Brauchtum Die Suche nach dem Osterei

Selbst bemalt oder bereits bunt gekauft, echt oder aus Schokolade - zu Ostern hat der Verkauf von Eiern wieder Hochkonjunktur. Woher kommt der Brauch eigentlich?

Hannover - Tausende Kinder werden am Ostersonntag nach den leuchtenden Nestern Ausschau halten und für viele wird das Frühstücksei an diesem Tag ein ganz besonderes sein. Doch was hat Ostern überhaupt mit Eiern zu tun? Die Spurensuche nach dieser heute selbstverständlichen Verbindung führt ins Mittelalter zu betenden Mönchen, singenden Kindern und der liturgischen Farblehre der Kirche.

Christoph Daxelmüller kennt sich aus mit der Geschichte des Eies. Der Professor für Volkskunde an der Universität Würzburg hat die Alltagsgeschichte des Mittelalters untersucht. "Eier", sagt Daxelmüller, "waren damals ein ganz generelles Symbol für das Leben und die Fruchtbarkeit." In der religiösen Bildersprache sei das Ei jedoch auch zum eindeutigen Zeichen der Auferstehung und des ewigen Lebens geworden. Die an Ostern gefeierte Auferstehung Christi erkläre so die Bindung des Eies an das wichtigste christliche Fest.

Die theologische Sichtweise gibt dem Volkskundler Daxelmüller Recht: "Das klassische Osterei (...) symbolisiert das Grab Jesu. Das Ei ist hart wie ein Stein, tot, leblos und kalt. Und doch beinhaltet es das Leben, das durch die Farbe des Blutes ausgedrückt wird. Die Botschaft des klassischen Ostereis lautet: Christus ist auferstanden und lebt! Er hat Tod und Grab überwunden. Das rot gefärbte Osterei symbolisiert die Macht Gottes über den Tod", schreibt der Theologe und Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti in einer Abhandlung.

"Entscheidend ist auch, dass Eier im Mittelalter gängiges Zahlungsmittel waren", sagt Daxelmüller. Dass Bauern die Pacht für kirchliche Ländereien mit Naturalien beglichen, sei generell üblich gewesen. Zu Ostern hätten viele Klöster Eier als Naturalzins vorgeschrieben. Aus einer bedeutenden mittelalterlichen Quelle, dem Falkensteiner Codex, sei überliefert, dass zahlreiche Hofstätten an den Ostertagen jeweils 100 Eier abzuliefern hatten.

"Die Fastenzeit vor Ostern machte diese stolze Summe möglich", weiß Daxelmüller. "Die Bauern haben die Eier wochenlang gesammelt." Seit dem 12. Jahrhundert sei die so genannte Eierweihe belegt. Mit festen Gebetsformeln weihten die Mönche in den Klöstern die Eier.

Eier bloß nicht verwechseln

Eier bloß nicht verwechseln

Um die Verwechslungsgefahr auszuschließen, erhielten die geweihten Eier eine rote Färbung. Diese Farbe steht in der liturgischen Farblehre für den Opfer- und Märtyrertod. "Diese Eier hießen dann Roteier oder Schöneier und symbolisierten die Auferstehung", sagt Daxelmüller. Im Folgenden hätten sich Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern zu Gabenterminen entwickelt, an denen sich bevorzug mit Eiern beschenkt wurde - nicht nur innerhalb der Klöster.

"Und es gab ja auch die Eierspiele", erklärt Daxelmüller. Im Mittelalter hätten sich zwei Mannschaften mit einem Korb auf die Suche nach versteckten Eiern gemacht. Wer den Korb zuerst gefüllt hatte, war der Sieger und habe sich über die Präsente hermachen dürfen.

Verbreitet war laut Daxelmüller auch der Brauch unter Kindern, von Tür zu Tür zu gehen und Lieder vorzutragen. Als Lohn hätten sie Eier bekommen, teilweise aber auch Fladen oder Brezeln.

Beim heutigen Osterfest kommen die bunten Eier vor allem aus dem Supermarkt. "Die fertig gekochten und bereits gefärbten Eier sind sehr beliebt", sagt der Geschäftsführer der niedersächsischen Geflügelwirtschaft, Dieter Oltmann.

"Die Leute nutzen sie vor allem für die Dekoration in Körben und Nestern." 2006 sei der Absatz der bunten Osterboten um rund 20 Prozent auf knapp 300 Millionen gestiegen, für dieses Jahr werden ähnliche Zuwächse erwartet. Nach Angaben des niedersächsischen Landvolks stammt jedes dritte Ei, das an Ostern auf den Tisch kommt oder versteckt wird, aus Niedersachsen.

Heiko Lossie, dpa