Museumsnächte Ich sehe Farben!

Weil junge Arbeitnehmer vor allem im Dunkeln Zeit für Freizeit finden, locken immer mehr Städte sie mit einer jährlichen "Nacht der Museen". Die Erste des Jahres findet an diesem Wochenende in Berlin statt. Wer sie verpasst, kann 2005 noch mindestens 13 Mal andernorts losziehen. Die Höhepunkte in der Übersicht.

Ludwigshafen/Berlin - Als die Badische Anilin- und Sodafabrik die Bewohner von Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen 2003 zum ersten Mal nachts auf ihr Firmengelände einlud, erlebte sie eine kleine Überraschung. Gut über hundert Meter lang war die Schlange der Besucher zeitweise, die mit Bussen unter dem Motto "BASF by night" über das hell erleuchtete Chemiegelände gefahren werden wollten.

Wahrend die Firma mitten in der Nacht Zusatzbusse bestellte und die Werksführer per Megafon versuchten, den Besucherfluss zu kanalisieren, muss den Werksoberen geschwant haben, dass es für das Image der größten Chemiefabrik der Welt nur gut sein kann, sie als hell erleuchtetes Kulturgut in einer "Langen Nacht der Museen" zu präsentieren.

Nachwuchsbands der "Popakademie Mannheim" sollen nun am 16. April im Engelhorn-Hochhaus auf dem Werksgelände aufspielen, wenn BASF sich, diesmal ohne Busfahrten, zum dritten Mal einreihen will zwischen den etablierten lokalen Museen "Landesmuseum für Technik und Arbeit" und "Reiss-Museum" und zahllosen kleinen Galerien.

Europaweiter Durchbruch für die Museumsnächte

Dank der zunehmenden Professionalisierung seit der ersten deutschen Museumsnacht 1997 in Berlin haben sich die Nachttouren inzwischen europaweit etabliert und ziehen von Jahr zu Jahr mehr Besucher an. Vor allem die jungen Gäste schätzen bei den unverbindlichen Schnuppernächte mit Pauschaleintritt für alle Einrichtungen einer Region, so dass inzwischen Städte überall in Deutschland übers ganze Jahr verteilt die Chance nutzen, neue Besucher für ihre Kultureinrichtungen zu gewinnen:

In Berlin findet in diesem Jahr auch der Auftakt der diesjährigen Museumsnächte am letzten Januarwochende statt. Am 29. Januar 2005 "werden wir die Museumsarbeit des Bewahrens, Sammelns und Forschens vorstellen und auch verborgene Schätze aus den Depots holen", erläutert Tina Haufe vom Museumspädagogischen Dienst Berlin.

Insgesamt haben 80 Häuser geöffnet, erstmals dabei sind die Berlinische Galerie und Schloss Britz. Das Kombiticket zum Preis von 12 oder ermäßigt 8 Euro öffnet alle Museumstüren. Für Kinder bis zwölf Jahre ist der Eintritt frei (www.lange-nacht-der-museen.de).

Leichenschau in Leipzig

Leichenschau in Leipzig

Rund 70 Museen und Ausstellungsstätten macht Stuttgart am 19. März für 12 Euro zugänglich (www.lange-nacht.de). Die Düsseldorfer Nacht der Museen steigt dann am 16. April (www.nacht-der-museen.de).

In Leipzig scheinen am 23. April die Dinge in der Nacht anders als bei Licht betrachtet. Ihre sechste "Nachtschicht" stellt die Stadt unter dieses Motto. "Für Besucher von außerhalb wird das neue Museum der Bildenden Künste das Highlight sein", sagt Petra Paula Schwab vom Kulturamt Leipzig. Insgesamt öffnen 41 Häuser ihre Türen, darunter auch die sonst unzugängliche Anatomische Sammlung der Universität. Tickets kosten 8 oder ermäßigt 5,60 Euro. Zusätzlich zum individuellen Programm der Museen soll es Stadtrundgänge zum Thema Architektur und Licht geben (www.nachtschicht-leipzig.de).

Frankfurt öffnet ebenfalls in der Nacht vom 23. auf den 24. April 50 Museen. Mit dem 11 Euro teuren Ticket können auch Palmengarten und Zoo besucht werden. "Im letzten Jahr war der nächtliche Besuch des Kriminalmuseums ein großer Erfolg", sagt Kirsten Grote-Bär, Pressesprecherin des Kulturdezernats (www.nacht-der-museen.de).

Hamburg will seine Philharmonie in der Speicherstadt zeigen

Nürnberg richtet seine "Blaue Nacht" am 7. Mai 2005 aus. "Unsere Museumsnacht zeichnet sich durch Kunst im öffentlichen Raum aus", sagt Karin Jungkunz, Projektkoordinatorin beim Kulturreferat der Stadt. 2005 werden Künstler das Motto Wind und Luft an 65 Spielorten in Szene setzen. Das Einheitsticket für die 30 geöffneten Häuser vom National- bis zum Hutmuseum kostet 12 und ermäßigt 10 Euro. Kinder unter zwölf Jahren zahlen nichts. Lichtkünstler werden außerdem markante Punkte und Plätze der Innenstadt in blaues Licht tauchen (www.blauenacht.nuernberg.de).

Der Termin für die Hamburger Museumsnacht fällt wahrscheinlich auf den 2. Juni. Im Mittelpunkt steht der Hafen: "Wir wollen Einblick geben in das im Umbau befindliche Marinemuseum und in die Planungen für die Philarmonie in den Kaispeichern", sagt Herbert Hötte, Leiter des Hamburger Museumsdienstes. Außerdem fährt ein Barkassen-Shuttle zum Hafenmuseum am Bremerkai. Neu im Reigen der 42 nachtaktiven Museen ist das HSV-Museum. Die Tickets kosten 10 oder ermäßigt 8 Euro.

Viele Hannoversche Museen und Kultureinrichtungen öffnen in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni zum Einheitspreis von 5 Euro. Bis zwölf Jahre ist der Eintritt frei (www.museumsnacht-hannover.de). Sachsens Landeshauptstadt Dresden geht am 9. Juli mit 46 Museen an den Start. Der Eintritt kostet 8 oder ermäßigt 6 Euro, die Familienkarte 17 Euro (www.dresden.de/museumsnacht).

Museumsnacht am Tag

Museumsnacht am Tag für Kinder

Programm in 20 Museen bietet Kiel am 26. August. "Mit dem Ticket für 7 Euro kann man sogar mit historischen Schiffen und Segelbooten über die Förde setzen", sagt Angelika Stargardt vom Kulturamt der Stadt Kiel (www.museumsnacht-kiel.de).

Am 24. September findet die Dortmunder Museumsnacht statt. Im Mittelpunkt des Rahmenprogramms soll eine zentrale Veranstaltung auf dem Friedensplatz stehen. "Viele Konzerte und Lesungen wenden sich speziell an Familien mit Kindern und beginnen bereits um 16.00 Uhr", sagt Projektassistentin Christine Abraham. Erwachsene zahlen 11 oder ermäßigt 8,50 Euro, Kinder zwischen 6 und 14 Jahren 2,50 Euro und Kinder unter 6 Jahren gar nichts für die Eintrittskarte (www.dortmundermuseumsnacht.de).

In München öffnen am 15. Oktober rund 80 Häuser in der Dämmerung ihre Türen. Der Eintritt kostet hier 15 Euro (www.muenchner.de). Am 29. Oktober feiert Schwerin seine "Lange Nacht der Kunst". Die wohl letzte Museumsnacht der Republik bietet am 5. November Köln: In insgesamt 38 Museen, Kunst- und Kulturzentren oder Galerien wird jeweils ein eigenes Programm organisiert. "Ungewöhnliche Orte wie die Sternwarte des Planetariums haben den größten Zulauf", sagt Marie-Luise Höfling, Pressereferentin für die Museen der Stadt Köln. Das Ticket kostet 13,50 Euro (www.museumsnacht-koeln.de).

In Erfurt (www.kleinearche.de/langenacht) und Mainz, wo in den vergangenen Jahren Museumsnächte veranstaltet wurden, steht eine Neuauflage 2005 wegen der schlechten Haushaltslage auf dem Prüfstand. Bremen und Saarbrücken haben bislang noch nicht für oder gegen eine Museumsnacht entschieden.