Donnerstag, 5. Dezember 2019

Euro 2004 Das umstrittene Flugobjekt

Auch wenn der Ball rund und das Tor eckig ist: Kugel ist nicht gleich Kugel. Der offizielle EM-Ball Roteiro ist bei den Aktiven unbeliebt. Zu hart, "nur für den Strand geeignet" oder "einfach furchtbar" – das Spielgerät hat wenig Freunde.

Lissabon - Mehr als sechs Millionen Roteiros will Adidas in diesem Jahr verkaufen. Damit würde die Silberkugel zum bisher meist verkauften Ball der Welt avancieren. Nicht zuletzt die Fürsprache einiger prominenter Kicker kurbelt den Absatz an

Inside Roteiro: Unbeliebte Silberkugel
"Einen vergleichbaren Ball hat es bisher nicht gegeben. Der Roteiro erlaubt mir noch präzisere Pässe und Freistöße", frohlockt Englands Kapitän David Beckham die bis zu 445 Gramm schwere Pille mit einer fast nahtlosen Oberfläche. Ähnlich äußert sich Frankreichs Superstar Zinedine Zidane: "Wenn man sein Spiel auf viel Gefühl aufbaut, ist es besonders wichtig einen Ball zu haben, der das tut, was man von ihm verlangt. Der Roteiro erlaubt es mir, mein Spiel zu spielen."

Die Lobpreisung hat ihre Gründe: Sowohl Beckham als auch Zidane stehen bei Adidas Börsen-Chart zeigen unter Vertrag. Der Sportartikelhersteller liefert seit 1970 die offiziellen Bälle für Welt- und Europameisterschaften.

Vorgänger mit schillernden Namen

Dagegen hält Inaki Saez, Trainer der mittlerweile ausgeschiedenen Spanier, nicht viel vom Roteiro, der nach dem Logbuch des portugiesischen Seefahrers Vasco da Gama benannt wurde: "Der Ball ist furchtbar." Sein Verteidiger Ivan Helguera hält ihn nur für "Fußball am Strand", Griechenlands Regisseur Vassilios Tsartas allein für das Kurzpassspiel geeignet. Ihm Spiel England gegen Frankreich echauffierte sich auch der französische Verteidiger Willi Sagnol beim Schiedsrichter über den harten Ball.

Bodenständig in bester Herberger-Manier gibt sich hingegen der portugiesische Jungstürmer Cristiano Ronaldo. Ihm sind Design, versprochene berechenbare Flugeigenschaften, Abriebfestigkeit und ein revolutionäres Innenleben egal: "Mir ist jeder Ball recht, so lange er rund ist."

Die Vorgänger von Roteiro hießen Questra (1996) und Silverstream (2000) und waren auch keine Bälle aus Leder mehr, sondern bestanden längst aus synthetischem Material. Das Design des Roteiro ist einem Globus nachempfunden; die silbernen Linien symbolisieren die Längen- und Breitengrade eines Koordinatensystems.

Jeder der 16 teilnehmenden Verbände hat 50 Roteiro-Bälle für das Training erhalten. Pro Spiel stehen 20 Bälle und weitere 20 für jeden Spielort zur Verfügung. Insgesamt hat Adidas 2370 Bälle für die EM bereitgestellt.

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