Kunstpreis Der Schuppen, der zum Boot wurde

Er gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst: der britische Turner-Preis. Dieses Jahr erhielt ihn der Installations-Künstler Simon Starling. Der Brite schipperte in einem umgebauten Holzschuppen über den Rhein.

London - "Ich möchte nicht für exentrisch gehalten werden, denn das hat nichts mit meinen Arbeiten zu tun", sagte der aus Glasgow stammende Installationskünstler Simon Starling bei der Preisverleihung in der Londoner Tate Gallery.

Dann erklärte er dem Publikum sein Kunstwerk: "Shedboatshed". Dabei handelt es sich um einen Holzschuppen, den Starling in ein Boot umbaute, damit den Rhein hinunter paddelte und dann wieder in einen Schuppen zurück verwandelte. "Das ist ein Stück mobile Architektur", erklärte der 38-Jährige. Mitbewerber wie den Maler Gillian Carnegie und den Video-Künstler Darren Almond ließ Starling mit seinem wandlungsfähigen Objekt im Rennen um den Turner-Preis hinter sich. Der Brite machte sich vor allem mit Installationen einen Namen, für die er Objekte recycelt und verformt.

"Shedboatshed": Ein Schuppen, den Starling in ein Boot verwandelte und zurück

"Shedboatshed": Ein Schuppen, den Starling in ein Boot verwandelte und zurück

Foto: REUTERS
Preisträger: Simon Starling bei der Preisverleihung in der Londoner Tate Gallery

Preisträger: Simon Starling bei der Preisverleihung in der Londoner Tate Gallery

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Freudentanz: Der Installationskünstler aus Glasgow

Freudentanz: Der Installationskünstler aus Glasgow

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Simon Starling: Preisträger des Tuner-Preis 2005
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Der mit 25.000 Pfund (37.000 Euro) dotierte Turner-Preis wird seit 1984 jährlich an einen britischen Künstler unter 50 Jahren "für eine hervorragende Ausstellung oder andere Präsentation seines Werks" verliehen. Für seinen Film über die Heimatstadt von US-Präsident George W. Bush in Texas war der Preis im vorigen Jahr an Jeremy Deller vergeben worden. Zu den Preisträgern gehörten auch Künstler wie Rachel Whiteread, Anish Kapoor oder Damien Hirst.

Der Turner-Preis gilt als eine der wichtigsten - aber auch immer wieder höchst umstrittenen - Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst in Europa. Immer wieder sorgte der Preis für Wirbel um provozierende Kunstwerke. So löste etwa ein töpfernder Transvestit mit seinen Skulpturen oder eine aus Elefanten-Dung geformte Maria besondere Aufregung aus. Namensgeber der Auszeichnung ist der Künstler J.M.W Turner (1775 bis 1851), der mit seinen Werken selbst für Kontroversen sorgte.

Die für die Auszeichnung nominierten Künstler werden in der Londoner Tate Gallery noch bis zum 22. Januar 2006 dem Publikum präsentiert.