Golf Ball-Sport für jedermann

Erst eine erbauliche Partie Golf, dann zum Wohltätigkeitsball: Über Jahre galt keine Sportart als so elitär wie das Golfspielen. Die Zeit scheint vorbei zu sein. Die ersten Clubs bieten Neu-Golfern passable Einsteigerkurse ab 20 Euro an.

Hamburg - Golf beginnt zu leben. Das Spiel, früher verschrien als Aufschneider- und Rentnervergnügung, ist auf dem besten Weg, in Deutschland zum Breitensport zu werden. Zwischen 1994 und 2004 hat sich nicht nur die Zahl der aktiven Spieler hier zu Lande auf rund 490.000 mehr als verdoppelt. In vielen Städten und Kreisen haben die Golfer mittlerweile sogar die Wahl, durch welche Landschaft sie den kleinen, weißen Hartgummiball mit einem Eisenschläger vor sich hertreiben wollen: 648 Golfplätze stehen deutschlandweit bereits zur Wahl. Und der einsetzende Wettbewerb der Plätze untereinander macht den Golfsport langsam bezahlbar.

Die meisten deutschen Golfclubs locken vor allem Anfänger mit Sonderangeboten oder preisgünstigen befristeten Mitgliedschaften.

Die Sache könnte sich für Neugolfer und Clubs gleichermaßen lohnen. Nach einer Umfrage des Deutschen Golf Verbandes (DGV) würden mehr als vier Millionen Bundesbürger das Golfen gerne einmal ausprobieren. Vor 20 Jahren hätten sich in Deutschland vergleichsweise wenige Menschen für Golf interessiert, sagt DGV-Präsident Wolfgang Scheuer. Das habe sich jetzt grundlegend geändert.

Besonders die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) in Wiesbaden hat sich dafür eingesetzt, den Golfsport vom Image der Freizeitbeschäftigung für Jaguar-Fahrer und Beamte im Ruhestand zu befreien. Mit vergleichsweise preiswerten Jahresbeiträgen - 220 Euro für Erwachsene und 110 Euro für Jugendliche und Studenten - testen VcG-Einsteiger die Sportart, bevor sie sich für den Eintritt in einen herkömmlichen Verein entscheidet.

VcG-Mitglieder können dazu auf diversen Golfplätzen in Deutschland die nötige Platzreife erwerben, ein Handicap erspielen, an den VcG-eigenen Turnieren teilnehmen und auf rund 90 Prozent der deutschen Golfanlagen gegen Gebühr spielen, die so genannte Greenfee. Fast 18.000 Mitglieder hat die VcG derzeit. Seit der Gründung 1983 hätten mehr als 35.000 Spieler ihren Einstieg in den Golfsport über die Vereinigung gefunden - und spielen seitdem vor allem auf günstigen öffentlichen Plätzen.

Neben den Golf-Resorts im bayerischen Bad Griesbach und Fleesensee in Mecklenburg-Vorpommern sowie dem "Arosa-Resort Scharmützelsee" bei Berlin bieten jetzt beispielsweise auch die drei Anlagen von Red Golf in Hamburg, Quickborn und Gelsenkirchen günstige Spielmöglichkeiten. Der Schnupperkurs kostet 20 Euro für Golfeinsteiger. Wer die erste Hilfe nicht mehr benötigt, kann auf der Driving Range des Clubs 51 Bälle für acht Euro wegschlagen. Vorbild für die Modelle sind die USA und Großbritannien, wo es seit Jahrzehnten neben exklusiven Clubs viele Spielmöglichkeiten für jedermann gibt.

Golf beginnt zu leben. In Deutschland.

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