziell gehärtete - Alu-Stangen mit einem Durchmesser zwischen 8,6 und 10,5 Zentimeter, sagt Gnielka. Im Gegensatz dazu sei Fiberglas schlecht zu handhaben, schwer und bruchanfällig. "Für Windstabilität muss einfach vernünftig abgespannt werden", sagt Korndörfer. Brechen könne letztlich jede Stange.

Die Wahl der Zeltnägel schließlich hängt vom Untergrund ab. "Für Wald und Wiese reichen einfache Heringe", sagt Korndörfer. Bei weichem Boden, in Sand oder Schnee sollten sie breiter und länger sein. Für steinigen Untergrund eignen sich besonders stabile Nägel.

Annika Graf, dpa