Sommerfreuden Baden erlaubt!

Die Wasserqualität der meisten europäischen Flüsse hat sich deutlich verbessert. Am 17. Juli findet daher der "Big Jump" statt, der erste europäische Flussbadetag. Doch nicht alle Flüsse taugen zur nassen Abkühlung.

Hamburg - Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war Baden in den großen Flüssen Europas im Grunde ein Tabu. Giftfrachten aus industrieller Produktion verschmutzten Rhein und Ruhr, Elbe und Werra, Loire, Themse und Ebro. Betriebsstilllegungen - vor allem in Osteuropa - sowie der konsequente Einsatz von Abwasserbehandlungsanlagen haben aber seit mehr als zehn Jahren dafür gesorgt, dass sich die Wasserqualität der Flüsse deutlich verbessert hat.

"Für viele der untersuchten Schadstoffe ist ein erfreulicher Rückgang zu verzeichnen", sagt Roberto Epple vom European Rivers Network. Problematisch seien dagegen weiterhin Gülle und landwirtschaftliche Kunstdünger, vor allem Nitrate. Es gäbe also immernoch Handlungsbedarf. Besonders gut sei inzwischen die Wasserqualität von Rhein und Elbe, wo es wieder mehr als 100 Fischarten gibt.

Zu den Sorgenkindern gehört allerdings die durch Thüringen und Hessen fließende Werra, die nach einer Studie der Universität Kassel zu den am stärksten belasteten Flüssen Mitteleuropas zählt. Das Ökosystem in dem von der Kaliindustrie salzbelasteten Fluss sei tief greifend gestört, betonen die Wissenschaftler.

Ganz anders sieht es in und an der Elbe aus, wo bereits im Sommer 2002 der erste internationale Badetag gefeiert wurde. An diesem Sonntag, den 17. Juli, gibt es wieder einen Grund zum Badengehen. "An mehr als 50 Orten in Deutschland und Tschechien sollen die Menschen die Elbe feiern und die gute Wasserqualität zum Baden nutzen", sagt Angelika Jahr, Schirmherrin des Projektes "Big Jump". Zeitgleich sind viele weitere Badefeste an der Loire, an der Themse, an der Seine, am Ebro und am Rhein geplant.

"Beim Big Jump, dem ersten europäischen Flussbadetag, werden Zehntausende die Flüsse für die Freizeit zurück erobern", hoffen die Initiatoren vom Rivers Network. Das sei möglich, weil das Wasser vielerorts bereits wieder Badequalität" habe.

Nicht alle Flüsse sind sauber

Nach Untersuchungen der Wassergütestelle Elbe hat die Belastung des Flusses mit hochgiftigem Quecksilber stark abgenommen. Nachdem 1985 noch 28.000 Kilogramm des Schwermetalls die Elbe hinabflossen, sank diese Fracht im Jahr 2004 auf nur noch 1.000 Kilogramm.

Weniger zufriedenstellend ist in diesen Tagen allerdings der Sauerstoffgehalt des Flusses, der schon seit Wochen den für Fische kritischen Wert von drei Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser unterschritten hat. "Für Menschen, die in der Elbe baden wollen, ist das aber kein Problem", erklärt Epple.

Die Wasserwege bergen aber auch andere Gefahren, wie starke Strömung oder Schiffsverkehr. Die Lebensretter der DLRG empfehlen daher nur guten Schwimmern ein Bad im Fluss. Erst in der vergangenen Woche ertrank ein 48-jähriger Familienvater in der Elbe. Nach 25 Metern verließen ihn offenbar die Kräfte, die Strömung riss ihn abwärts.

Auf große Strandbäder an ihren Flüssen werden die Menschen nach Einschätzung der Fachleute auch künftig verzichten müssen. Um die Jahrhundertwende war das noch ganz anders. Damals tummelten sich die Hamburger vielerorts in Badeanstalten an der Elbe. An schönen Sommertagen kamen mehr als 10.000 Gäste ins Wittenberger Strandbad kurz hinter Blankenese. Für 20 Pfennig Eintritt konnten sich die Menschen hier - züchtig verhüllt - in die Fluten stürzen.

Von Maja Abu Saman, DPA

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