Business-Yoga Entspannung im Lotossitz

Mit kompliziert aussehenden Körperbewegungen ahmen Yoga-Jünger die Beweglichkeit eines Krokodils nach, die Zurückgezogenheit einer Schildkröte oder die Spannung eines Bogens. Ziel der sportlichen Verrenkungen: Die totale Entspannung. Unter den Anhängern der indischen Bewegung befinden sich auch immer mehr Manager.

Göttingen/Köln - Auf der Suche nach Entspannung und wohliger Zufriedenheit dehnen immer mehr Menschen in Deutschland beim Yoga ihre Muskeln und üben die innere Einkehr. Yoga boomt. "Der Trend ist seit zwei Jahren eindeutig zu erkennen, und die Nachfrage steigt weiter", sagt Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln.

Genaue Angaben zur Zahl der Yoga-Jünger gibt es nicht. Der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland geht von vier bis sechs Millionen Anhängern aus, Christian Fuchs von der Yoga-Akademie Stuttgart von bis zu drei Millionen. Froböse dagegen schätzt die Zahl der Sinnsuchenden, die sich mit Yoga, aber auch Künsten wie Tai Chi und Qi Gong beschäftigen, nur auf rund 600.000.

Beim Geschlechterverhältnis dagegen sind sich die Experten einig. Mindestens 80 Prozent der Yoga-Anhänger sind Frauen - darunter prominente Vertreterinnen wie Sängerin Madonna und die US-Präsidentengattin Laura Bush.

"Yoga bietet ein gutes Körpererlebnis und eine enorme Befriedigung, die Sport nicht bringen kann: Die Beschäftigung mit sich selbst", sagt Kumud Schramm, Vorstandsmitglied im Berufsverband. "Wenn man regelmäßig Yoga praktiziert, wird man enorm wach, man wird weniger schnell aus der Bahn geworfen und ruht mehr in sich."

Ruhe statt Stress: Yoga findet in Deutschland immer mehr Anhänger"

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Besser als Sport: Yoga fördert die Konzentration

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"Das Kamel": Nur eine von vielen Yoga-Übungen

"Das Kamel":
Nur eine von vielen Yoga-Übungen

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Die Vereinigung von Körper und Geist
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Auf Sanskrit, der klassischen Gelehrtensprache Indiens, bedeutet "Yoga" so viel wie Vereinigung - Körper und Geist sollen eine Einheit bilden. "Yoga fördert die geistige und körperliche Balance, die in einer zunehmend hektischen Gesellschaft enorm wichtig sei", sagt Schramm.

"Als Übungsweg soll mir Yoga dabei helfen, mit dem Leid, das ich als Mensch in der Welt erlebe, fertig zu werden", erklärt der Indologe und Yoga-Lehrer Fuchs. Allerdings sei das spirituelle Ziel - Erlösung und Befreiung von Leid - in den westlichen Ländern stark ins Hintertreffen geraten.

So hätten sich in den USA körperlich sehr anstrengende Formen wie Power-Yoga entwickelt, berichtet Fuchs. Diese Varianten steigerten zwar die Popularität der Lehre, kratzten allerdings nur an ihrer "alleroberflächlichsten Kruste". "Die modernen Formen führen meist nicht wirklich in Richtung Konzentration und Meditation, was das klassische Yoga eigentlich will."

Die vier Yogawege

Die vier Yogawege

Vier Hauptströmungen unterscheidet man Fuchs zufolge beim Yoga: Das stark körperbetonte Hatha-Yoga, das sich im Westen durchgesetzt hat und zu dem auch das in vielen Schulen angebotene Kundalini-Yoga zählt; Karma-Yoga, das die Tat und das Dienen in den Vordergrund stellt; Jnana-Yoga, das den intellektuellen Weg einschlägt, und Bhakti-Yoga, die hingebende Liebe zu Gott.

Die fernöstliche Bewegung könne helfen, entspannter zu werden, die Muskulatur zu kräftigen und das Herz-Kreislauf-System zu verbessern, sagt Froböse. "Allerdings ist es völlig egal, was ich mache - Hauptsache, ich bewege mich. Der Körper weiß nämlich nicht, ob er joggt, schwimmt, Rad fährt oder Yoga macht." Umfassende wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Yoga bei bestimmten Erkrankungen wie etwa Rückenbeschwerden hilft, gebe es nicht.

Regelmäßiges, möglichst tägliches Üben ist Voraussetzung, um Yoga zu erlernen. "Lieber jeden Tag zehn Minuten als nur ein Mal pro Woche zwei Stunden", rät Fuchs. Wichtig ist auch die sorgfältige Suche nach einem Ausbilder, die Bezeichnung "Yoga-Lehrer" ist nicht geschützt.

Der Berufsverband der Yogalehrenden mit seinen rund 2000 Mitgliedern empfiehlt, dass eine Lehrkraft mindestens 25 Jahre alt und wenigstens zwei Jahre ausgebildet sein sollte. Bei Schnellkursen wird Fuchs misstrauisch. "In vier Wochen kann man kein Yoga-Lehrer werden."

Interessenten sollten sich Zeugnisse der Lehrer zeigen lassen und sich nicht mit Sätzen wie "Ich war in Indien" abspeisen lassen. Auch eine Probestunde zum gegenseitigen Beschnuppern hält Schramm für unerlässlich. Mit Yoga könne man schließlich auch Schaden anrichten - zum Beispiel das Herz-Kreislauf-System überlasten oder Bänder überdehnen. Ohne Anleitung einer Fachkraft jedoch könnten angehende Yogi Übungen missverstehen und falsch ausführen, warnt Fuchs.

Als Zukunftstrend sieht der Yoga-Experte Kurse für bestimmte Zielgruppen wie ältere Menschen oder Arbeitnehmer. "Das ist wirklich ein Markt." Während Yoga für Schwangere oder Kinder schon seit Jahren angeboten wird, sei "Business-Yoga" für Manager stark im Kommen, bestätigt Schramm: "Das schießt gerade richtig hoch."

Julia Ranniko, DPA

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