Design-Hotels in Nassfeld Wie ein Raumschiff aus Star Trek

Die Cube-Hotels sorgen für Furore. Statt rustikaler Gasthof-Romantik laden sie in kühne Glas-Stahl-Konstruktionen ein - mit Erfolg. Designbewusste Wintersportler machen hier gerne Rast. Gäste heißen hier Community, Zimmer sind Boxen, und der Skikeller ist der Showroom.
Von Marion Schmidt

Wer sich durch das enge Gailtal geschlängelt hat, kommt hinter Hermagor kurz vor der italienischen Grenze nach Tröpolach. Ein kleines Kärntner Dorf mit nur wenigen hundert Einwohnern, beschaulichen Bauernhäusern, Kirche, Tankstelle, Mini-Markt, ein paar rustikalen Gasthöfen - und mittendrin zwei riesige Würfel aus Beton, Stahl und Glas, die aussehen, als wäre hier ein Raumschiff notgelandet.

Das Cube Hotel  passt mit seinem Design in den Ort wie Captain Kirk in die Zirbelstube. Außen eine kühne Glas-Stahl-Konstruktion, die nachts farbig angestrahlt wird, innen viel Beton, Boxen statt Zimmer, Showrooms statt Skikeller, Gateways statt Treppen.

Zimmer im Cube Hotel: "Das Leben spielt sich außerhalb der Boxen ab"

Zimmer im Cube Hotel: "Das Leben spielt sich außerhalb der Boxen ab"

Foto: Cube Hotels
Cube Nassfeld: Konzept für Gäste, denen Spaß und Sport wichtiger sind als Komfort

Cube Nassfeld: Konzept für Gäste, denen Spaß und Sport wichtiger sind als Komfort

Foto: Cube Hotels
Treppenhaus im Cube: Stylish urlauben

Treppenhaus im Cube: Stylish urlauben

Foto: Cube Hotels


Cube-Hotel: Leben in der Box
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Erfinder des Cube ist der österreichische Tourismus-Manager Rudolf Tucek, der jahrelang den nationalen Tourismusverband geleitet hat und sich dann mit dieser Idee selbständig machte. Das Konzept des Cubes ist so einfach wie einzigartig und steht für eine andere Dimension von Bergurlaub. Gemacht für Gäste, denen Spaß und Sport wichtiger sind als Komfort, die preiswert, aber stilbewusst wohnen wollen. Die Fertigpizza okay finden und morgens um vier Uhr noch ein Bier an der Bar kriegen wollen.

Und: Das Cube ist nichts für Stubenhocker. Die Zimmer, aus gutem Grund Boxen genannt, bieten keinerlei Komfort sondern funktionales Design: Es gibt nur Betten, Holzablagen, einen Waschtisch aus Beton, WC und Dusche. Kein Tisch, kein Stuhl, kein Fernseher. Warum auch? Schließlich sollen die Gäste hier nur schlafen und sich umziehen. "Das Leben spielt sich außerhalb der Boxen ab", erklärt Hotel-Manager Bernd Kleinschuster, "die Gäste sollen sich gar nicht in ihren Zimmern aufhalten, sondern die Gemeinschaft mit anderen suchen, in der Lobby, an der Bar, im Club." Gäste sind hier die "Community".

Frühstück gibt es bis 15 Uhr

Für Jugendherberge zu stylish

Die Community ist durchschnittlich um die 20 Jahre alt, hockt gern vor den Playstations in der Lobby, lümmelt sich vor Kamin und Videowall, trinkt Bier, trägt tief hängende Hosen. Die Community ist sehr international, kommt aus Dänemark, Belgien, Spanien, Italien, Slowenien. Frühstück gibt es bis 15 Uhr, Drinks rund um die Uhr. Tagsüber dröhnt Hip Hop durch den Würfel, abends torkeln schon mal trunkene Teenies unter lautem Getöse in ihre Boxen. Das alles erinnert ein bisschen an Jugendherberge, ist dafür aber deutlich zu stylisch.

"Wir wollen kein klassisches Hotel sein", betont Bernd Kleinschuster. Das Cube steht irgendwo zwischen Hotel und Ferienheim. Und da steht es offenbar ganz gut. Das Konzept kommt an. Nach dem Cube Nassfeld hat diesen Winter ein neuer Würfel in Savognin in der Schweiz eröffnet, im nächsten Winter soll es zwei weitere in Österreich geben. Allerdings mit mehr Komfort. Es wird keine Achter-Boxen mehr geben und auch keine Etagenduschen. Die Community ist doch anspruchsvoller, als Herr Tucek dachte.

Yoga-Gruß im Sonnenschein

Das Cube hat den Ort verändert. Tourismus in Tröpolach hieß bis vor zwei Jahren: Urlaub in urigen Pensionen und gemütlichen Gasthöfen. Jetzt kommen Snowboarder aus Kopenhagen und Barcelona, Skifahrer aus München und Mailand. Soeben hat ein neues Vier-Sterne-Hotel eröffnet, das "Carinzia", ebenfalls direkt an der Talstation. Das exklusiv designte Haus mit der edlen Holz-Sprossen-Verkleidung und einem über 2400 Quadratmeter Spa lädt seine betuchte Gästeschar zum Yoga-Sonnengruß und in die Gailtaler Bio-Sauna. Das Carinzia setzt auf eine gänzlich andere Zielgruppe als das Cube, gleichwohl überrascht es, dass ausgerechnet zwei der wenigen österreichischen Designhotels im kleinen Tröpolach stehen.

Die Skiarena Nassfeld mit ihren über hundert Pistenkilometern gilt zwar schon länger als eines der schönsten und schneesichersten Skigebiete in Österreich, aber sicher nicht als eines der aufregendsten. Der Aufschwung begann erst vor etwa sechs Jahren, als in Tröpolach der Millennium Express in Betrieb genommen wurde, die längste Kabinenbahn der Alpen, die Skifahrer in nur 17 Minuten auf knapp 2000 Meter in die Karnischen Alpen hochzieht. Von der Bergstation Madritsche aus erschließt sich das Skigebiet über mehrere Berge, von der Kronalpe kurz vor der italienischen Grenze bis zum Zweikofel, von dem die Talabfahrt "Carnia" über 7,6 Kilometer wieder bis nach Tröpolach hinunter geht.

Besuch aus dem Dorf

Die Pisten sind allesamt sehr breit und bestens präpariert, ideal für Familien, Anfänger und Snowboarder. Oder diejenigen, die sich im Tal eines der Funsportgeräte wie Airboard, Cycle, Fox ausleihen und sich die Abhänge mal anders erobern. Und abends hängt die Community im Cube ihr teures Sportgerät dann in den Showroom, einem der Box vorgelagerten Raum hinter bunten Glasscheiben, in denen Ski und Snowboard aufbewahrt und Schuhe getrocknet werden. Sport wird groß geschrieben, denn viel mehr kann man in Tröpolach auch nicht machen. Das Urlaubsleben spielt sich im Cube ab, hier wird gegessen, getrunken, gespielt, getanzt. Außerhalb des Würfels stagniert das Kärntner Dorfleben. "Die Infrastruktur des Ortes hängt der Entwicklung noch nach", sagt Hotel-Manager Kleinschuster.

Das Cube hat das kleine Tröpolach aufgewirbelt und einen Hauch große weite Welt ins Kärntner Hinterland gebracht. Abends verirren sich auch schon mal ein paar Einheimische an die 24-Stunden-Bar und versuchen bei einem halben Liter Bier die hippe, urbane Community zu verstehen - so wie Captain Kirk in der Zirbelstube. Nur umgekehrt. Der Versuch bleibt vergeblich. Das Raumschiff ist ein eigener Ort.