Oscar "Das Leben der Anderen" triumphiert

Der Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film geht zum dritten Mal nach Deutschland: Florian Henckel von Donnersmarck gewann mit seinem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" die begehrte Trophäe als bester ausländischer Film. Großer Gewinner des Abends war aber US-Regisseur Martin Scorsese mit seinem Film "The Departed".

Los Angeles - Deutscher Jubel in Hollywood: Das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" ist in der Nacht zum Montag mit dem Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film des Jahres ausgezeichnet worden. Der 33 Jahre alte Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck nahm den Preis überglücklich entgegen. Nach Volker Schlöndorff und Caroline Link ist er der dritte deutsche Filmemacher, der mit dem begehrtesten Preis der Branche für einen Spielfilm geehrt wurde.

Der sichtlich ergriffene Regisseur und Co-Produzent Henckel von Donnersmarck nahm den Oscar von Cate Blanchett und Clive Owen entgegen. "Ich möchte den Mitgliedern der Academy aus tiefstem Herzen für diese Ehre danken", sagte der 33-Jährige. Sein Debütfilm hatte sich überraschend gegen den Favoriten "Pans Labyrinth" aus Mexiko durchgesetzt. Zuvor hatten Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel", 1980) und Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika", 2003) den wichtigsten Filmpreis der Welt nach Deutschland geholt.

Neben den Hauptdarstellern Ulrich Mühe und Sebastian Koch sowie seiner Ehefrau Christiane Asschenfeldt, die ihn ins Kodak Theatre in Hollywood begleitet hatten, galt ein weiterer Dank des Regisseurs dem Schauspieler und kalifornischem Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Dieser habe ihm beigebracht, die Worte "Ich kann nicht" aus seinem Wortschatz zu streichen, sagte Henckel von Donnersmarck.

Ein Traum ging auch für den amerikanischen Regisseur Martin Scorsese in Erfüllung. Trotz sieben Nominierungen war er jahrelang leer ausgegangen. Erst im achten Anlauf bekam er die Auszeichnung der amerikanischen Filmakademie als bester Regisseur für sein Werk "The Departed: Unter Feinden". Der Thriller über Gangster, Polizisten und Spitzel wurde auch zum besten Film des Jahres gekrönt und für den Schnitt und das beste Drehbuch nach einer Romanvorlage ausgezeichnet.

Die Trophäe für die beste Hauptdarstellerin ging an die Britin Helen Mirren, die in dem Drama "The Queen" die englische Königin Elizabeth spielt. Bester männlicher Darsteller wurde der Afro- Amerikaner Forest Whitaker für seine Rolle des Diktators Idi Amin in "The Last King of Scotland". Die Preise als beste Nebendarsteller nahmen die US-Amerikaner Alan Arkin für "Little Miss Sunshine" und Jennifer Hudson für das Musical "Dreamgirls" entgegen.

Gleich zwei Oscars gab es für den Film "Eine unbequeme Wahrheit" (An Inconvenient Truth). Der Film über den Klimawandel mit dem früheren US-Vizepräsidenten Al Gore wurde als bester Dokumentarfilm und für den besten Filmsong von Melissa Etheridge ausgezeichnet.

"Happy Feet" bester Animationsfilm

Bester Animationsfilm wurde "Happy Feet"

Der mexikanische Fantasy-Film "Pan's Labyrinth" schnitt nach "The Departed" mit insgesamt drei Oscars am besten ab: Das Werk von Guillermo del Toro wurde in den Kategorien Ausstattung, Make-up und Kamera gewürdigt.

Einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk nahm der 78 Jahre alte italienische Komponist Ennio Morricone in Empfang. Er schuf die unvergesslichen Melodien zu Filmen wie "Spiel mir das Lied vom Tod". Nach sieben Nominierungen war das Globalisierungs-Drama "Babel" mit nur einem Oscar für die beste Filmmusik einer der Verlierer des Abends.

Die Freude von Henckel von Donnersmarck über seinen Triumph in Hollywood war grenzenlos. "Ich danke Deutschland und Bayern dafür, dass sie diesen Film möglich gemacht haben", sagte er auf der Bühne.

Und hinterher schwärmte er im Presseraum des Kodak-Theaters: "Ich konnte mir gut vorstellen, diese herrliche Statue in den Händen zu halten. Es fühlt sich wirklich großartig an und sie ist wunderschön."

"Ich gratuliere unserem ehemaligen Schüler auf das Herzlichste zu diesem großartigen Erfolg", sagte Gerhard Fuchs, der Rektor der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen (HFF), wo Henckel von Donnersmarck studiert hat. Es sei eine unbeschreibliche Freude, dass "das sehr deutsche Thema ausgerechnet in Amerika ein so starkes Interesse fand". Fuchs ist zugleich Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks, der den deutschen Oscar-Film koproduziert hat.

Die wichtigsten Oscar-Gewinner 2007

Die wichtigsten Gewinner der 79. Oscar-Verleihung

Bester Film: "Departed - Unter Feinden"

Beste Regie: Martin Scorsese ("Departed - Unter Feinden")

Bester Hauptdarsteller: Forest Whitaker ("Der letzte König von Schottland")

Beste Hauptdarstellerin: Helen Mirren ("Die Queen")

Bester Nebendarsteller: Alan Arkin ("Little Miss Sunshine")

Beste Nebendarstellerin: Jennifer Hudson ("Dreamgirls")

Bester nicht-englischsprachiger Film: "Das Leben der Anderen"

Bester animierter Film: "Happy Feet"

Bester Dokumentarfilm: "An inconvenient Truth" (Al Gore)

Beste Kamera: Guillermo Navarro ("Pans Labyrinth")

Bester Schnitt: Thelma Schoonmaker ("Departed - Unter Feinden")

Bestes Original-Drehbuch: Michael Arndt ("Little Miss Sunshine")

Bestes adaptiertes Drehbuch: William Monahan ("Departed - Unter Feinden")

Beste Filmmusik: Gustavo Santaolalla ("Babel")

Beste Kostüme: Milena Canonero ("Marie Antoinette")

Beste Ausstattung: Eugenio Caballero, Pilar Revuelta ("Pans Labyrinth")

Beste Spezialeffekte: John Knoll, Hal Hickel, Charles Gibson, Allen Hall ("Fluch der Karibik 2")

Ehren-Oscar: Ennio Morricone

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp