World Games Tauziehen für Deutschland

An diesem Wochenende haben in Duisburg die World Games begonnen. Nur Sportarten, die nicht zu den Olympischen Spielen zugelassen wurden, dürfen teilnehmen. Die deutschen Tauzieher gelten als Favoriten für den Titel. Doch der eigentliche Kraftakt ist die Dopingprobe danach.

Duisburg - Das deutsche Nationalteam im Tauziehen ist eine starke Seilschaft, und es klebt bei seinen Wettkämpfen geradezu aneinander. "Damit das Seil nicht rausflutscht, reiben wir unsere Hände mit ordentlich Harz ein", sagt Matthias Boschert. Bei den World Games in Duisburg strebt er mit seinen Teamkollegen in der Gewichtsklasse bis 640 kg den Sieg an. Der 32 Jahre alte Werkstoffprüfer stellt sich dabei auf eine echte Tortur ein.

"Brennende Hände und Schmerzen im Rücken gehören einfach dazu, wenn wir richtig am Zug sind." Oft lässt sich das Harz am Ende des Wettkampfes so schlecht lösen, dass ganze Hautfetzen mit abgerissen werden.

Als aktueller Europameister und Vizeweltmeister geht Deutschland bei den Spielen der nicht-olympischen Sportarten neben der Schweiz als Mitfavorit in die Wettkämpfe. "Wir sind ein eingespieltes Team", erklärt Boschert. Auf die "nahezu perfekten Bedingungen in Duisburg" freut er sich. "Der Boden im Duisburger Sportpark Wedau ist sandig, auf so einem Untergrund ziehen wir am liebsten", sagt er. Die Schweizer, die schärfsten Konkurrenten, bevorzugen dagegen festere Bodenverhältnisse.

Stefan Wiesner: Deutscher Fallschirmspringer

Stefan Wiesner: Deutscher Fallschirmspringer

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Fertigt eine Tawara, eine mit Lehm gefüllte Stoffröhre zur Begrenzung des Sumo-Rings an: Der Japaner Imai Tohichi

Fertigt eine Tawara, eine mit Lehm gefüllte Stoffröhre zur Begrenzung des Sumo-Rings an: Der Japaner Imai Tohichi

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Zeigt es dem Maskottchen der World Games: Karate-Weltmeisterin Kora Knühmann

Zeigt es dem Maskottchen der World Games: Karate-Weltmeisterin Kora Knühmann

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Skurrile Sportarten in Duisburg
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Das deutsche Nationalteam bis 640 kg setzt sich aus den besten Tauziehern der Vereine aus Goldscheuer und Böllen zusammen. Beide Gemeinden liegen im Süden Baden-Württembergs, wo Tauziehen Volkssport ist. "Bei uns kennt das jedes Kind. Schon die Bundesliga-Kämpfe sind gut besucht. Die Atmosphäre ist prima", sagt Boschert. Ein Team besteht aus acht Sportlern, die ihre Kontrahenten mindestens acht Meter zu sich heranziehen müssen. Setzen oder Abstützen ist verboten.

Für den richtigen Halt benutzen Tauzieher umgebaute Eishockey-Schuhe ohne Kufen: "Die sitzen prima am Knöchel. Wenn du aber wenig in den Armen hast, helfen auch die besten Schuhe nichts."

Zwischen zwei und acht Minuten dauert ein normaler Zug, nach oben sind aber keine Grenzen gesetzt. "Der Weltrekord liegt bei 55 Minuten", sagt Boschert, der auf schönes Wetter hofft. Denn bei Regen wird der Boden seifig. Außerdem kann das Hanfseil nicht mehr so gut gepackt werden. "Dann wird es richtig anstrengend", sagt der Kraftsportler, der mindestens fünf Mal pro Woche trainiert.

Verbände wollen olympisch werden

Verbände wollen olympisch werden

Das Gemeinschaftsgefühl steht dabei im Vordergrund. "Tauziehen ist ein extremer Mannschaftssport, bei dem wirklich jeder für jeden kämpft. Kann nur einer nicht richtig mitziehen, hat das ganze Team schon verloren." Er erklärt damit auch den Reiz dieser Sportart, die bis 1920 dem Programm der Olympischen Spiele angehörte.

Seit 1920 hat kein Tauzieher mehr an Olympischen Spielen. Dieses Schicksal teilen sich die Männer mit den kräftigen Oberarmen mit den anderen Teilnehmern der World Games. Denn an dem internationalen Wettkampf dürfen nur Sportler und Athleten teilnehmen, deren Sportarten und Disziplinen nicht ins olympische Programm aufgenommen wurden. Die World Games finden immer ein Jahr nach den Olympischen Sommerspielen statt.

Im Programm sind so skurrile Sportarten wie Bodybuilding, Bowling, Frisbeewerfen, Karate, Lebensrettung, Fallschirmspringen und Sumoringen. Mehr als 3500 Sportler kämpfen vom 14. Juli bis zum 24. Juli in 178 Disziplinen um Medaillen. Alle zugehörigen Sportverbände würden gerne ins Olympiaprogramm aufgenommen werden. Alle scheiterten jedoch auch in diesem Jahr mit ihrem jüngsten Antrag.

Dennoch wurden Sie zur Eröffnung der World Games von Jacques Rogge, dem Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), zu weiteren Versuchen animiert. "Ich will nicht ausschließen, dass das Programm für die Olympischen Sommerspiele 2016 erneuert wird und möchte allen Verbänden Mut machen", sagte der IOC-Chef am Freitag beim Besuch der World Games in Duisburg.

Bei den Tauziehern treten in der Klasse bis 640 kg neben Deutschland und der Schweiz noch Irland, England, Schweden und die Niederlande an. In der Vorrunde kämpft jeder gegen jeden, die besten Vier bestreiten die Halbfinals. Bis zu 16 Züge muss das spätere Siegerteam bestreiten. "Am Ende bist du einfach nur platt und spürst die Schmerzen gar nicht mehr", sagt Boschert, der nach Wettkämpfen den Handschlag lieber verweigert. Potenzielle Gratulanten könnten schließlich kleben bleiben.

Dennoch, den größten Kampf haben die Tauzieher im Dopingkontrollzentrum vor sich. Und das nicht etwa, weil sie Angst vor einer positiven A-Probe hätten. "Die größten Schwierigkeiten beim Wasserlassen haben die Tauzieher. Das sind echte Naturburschen, die sind nach ihrem Wettkampf so fertig, dass sie erstmal gar nicht können", sagt Karl-Heinz Kerll, der schon seit Karlsruhe 1989 für die Dopingkontrollen bei den World Games verantwortlich ist.

Von Roland Leroi, DPA