Sealand Neuer Fürst gesucht

Angebot für Möchtegern-Monarchen: Die Insel Sealand steht zum Verkauf. 47 Meter lang und 13 Meter breit ist das "Fürstentum" vor der britischen Südküste, das einst als Militärstützpunkt diente.

London - Klein, hässlich, aber mein. Wem das als Eigentümermotto genügt, kann sich jetzt - das erforderliche Bankguthaben vorausgesetzt - um den Erwerb des "kleinsten Staates" der Welt bewerben: Mindestens 504 Millionen Britische Pfund (750 Millionen Euro) werden für eine künstliche Insel in der Nordsee samt Titel "Fürst von Sealand" verlangt.

Möchtegern-Monarchen und Schlechtwetter-Liebhaber sind aufgerufen, diesen Preis für das nur 47 Meter lange und 13 Meter breite "Fürstentum" zu bezahlen, einschließlich einiger Unterkünfte und Büroräume, eines Dieselgenerators und einer Mini-Kirche. Ursprünglich wurde die Insel aus Betonpfeilern und Stahl als Militärplattform gebaut. Damals hieß sie noch Roughs Tower und diente Großbritannien im Zweiten Weltkrieg zur Luftabwehr gegen die Deutschen.

Sealand liegt nur elf Kilometer vor der britischen Südostküste. Damit befand sich die Insel auf Stelzen bei ihrer Schaffung außerhalb der britischen Hoheitsgewässer. Das nutzte der englische Ex-Major Paddy Roy Bates. Er zog 1967 mit seiner Familie auf die nicht mehr genutzte Insel, taufte sie Sealand, erklärte sie zu seinem eigenen Staat und nannte sich Fürst Roy. Fertig war das Reich.

"Mein Vater ist inzwischen 85 und meine Mutter Ende 70, und ich bin auch schon 54", sagt der Sohn des Gründungsfürsten, der heutige "Regierungschef" Michael von Sealand dem Sender BBC. "Ich denke, das Projekt kann inzwischen eine Verjüngungskur ganz gut brauchen."

Auch wenn das britische Königshaus Sealand nie als unabhängigen Staat anerkannte, hat die Insel seit den 70er Jahren eine eigene Flagge, Briefmarken und sogar eine eigene Währung - den Sealand Dollar. Zudem wurden Reisepässe aufgelegt, die zeitweise sehr begehrt waren.

Inselpässe und Betrügereien

Besonders in den 90er Jahren boomte der Schwarzhandel mit den Inselpässen. Doch bald wurde klar, dass sie - wenn die Sache auffiel - an keiner Grenze der Welt anerkannt wurden. Mehrfach gelang es aber Inhabern von Sealand-Pässen, damit in verschiedenen Ländern Bankkonten zu eröffnen.

Dass ein Sealand-Pass auch ein Verhängnis sein kann, musste ein Deutscher Ende der 70er Jahren erfahren. Alexander Achenbach, ehemaliger "Außenminister" von Sealand, putschte mit Unterstützung einiger Holländer. Nachdem Roy die Insel zurückerobern konnte, kamen die Entführer hinter Schloss und Riegel.

Die deutsche und die niederländische Regierung wandten sich an Großbritannien. Doch London erklärte sich für nicht zuständig. So handelte Sealand de facto unabhängig. Die Holländer hatten Glück. Sie wurden gemäß der Genfer Konvention freigelassen. Doch der Deutsche musste als Besitzer eines Sealand-Passes und damit als "Bürger" der Insel noch für einige Zeit in "Haft" bleiben.

Heute lebt die Insel vor allem von der Internet-Industrie und lockt zudem mit steuerlichen Vergünstigungen. Der Online-Provider HavenCo hat seinen Sitz auf Sealand. Auf seiner Website verspricht er ideale Bedingungen für das Surfgeschäft im weltweiten Datennetz.

River Tucker, dpa