Augusta Masters Der erste Kanadier im grünen Jackett

Mike Weir hat überraschend das renommierte Golfturnier in Augusta gewonnen. Der mit höchsten Erwartungen in das Turnier gegangene Titelverteidiger Tiger Woods enttäuschte und landete abgeschlagen auf den hinteren Rängen.

Augusta - Als Tiger Woods dem neuen Masters-Gewinner Mike Weir, 32, das begehrte Grüne Jackett zum Zeichen des Triumphs umhängte, verlor der gerührte Sieger fast die Fassung. "Es ist ein fantastisches Gefühl, und ich denke, mir steht der Blazer ausgezeichnet", freute sich Weir den Tränen nahe, "vom Masters-Sieg habe ich mein Leben lang geträumt."

Masters-Champions 2003 Mike Weir und Vorjahressieger Tiger Woods: "Spiel aufbauen und Kontrolle bewahren"

Masters-Champions 2003 Mike Weir und Vorjahressieger Tiger Woods: "Spiel aufbauen und Kontrolle bewahren"

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Bester Amateur im 93 Mann starken Spielerfeld: Ricky Barnes (USA) von der University of Arizona war nur einen Schlag schlechter als Tiger Woods und landete auf dem 21. Rang

Bester Amateur im 93 Mann starken Spielerfeld: Ricky Barnes (USA) von der University of Arizona war nur einen Schlag schlechter als Tiger Woods und landete auf dem 21. Rang

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Schlammschlacht zum Auftakt: Starke Regenfälle am Donnerstag sorgten dafür, dass die erste Runde auf Freitag verschoben werden musste. Sehr zur Enttäuschung der erwartungfrohen "Patrons", wie das Publikum in Augusta genannt wird

Schlammschlacht zum Auftakt: Starke Regenfälle am Donnerstag sorgten dafür, dass die erste Runde auf Freitag verschoben werden musste. Sehr zur Enttäuschung der erwartungfrohen "Patrons", wie das Publikum in Augusta genannt wird

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Sorgte für Medienrummel abseits der Fairways: Martha Burk (r.) bei ihrer Protestaktion vor den Toren des "Augusta National Golf Club". Die ausschließlich männlichen Mitglieder des Privatclubs sind der Frauenrechtlerin ein Dorn im Auge

Sorgte für Medienrummel abseits der Fairways: Martha Burk (r.) bei ihrer Protestaktion vor den Toren des "Augusta National Golf Club". Die ausschließlich männlichen Mitglieder des Privatclubs sind der Frauenrechtlerin ein Dorn im Auge

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Phil Mickelson bleibt der "BPNTHWAM" (Best Player Never To Have Won A Major) der Golfgeschichte: Auch im 43. Anlauf reichte es für Mickelson bei einem Majorturnier nicht zum Sieg

Phil Mickelson bleibt der "BPNTHWAM" (Best Player Never To Have Won A Major) der Golfgeschichte: Auch im 43. Anlauf reichte es für Mickelson bei einem Majorturnier nicht zum Sieg

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Achterbahn der Gefühle: Jeff Maggert, der Führende vor der Schlussrunde, trifft mit diesem Schlag die Bunkerkante und wird anschließend von Ball berührt. Die Folge: Zwei Strafschläge und ein Triplebogey am dritten Loch (Par 4). Anschließend spielte er fünf Birdies und erlebte am 12. Loch (Par) mit acht Schlägen ein absolute Desaster. Am Ende wurde Maggert Fünfter

Achterbahn der Gefühle: Jeff Maggert, der Führende vor der Schlussrunde, trifft mit diesem Schlag die Bunkerkante und wird anschließend von Ball berührt. Die Folge: Zwei Strafschläge und ein Triplebogey am dritten Loch (Par 4). Anschließend spielte er fünf Birdies und erlebte am 12. Loch (Par) mit acht Schlägen ein absolute Desaster. Am Ende wurde Maggert Fünfter

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Tiger Woods enttäuscht: Mit seinem 15. Rang konnte der Titelverteidiger nicht zufrieden sein. Nur am Samstag, als ihm eine 66er-Runde gelang, zeigte er die brillante Form, die man vom Weltranglistenersten gewohnt ist

Tiger Woods enttäuscht: Mit seinem 15. Rang konnte der Titelverteidiger nicht zufrieden sein. Nur am Samstag, als ihm eine 66er-Runde gelang, zeigte er die brillante Form, die man vom Weltranglistenersten gewohnt ist

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Nervenstärke statt Monsterdrives: Master-Champion Mike Weir zeigte in Augusta, dass konstantes Spiel und sicheres Putting im Golf zum Erfolg führen

Nervenstärke statt Monsterdrives: Master-Champion Mike Weir zeigte in Augusta, dass konstantes Spiel und sicheres Putting im Golf zum Erfolg führen

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Endstation Playoff: Len Mattiace (USA) erzwang mit einer sagenhaften 65-Runde am Abschlusstag ein Stechen mit Mike Weir, doch dann verließ ihn das Glück. Seinen Schlag zum Grün verzog er in einen Pinienwald, die Bäume versperrten die Sicht zur Fahne. Ein Doppelbogey war die Folge

Endstation Playoff: Len Mattiace (USA) erzwang mit einer sagenhaften 65-Runde am Abschlusstag ein Stechen mit Mike Weir, doch dann verließ ihn das Glück. Seinen Schlag zum Grün verzog er in einen Pinienwald, die Bäume versperrten die Sicht zur Fahne. Ein Doppelbogey war die Folge

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Schwunggefühl und Nervenstärke

Weir sicherte sich den Titel beim ersten Major-Turnier des Jahres nach einer dramatischen Abschlussrunde mit insgesamt 281 Schlägen (70, 69, 75, 68), nachdem er den nach vier Runden schlaggleichen US-Amerikaner Len Mattiace (73, 74, 69, 65) im Stechen am ersten Extraloch besiegen konnte. Dritter wurde Phil Mickelson aus den USA (283-73, 70, 72, 68) vor seinem Landsmann Jim Furyk (284-73, 72, 71, 68). Jeff Maggert, der Führende nach dem dritten Tag, wurde Fünfter (286-72, 73, 66, 75).



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Weir ist damit der erste Kanadier, der beim Masters gewinnen konnte, und nach dem 1963 bei der British Open siegreichen Neuseeländer Bob Charles erst der zweite Linkshänder der Golfgeschichte, der bei einem Majorturnier erfolgreich war. Erstmals seit 1990, als sich Nick Faldo gegen Raymond Floyd durchsetzte, wurde der Masters-Champion auch wieder im Stechen ermittelt. Mit der besten Turnierrunde von 65 Schlägen hatte Mattiace Weir auf der Zielgeraden noch eingeholt und ein Playoff erzwungen. Doch im Stechen versagten die Nerven des von Publikum angefeuerten Amerikaners. Auf der zehnten Spielbahn verzog er den zweiten Schlag ins Grün völlig, spielte einen Doppelbogey, während Mike Weir auf Nummer sicher ging und trotz eines Bogeys triumphierte.

"Wie gut, dass ich auf den Rat von Jack Nicklaus gehört", verriet Weir, angesprochen auf die in Golfkreisen eher ungewöhnliche Spielweise von der linken Seite. Als 13-Jähriger hatte der aus Sarnia (Provinz Ontario) stammende Weir an den "Goldenen Bären" einen Brief geschrieben und ihn nach seiner Meinung zum Rechts- oder Linksspiel gefragt. Weir erledigte im Alltag alles mit rechts, doch beim Sport machte er alles mit links. "Bleib links, so wie du bist, spiele deinen natürlichen Schwung", antwortete der sechsmalige Masters-Champions Nicklaus ihm damals.



Schwunggefühl und Nervenstärke

Dass Weir knapp zwanzig Jahre nach dem Ratschlag des Altmeisters nun im Grünen Jackett triumphierend auf der Terrasse des "Augusta National Golf Club" stehen durfte, hat er nicht nur seinem Schwunggefühl zu verdanken, sondern auch seiner ausgewiesenen Nervenstärke.

Am Samstag, auf der dritten Runde, führte Weir das Feld zwischenzeitlich mit sechs Schlägen Vorsprung an und wurde doch von der Konkurrenz gestellt und sogar vom Amerikaner Jeff Maggart überholt. Einen solchen Dämpfer verkraften normalerweise nicht viele, deshalb wunderten sich am Sonntag die Zuschauer über die bemerkenswerte Zähigkeit, mit der der zierliche Kanadier auf der Schlussrunde im Rennen blieb.

Während der vor der Schlussrunde führende Maggart am Sonntag ein bizarres Wechselbad der Gefühle erleben musste - fünf Birdies, zwei Strafschläge, ein Tiplebogey und unglaubliche acht Schläge am 12. Loch (Par 3) -, ließ sich Weir nie aus der Ruhe bringen und glänzte immer wieder durch großartiges Putten, mit dem er sich aus allen schwierigen Lagen befreien konnte. Auch die namhafte Konkurrenz wie Vijay Singh, Phil Mickelson oder Tiger Woods wartete vergeblich auf einen Fehler Weirs und scheiterte eher an den eigenen Nerven.

Lehrstunde bei Tiger Woods


Ausgerechnet bei Woods hatte sich Mike Weir abgeschaut, wie man ein Major gewinnt. 1999 war er gemeinsam mit dem Tiger auf die Schlussrunde der US-PGA-Championship in Medinah gegangen. Während er selbst am Druck zerbrach, holte sich Woods den Titel. "Damals habe ich gesehen, wie er sein Spiel aufbaut und die Kontrolle behält. Ich habe seinerzeit viel Positives gelernt, auch wenn es für mich selbst ein harter Tag war", erklärte Weir.

Mit dem Erfolg beim Masters hat Weir in diesem Jahr bereits seinen dritten Saisonsieg feiern dürfen und sich mit nunmehr 3.286.625 eingespielten Dollar (1,2 Millionen gab es für den Sieg in Augusta) auch an die Spitze der US Tour gesetzt. In der Weltrangliste kletterte er von Rang zehn auf den fünften Platz vor.

Der einzige Deutsche im 93 Mann starken Spielerfeld in Augusta, Bernhard Langer, war nach seinem schlechtesten Masters-Ergebnis (79 und 76 Schläge) erstmals nach 19 erfolgreichen Teilnahmen wieder am Cut gescheitert. Bester Amateur war der noch auf der University of Arizona studierende 22-jährige Ricky Barnes aus den USA (291-69, 74, 75, 73), der auf dem 21. Platz landete und nur einen Schlag mehr benötigte als Titelverteidiger Woods (290-76, 73, 66, 75), der mit seinem 15. Rand im Endklassement alles andere als zufrieden sein konnte.

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