Fahrräder Falten statt klappern

Sie stehen für die siebziger Jahre: Klappfahrräder. Vor mehr als 30 Jahren waren sie ebenso verbreitet wie auch verschrien. Nachdem sie so gut wie verschwunden waren, kommt nun die nächste Generation auf den Markt. Falträder sind aus hochwertigen Materialien und absolut alltagstauglich.

Bremen/Hoya - Klappfahrräder waren vor mehr als 30 Jahren ein ebenso verbreitetes wie auch verschrienes Fortbewegungsmittel. Diese Räder konnten zwar in der Mitte zusammengeklappt werden, hatten daneben aber nicht wirklich viele Vorteile. Lange Strecken lagen ihnen nicht, schwer waren sie außerdem, und neben dem Klappen gehörte oft auch das Klappern zum Alltag.

Mittlerweile hat eine neue Generation von Zweirädern das inoffizielle Erbe angetreten: Moderne Faltfahrräder lassen sich ebenfalls Platz sparend zusammenfalten, bieten daneben aber noch Alltagstauglichkeit und manchmal sogar eine Spur von Hightech.

"Im Gegensatz zu den oft aus billigen Komponenten gefertigten Klapprädern der Vergangenheit stehen die aktuellen Falträder auch für hohe Technologie und hochwertigere Materialien", bestätigt Bettina Cibulski, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Bremen. An den Erfolg ihrer Vorgänger können sie zwar noch nicht anknüpfen. Experten sehen aber einen klaren Trend nach oben für die Falträder - wenn auch noch auf niedrigem Niveau: "Klappräder hatten früher einen Markteinteil von bis zu 50 Prozent - Falträder dürften bei etwa einem Prozent liegen."

Dass das Interesse zunimmt, liegt an verschiedenen Vorzügen, und anders als beim Klapprad gilt die Faltbarkeit als zentraler Punkt. "90 Prozent der früheren Klappräder wurden ja nie geklappt, sondern einfach als kleine und wendige Fahrräder eingesetzt", erklärt Frank Thies von der Firma Hartye in Hoya, Importeur von Falträdern der Marke Dahon. Die Falträder sollen jedoch gerade als handlich gefaltetes Paket punkten.

"Falträder sind eine tolle Geschichte, wenn man an die Möglichkeiten im Zusammenhang mit der Mobilität denkt", meint Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad Industrie-Verbandes (ZIV) in Schwalbach im Taunus. "Man kann so ein Rad auf dem Weg zur Arbeit mit in die S-Bahn nehmen, es nach dem Aussteigen auseinander falten und dann weiter zur Firma fahren."

Hier wird nicht nur einmal geklappt, sondern gleich mehrfach verkleinert

Klapp die Vorderachse an

Denn tatsächlich wird hier nicht nur einmal geklappt, sondern gleich mehrfach verkleinert. "Wie gefaltet wird, ist von Rad zu Rad unterschiedlich", sagt Stefan Langohr vom Faltrad-Hersteller Riese und Müller in Darmstadt.

Am Beispiel eines Modells beschreibt Langohr die vorzunehmenden Arbeiten: So wird zunächst die Vorderachsschwinge angeklappt, dann geschieht das gleiche mit der hinteren Schwinge, schließlich wird noch die Sattelstütze heruntergefahren und der Vorbau umgeklappt. Am Ende hat der Eigner ein äußerst handliches Paket vor sich - je nach Modell zwischen 9 und 12 Kilogramm schwer.

"Das Paket ist dann am Ende etwa so groß wie ein Rad des Fahrrades", beschreibt Bettina Cibulski das Ergebnis. Und gerade diese Räder sind recht klein - meist 16 bis 20 Zoll. Um allerdings am Bahnsteig der S-Bahn schnell die nötigen Arbeiten durchführen zu können, ist etwas Übung notwendig. "Zu Anfang braucht man wohl fünf Minuten, um die einzelnen Schritte zu absolvieren", so Cibulski. "Mit einiger Praxis ist es dann auch in 30 Sekunden machbar." Werkzeug ist für all das nicht notwendig - meist verfügen die Fahrräder über einfach zu bedienende Schnellverschlüsse.

Faltrad ist bei der Bahn ein Gepäckstück

Ein anderer Vorzug gegenüber normalen Fahrrädern ist, dass die Faltmodelle problemlos in der Bahn mitgenommen werden können. "Ein zusammengefaltetes Fahrrad gilt bei der Bahn als normales Gepäckstück, wenn es in einer Tasche verstaut ist", erläutert Bettina Cibulski. Es sind also keine Extrakosten fällig. Die Hersteller bieten daher auch gleich unterschiedliche Möglichkeiten an, die gefalteten Räder zu verstauen. "Neben Schutzhüllen gibt es auch Rucksacktaschen oder Hartschalenkoffer", so Stefan Langohr.

Trotz ihrer kleinen Räder, der vielen Klappmechanismen und des insgesamt etwas gewöhnungsbedürftigen Aussehens sollen sich die Falträder im Hinblick auf die Alltagstauglichkeit kaum von großen Fahrrädern unterscheiden. Das gilt auch für das mögliche Tempo. "Die Laufräder sind zwar kleiner, aber die Übersetzung ist so wie bei den großen Fahrrädern", erklärt Bettina Cibulski. "Man kann damit ganz normal schnell fahren."

Daher sei nicht nur der tägliche Weg zur Arbeit möglich. Auch längere Radtouren oder -reisen seinen durchaus machbar. In den Listen technischer Ausstattungen findet sich all das, was vom Rest der Fahrräder bekannt ist. "Aktuelle Modelle gibt es auch gefedert, mit Nabendynamo und guten Schaltungen", so Cibulski.

Tatsächlich ist es recht schwer bei den Falträdern Nachteile gegenüber den gewohnten Fahrradmodellen zu finden - bis auf die Preise. "Solche Falträder sind natürlich nicht ganz billig", bestätigt Cibulski. Laut Frank Thies gibt es Einstiegsmodelle zwar bereits für rund 350 Euro - für höhere Ansprüche müssten aber schon 600 bis 1000 Euro eingeplant werden. Nach oben gibt es je nach Ausstattungswunsch kaum Grenzen. Das Modell "Birdy" zum Beispiel mit Aluminiumrahmen und hochwertigen Komponenten von Riese und Müller kostet je nach Ausführung zwischen rund 1400 und 2700 Euro.

Heiko Haupt, dpa