Kreuzfahrer-Taufe Maritime Operndiva

Lichtspiele, Feuerwerk, Theaterdonner - bei der Taufe des Kreuzfahrtriesen Aidadiva wurde der Hamburger Hafen zu einer gigantischen Opernkulisse. Bässe bebten, Raketen schossen in den Himmel, Laserstrahlen zerschnitten die grauen Wolken. Wie auf dem Laufsteg glitt das 252 Meter lange Schiff über die Elbe.

Hamburg - Die Hälse recken sich nach Osten. Tausende Besucher blicken auf Zehenspitzen auf die dunkle Elbe hinab. "Da kommt ein U-Boot", ruft ein Witzbold. Die Aidadiva hat ein bisschen Verspätung. Doch dann kündigt eine Linie roter Lichter am anderen Ufer gegenüber den Landungsbrücken an, dass die große Oper beginnt: Es ist Aida-Premiere auf der Hamburger Elb-Bühne.

Täufling Aidadiva im Hamburger Hafen: Lasershow mit Wumms

Täufling Aidadiva im Hamburger Hafen: Lasershow mit Wumms

Foto: AP

Mehr als 300.000 Schaulustige stehen am Elbufer zwischen Baumwall und Fischmarkt - die Hamburger zeigen wieder einmal ihre Leidenschaft für Traumschiffe, die sie schon bei den Elbfahrten der "Queen Mary 2" und der "Freedom of the Seas" bewiesen. Das Lichter-Spektakel für die Aidadiva soll diese Events noch übertreffen. Nicht weniger als die spektakulärste Schiffstaufe aller Zeiten hatten die Veranstalter versprochen - und dem Berliner Lichtkünstler Gert Hof einen Millionenetat und acht Monate Vorbereitungszeit gegeben.

"Das ist der große Gongschlag zum Auftakt der vier neuen Kreuzfahrtschiffe der Sphinx-Klasse, in die die Aida Cruises 1,3 Milliarden Euro investieren", sagte Hansjörg Kunze, Sprecher von Aida Cruises. Die Aidadiva ist das erste von vier baugleichen Schiffen – und derzeit das größte je in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff.

Bevor die Hauptdarstellerin der großen Aida-Freiluftinszenierung auftritt, fahren Dutzende kleinere Boote mit länglichen Neonleuchten vor – ein schweigender Chor der Glühwürmchen. Feuerwerksdetonationen in Grün und Rot über dem "König der Löwen"-Musical-Theater werden mit ersten "Ooohs" und "Aaahs" quittiert.

Dann nähert sich die Starsolistin des Abends, die korpulente 20.000-Tonnen-Diva in weiß. Im majestätischen Schleichtempo von zweieinhalb Knoten schiebt sich das 252 Meter lange Schiff hinter den Masten der am Kai liegenden Segelbarken hervor. Zu den bassig-wabernden Keyboardklängen von DJ Westbam wirft die Aidadiva von der Brücke weiße Fächer aus Laserlicht in die mausgrauen Wolken des kühlen Hamburger Aprilabends. "Warum fährt die so langsam?" beschwert sich ein kleiner Junge. "Damit sie jeder sehen kann", antwortet der Vater. Diven sind eitel.

Der Kussmund am Bug lächelt starr und stählern über der im weißen Buglicht sumpfigbraun schimmernden Elbe. Die Beobachter auf dem Hügel über der S-Bahn-Station strecken sich nach Leibeskräften, um einen Blick zu erhaschen – dicht gedrängt stehen allein hier Tausende Schaulustige, manche sichern sich seit Stunden die vorderen Plätze. Nur kurzzeitig übertönt das tiefe Horn des Kreuzfahrtriesen das Doppelpiepsen ihrer Digitalkameras.

Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei, weitere Glühwürmchen-Boote kommen hinterher, diesmal mit kleinen roten und weißen Lichtern. Im Publikum wird es still. Fünf, zehn Minuten lang passiert nichts, die Oper offenbart erste Längen, auf dem Schiff wird es dunkel. Schon bald verlassen die ersten Besucher die Open-Air-Tribüne, strömen enttäuscht zurück zur S-Bahn oder Richtung Reeperbahn.

Dabei beginnt die richtige Show erst. Nur nicht hier, sondern vor den Docks 10 und 11 der Blohm & Voss-Werft, gegenüber vom Fischmarkt. Die Landungsbrücken dagegen erweisen sich bei dieser Oper als Rangplätze mit Sichtbehinderung: Eine riesige Kleinwagenwerbung an einem Baugerüst verdeckt den Hauptakt der Aufführung: die Schiffstaufe.

Die Hamburgerin Maria Gallerski wünscht dem Schiff "immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel" und legt den Hebel um, der die Champagnerflasche gegen den Kußmund knallen lässt. Dann flackert, prasselt und kracht ein gigantisches Feuerwerk auf St. Pauli herab. Piano- und Orchesterklänge, an Verdis "Aida" angelehnt, untermalen eine Bombast-Oper aus Licht mit insgesamt 49 Tonnen Pyrotechnik - das reicht für 320.000 einzelne Detonationen. Dazu tasten 7000 Watt starke Xenonlampen in Weiß und Grün den Himmel ab, an den Kränen der Werft brennen rote und gelbe Feuer. Die ganze Licht-Oper dreht sich um diese vier Farben des Aida-Wappens, selbst beim Hafengeburtstag erstrahlte die Elbe nicht so opulent.

Während die Menge am Fischmarkt applaudiert und jubelt, ist es an den Landungsbrücken einige hundert Meter entfernt ziemlich leer geworden. Wer hier noch aushält, sieht wenige Minuten später die nun kaum beleuchtete Aidadiva zum Kreuzfahrtanleger am Grasbrookkai zurückschleichen. "Schon ein bisschen mickrig irgendwie", sagt eine Besucherin in einem Ton, als würde sie einen versalzenen Lachs beim Captain’s Dinner zurückgehen lassen. So nah liegen in Hamburg Freude und Leid zusammen – ein schlechter Platz kann die beste Oper verderben.