Fitnessbranche "Tritt mich"

Wer genügend Geld hat, engagiert einen persönlichen Fitnesstrainer, um sich die Pfunde vom Leib zu trimmen. Der Coach macht die betuchte Klientel fit für die Leistungsgesellschaft. Wolfgang Joop und Matt Damon zeigen, wo man die teuren Prügelknaben findet.

Berlin - Zu faul. Zu müde. Sportzeug vergessen. Manchmal braucht man bei guten Vorsätzen jemanden, der keine faulen Ausreden gelten lässt und einen auf gut Deutsch gesagt in den Hintern tritt.

In der Fitness-Welt macht das der Personal Trainer, der privat und für teures Geld sportliche Lektionen erteilt. Der Trend aus den USA hat Deutschland voll erfasst. Ob in Fitness-Studios, Fernsehshows oder in den Buchhandlungen: Personal Trainer haben Konjunktur.

Trendforscher sprechen von einer "Professionalisierung der Freizeit". Ein bisschen Glamour ist auch dabei. Schließlich schwören auch Bill Clinton, Madonna und Britney Spears auf ihren Personal Trainer.

Dort, wo Berlin am meisten glitzert, in den Einkaufspassagen an der Friedrichstraße, hat der Holmes Place Health Club seinen Sitz. Das Surren von 35 Laufbändern hängt in der Luft, an den Wänden läuft auf Flachbildschirmen CNN, davor schwitzen einige Dutzend Männer und Frauen an den Geräten.

Der strenge Trainer: Die Schülerin wird auf die richtige Haltung überprüft

Der strenge Trainer: Die Schülerin wird auf die richtige Haltung überprüft

Foto: Holmes Place
Mit lauten Pfiffen gegen Fettpolster: Der Drill-Trainer in Action

Mit lauten Pfiffen gegen Fettpolster: Der Drill-Trainer in Action

Foto: DPA
Beim Gewichteheben ist Vorsicht geboten: Der Trainer passt auf, dass die Kundin sich nicht verhebt

Beim Gewichteheben ist Vorsicht geboten: Der Trainer passt auf, dass die Kundin sich nicht verhebt

Foto: DPA


Der persönliche Trainer
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Statt "Muckibuden"-Flair sieht es in diesem Fitness-Studio eher nach der Fernsehserie "Sex and the City" aus: Wer hierher kommt, verdient nicht schlecht und kann sich auch mal einen Personal Trainer für um die 60 Euro die Stunde leisten. Die Spanne der Kunden ist breit, erzählt Gym Manager Björn Kusche (28) - vom Studenten mit wohlhabenden Eltern bis zu Prominenten wie Wolfgang Joop und Matt Damon. Rund 250 Mitglieder nutzen den Personal-Trainer- Service.

Mit dem Trainer rund um die Welt

Kusche öffnet die Türen der Studios, in denen gerade Einzelstunden laufen: Ein Mittfünfziger im rosa Polo-Hemd dreht seine Runden zum Aufwärmen, nebenan drischt jemand mit den Box-Handschuhen los - beide bekommen Kommandos von ihren Trainern. Das Angebot ist individuell, von Reha über Yoga bis hin zum Krafttraining an den Geräten; mal will ein Kunde Gewicht verlieren, mal mehr Ausdauer bekommen.

Das Interesse wächst, sagt Kusche. "Die Körperkultur wird immer stärker." Anders, als es Schönheitsshows im Fernsehen vorgaukeln, meint er, dass nicht alles möglich ist. Wohl aber, dass eine Frau mit Anfang 40 Schwimmen lernt oder dass ein Diplomat 15 Kilo abspeckt - das waren seine eigenen besten Momente als Personal Trainer.

Mit dem Trainer rund um die Welt

Auch Luxus-Hotels wie das Grand Hyatt Berlin bieten den Service an - er wird laut Sprecherin Kerstin Riedel "sehr gut angenommen" und kostet 75 Euro die Stunde, auch Joggingstunden durch den Tiergarten gehören zum Programm.

In der Kaifu Lodge in Hamburg, wo zehn Trainer sich auf die privaten Lektionen spezialisiert haben, hat man den Trend ebenfalls beobachtet. Die Kunden des Fitness-Studios sind oft viel beschäftigte Manager, die häufig unterwegs sind - begleitet vom Trainer. "Die fliegen um die Welt", sagt eine Mitarbeiterin. Der Service scheint auch via Internet zu boomen: Dort bieten hunderte Personal Trainer ihre Dienste an.

Die lockeren Zeiten sind vorbei

Und was steckt gesellschaftlich gesehen dahinter? Oliver Perzborn vom Trendbüro sieht seit zwei Jahren einen stark gestiegenen Leistungs- und Erfolgsdruck. "Mit dem Untergang der New Economy sind die locker-legeren Tage erst einmal vorbei", meint er. "Stattdessen erwartet man von uns aus ökonomischen Zwängen heraus, dass wir immer besser werden müssen. Tag für Tag."

Für ihn hat die "Professionalisierung der Freizeit" gerade erst begonnen. Der Trend geht weiter und wird immer mehr Lebensbereiche erfassen: "Vom Personal Computer über den Personal Trainer zum Personal Coach, Personal Cook, Personal Wedding Planner oder Personal Life Assistant."

Caroline Bock, DPA