Transatlantik-Regatta Von Walen und Winden

Neptuns Launen lassen die Führenden der Transatlantik-Regatta verzweifeln. Während die bisher schnellste Yacht mit Gegenwind zu kämpfen hat, nähern sich ihre Gegner in Windeseile - der Sturm bläst von hinten.

Hamburg - Am frühen Sonnabendmorgen wird die erste Yacht der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge in Cuxhaven im Ziel erwartet. Der Titel "first ship home" kann ihr aller Voraussicht nach kein Konkurrent mehr nehmen.

In Cuxhaven wartet schon die Ehefrau des Eigners und mit zwei Töchtern auf die Ankunft der "Zaraffa". Aber für den berechneten Sieg wird es langsam eng. Derzeit sind mehrere Yachten dem Amerikaner Skip Huntington mächtig schnell auf den Fersen.

Die 85-Fuß-Hightech Yacht "UCA" ersegelte sich in der IMS-Wertung bereits Platz 1 vor der "Zaraffa". Und in der IRC Wertung (der Gesamtwertung) liegt die "Team 888" nur noch 14 berechnete Stunden hinter der "Zaraffa" auf Platz 2 zurück. Wer das Rennen also vorzeitig als gelaufen bezeichnet hat, irrt, denn jetzt wird es erst richtig spannend.

Denn die "Zaraffa" hat mit widrigen Winden vor Cuxhaven zu kämpfen. Auf diese Situation setzt die "UCA" von Ex-Arbeitgeberpräsident Klaus Murmann. Die 26-Meter-Yacht war aufgrund ihrer Schnelligkeit erst eine Woche nach dem Hauptfeld am 21. Juni gestartet worden und rollt das Feld inzwischen von hinten auf. Nach theoretisch hochgerechneter Zeit lag sie schon auf Rang fünf der Gesamtwertung hinter der "Team 888" und der "Discoverer" (beide England).

Walalarm

Am Donnerstag Abend überholte die "UCA" das langsamste Schiff der ersten Gruppe, die "Frisco" aus Kanada. Beide hatten noch mehr als 1.900 der insgesamt 3.625 Seemeilen von Newport/USA aus vor sich - mit dem Unterschied, dass die "UCA" derzeit am 5. Juli im Ziel erwartet wird und die "Frisco" leider erst nach der Festwoche, die vom 4. bis zum 12. Juli auf der Kehrwiederspitze in Hamburg gefeiert wird.

Überholt: Die 13,41 Meter lange Mason 44 "Frisco" von Frederick Voegeli aus Nova Scotia/Kanada

Überholt: Die 13,41 Meter lange Mason 44 "Frisco" von Frederick Voegeli aus Nova Scotia/Kanada

Überzeugend: Klaus Murmanns "Uca"

Überzeugend: Klaus Murmanns "Uca"

Foto: Michael Meyer/UCA
Übersee: Sabine Foellbach von DaimlerChrysler checkt auf dem Vorschiff des Mitarbeiterboots "King's Legend" das Stagsegel

Übersee: Sabine Foellbach von DaimlerChrysler checkt auf dem Vorschiff des Mitarbeiterboots "King's Legend" das Stagsegel

Foto: Daniel Forster / DCNAC
Überraschend: "Uca" am Morgen auf der Kieler Förde

Überraschend: "Uca" am Morgen auf der Kieler Förde

Foto: Michael Meyer/UCA
Überhang: Die Swan 55 "Walross III" vom Akademischern Segler-Verein

Überhang: Die Swan 55 "Walross III" vom Akademischern Segler-Verein

Foto: ASV


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Die Durchschnittsgeschwindigkeit der "UCA" hatte sich nach Rundung von Point Alpha, der Eisgrenze bei 40 Grad Nord und 50 Grad West kontinuierlich erhöht und lag am Donnerstag schon bei 11,23 Knoten. "Teils haben wir bei viel Regen und viel Wind in zehn Stunden 170 Seemeilen geschafft", berichtete Crewmitglied Peter Sandmeyer von Bord. Einen Wal hätten sie auch beinahe überfahren. "Nur weil wir einen Mann im Mast hatten, der ihn von oben gesehen hat, konnten wir gerade noch rechtzeitig ausweichen", so Sandmeyer.

"Eiskalt, windig, Schaumkronen"

"Eiskalt, windig, Gischt und Schaumkronen"

Auf einem starken siebten Platz hielt sich die "King's Legend". Die Swan 65 wurde als Mitarbeiterboot des Titelsponsors DaimlerChrysler mit einer deutsch-amerikanischen Crew besetzt.

Am Mittwoch feierte sie Bergfest: "Wir haben die Hälfte (1.800 Seemeilen) geschafft. Wir begehen den Anlass feierlich mit selbst gebackenem Brot und Lachs zum Frühstück. Seit gestern ist der Nordatlantik, wie man sich ihn vorstellt: Eiskalt, windig, Gischt und Schaumkronen und immer für eine Überraschung gut. Die nächsten Tage ist Sturm vorhergesagt. Heute geben wir noch mal alles für ein bisschen Speed, Surfen die Wellen unter Spie runter und bereiten uns mental auf die nächsten drei Tage vor."

Das Not auch erfinderisch machen kann, und die Bedingungen auf dem Nordatlantik das erfordern, meldet die Berliner Studenten-Crew der "Walross III", die auf dem 33. Platz liegt: "Die ganze Nacht und den Vormittag arbeitete die Crew im Salon an der Reparatur des Großsegels. Nachdem dem Problem mit Nadel und Bootsmannshandschuh nicht beizukommen ist, entwickeln wir bisher unbekannte Techniken: Wir haben drei Gurtbandstreifen um den Halsring an den Segelhals mit dem spanischen Wunderkleber (PU-Schaum) angeklebt.

Die Launen des Golfstroms

Der Kleber macht die Konstruktion so hart, dass man Gurtband und Segeltuch bohren kann. Nun wird für jeden Nadelstich mit der Elektrobohrmaschine vorgebohrt und die Gurtbänder mit kräftigen Nähten angenäht. Zum Wachwechsel um 14 Uhr wird das Großsegel wieder gesetzt und das Ereignis mit einer Runde Bier aus den knappen Beständen gefeiert."

Auch die "Haspa Hamburg" arbeitet konzentriert daran, den führenden Yachten ein bisschen Zeit abzunehmen. "Der 13. Tag auf See hat begonnen. Mit Surfs zwischen 12 und 14 Knoten fegen wir in der Sonne die Wellen hinunter, auch wenn der Wind uns manchmal nicht ganz den richtigen Kurs segeln lässt. Seit 48 Stunden dreht der Wind immer wieder zwischen Süd und Nordwest hin und her. Das ging auch in der Nacht so, die uns mit eiskaltem Wind richtig frieren ließ, obwohl wir uns ziemlich genau auf der selben Breite wie Hamburg befanden."

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