America's Cup Materialschlacht der Milliardäre

Beim America's Cup, der weltweit wohl berühmtesten Segelregatta, geben sich die Superreichen ein Stelldichein. Mit Millionen-Dollar-Booten liefern sie sich Duelle auf dem Wasser. An Land sorgen Intrigen und juristische Streitereien für Spannung.

Seit Anfang Oktober richten sich die Augen der globalen Seglergemeinde auf Neuseeland. Mit dem Startschuss zum Louis Vuitton Cup begannen die Vorausausscheidungen für den America's Cup , dem wohl legendärsten Hochseerennen der Welt.

In seinem 153-jährigen Bestehen hat die Formel 1 der Meere nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Hier treffen Geld, Hightech und eine gehörige Portion Eitelkeit aufeinander. Millionen Dollar teuere Yachten pflügen durch das Meer. Intrigen vergiften die Atmosphäre. Dallas auf hoher See.

Neun Teams aus Frankreich, der Schweiz, Schweden, Großbritannien, Italien und den USA nehmen an den Qualifikationswettkämpfen in Auckland teil. Der Sieger trifft im direkten Duell ab Februar auf den aktuellen Titelträger. Zuletzt hatte das Team New Zealand im Jahr 2000 den begehrten Silberpokal geholt.

Der Segelsport steht im Vordergrund, doch es geht auch ums Prestige, zumal sich das Teilnehmerfeld wie ein Auszug aus der Forbes-Reichsten-Liste liest. US-Mobilfunkpionier Craig McCaw (Vermögen: 2,4 Milliarden Dollar) hat gemeinsam mit Microsoft-Mitbegründer Paul Allen (Vermögen: 25,2 Milliarden Dollar) das One World Team aus der Taufe gehoben. Der Schweizer Ernesto Bertarelli (Vermögen: 8,4 Milliarden Dollar), Chef des Biotechnologiekonzerns Serono, schickt das Alinghi Team ins Rennen.

Schlammschlacht
Verschwörungen und Spionage stehen bei der Vorbereitung zum America's Cup auf der Agenda. ...mehr

Und dann ist da noch der notorische Segelrowdy und Software-Tycoon Larry Ellison (Vermögen: 23,5 Milliarden Euro). Der Oracle-Chef liefert sich Hassduelle mit seinem Konkurrenten Hasso Plattner. Während einer Regatta vor Hawaii verweigerte Ellisons Begleitmannschaft dem havarierten Plattner-Boot die Hilfe, worauf der SAP-Chef den blanken Hintern zeigte. Bei diesem Anblick hatte wiederum Ellison Angst um seine Crew.

Beim anstehenden America's Cup treffen die Rivalen erneut aufeinander, wenn auch nur indirekt. SAP zählt zu Sponsoren des Titelverteidigers New Zealand, während Ellisons Oracle Team, bei dem sich auch der deutsche Autobauer BMW engagiert, zu den Herausforderern zählt.

Intrigen vergiften die Atmosphäre

Als ob die Stimmung damit im Vorfeld nicht gespannt genug wäre, sorgte jüngst auch noch eine Affäre um angeblich von Oracle an die Presse weitergeleitete Informationen über die Vergütung der New-Zealand-Mannschaft für schlechte Stimmung. Der US-Softwarehersteller wies die Vorwürfe zurück und hat, genau wie Co-Sponsor BMW, seine Anwälte eingeschaltet.

Das Prada-Team hatte sich ebenfalls auf Ellison eingeschossen. Der Vorwurf: Spionage. Mit ähnlichen Anfeindungen wurde McCaws One World Team konfrontiert. Die Folgen beschäftigen die Gerichte noch immer. Der America's Cup ist eben keine Veranstaltung für Sonntagssegler.

Dafür sprechen alleine schon die Budgets der Teams. Oracle/BMW geht mit einem 95-Millionen-Dollar Etat an den Start, wovon der Großteil aus Ellisons Privatschatulle stammen soll. Dafür steht der fünftreichste Mann der Welt auch selbst am Ruder.

Craig McCaw und Paul Allen haben zusammen 75 Millionen Dollar in ihr Boot investiert. Dem Schweizer Ernesto Bertarelli ist das Hochseevergnügen 55 Millionen Dollar Wert. Das Prada-Team gehört mit knapp 90 Millionen Dollar ebenfalls zu den Budget-Schwergewichten. Nach der Niederlage im vergangenen Finale wollen die Italiener diesmal die Trophäe mit nach Hause nehmen.

Während sich die Superreichen mit üppigen Einlagen zur Materialschlacht rüsten, müssen die kleinen Teams mit vergleichsweise knappen Etats ins Rennen gehen. Bei Cup-Legende Dennis Conner kocht entsprechend der Neid hoch, wenn er auf die finanziellen Möglichkeiten seiner milliardenschweren Konkurrenten zu sprechen kommt: "Ellison hat ein Riesen-Partyzelt für seine Sponsoren aufgebaut. Ich bin ziemlich eifersüchtig.

"Kein Wunder, denn für solche Späßchen reicht Conners Budget bei weitem nicht. Gerade 40 Millionen Dollar stehen seinem Stars-and-Stripes-Team zur Verfügung.Syndikate wie Le Défi Areva aus Frankreich und Mascalzone Latino aus Italien zählen mit jeweils 20 Millionen zu den krassen Außenseitern. Entsprechend tief stapeln die Verantwortlichen, wenn es um ihre Chancen geht. "Wir sind hier, um Erfahrungen zu sammeln", sagt Mascalzone-Skipper Vicenzo Onorato, der hauptberuflich eine Fährlinie im Mittelmeer betreibt.

"Technik bedeutet alles"

Die Verbitterung hat gute Gründe. Zunehmend entscheidet die technische Überlegenheit, nicht das seemännische Können. "Bei diesem Spiel bedeutet Technik alles", sagt Conners Skipper Kenneth Read. Und da haben die finanzstarken Syndikate deutliche Vorteile, können sie bei der Ausstattung ihrer Boote doch aus dem Vollem schöpfen.

Das müssen sie auch, denn gute Ausrüstung ist teuer. Rumpf, Segel, Navigationsanlage und Ruder kosten viele Millionen. Hinzu kommen Aufwendungen in die Entwicklung. Die zu beachtenden Parameter sind zahllos. Die richtige Abstimmung von Mastgröße, Ruderfläche und Rumpflänge eines Boots ist rennentscheidend.

Craig McCaw ließ sich bei der Konstruktion seiner Yacht von Boeing beraten, und testet die Stromlinie des Bootes im Windkanal der NASA. Larry Ellison war in dieser Hinsicht ein weiteres Mal konsequenter. Er baute sich seine eigene Windtestanlage, um aus dem Rumpf das Allerletzte rauszuholen.Immerhin: Beim Thema Kommunikation nimmt McCaw die Pole Position ein. Er kaufte für den anstehenden Wettbewerb in Neuseeland kurzerhand die gesamte Kapazität des örtlichen LAN-Netzwerkes auf. Seine Konkurrenten müssen sich nun mit Handys oder UKW-Funk begnügen.

Viel Geld wird auch in Geräte zur Wind- und Wettervorhersage gesteckt. Hunderte von Messfühlern unter Wasser und an Deck füttern Navigationsrechner mit Daten. Noch die kleinste Winddrehung wird erfasst.

Der meteorologische Wahn treibt bisweilen obskure - und auch ausgesprochen teure - Blüten. William Koch etwa, der 1992 den Cup gewann, investierte zwei Millionen Dollar in den Bau einer Laser-Radar-Anlage, die Richtung und Geschwindigkeit des Windes in drei Meilen Entfernung erkennen sollte. Das Gerät hat nie funktioniert.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass beim anstehenden Rennen die Syndikate mit der besten Ausrüstung die höchsten Chancen auf einen Sieg haben. "Dies wird wohl der technischste Cup", prophezeit Bootsdesigner Halsey Herreshoff.Entsprechend sind die Mannschaften mit den höchsten Budgets die Topfavoriten. Neben Bertarellis Alinghi-Team, dem One World Syndikat von McCaw und dem Prada-Boot gilt auch Ellisons Oracle-Yacht zu den hoch gehandelten Gewinnern. Die Forbes-Fraktion macht das Rennen unter sich aus.

Schlammschlacht: Intrigen beim America's Cup

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