Fußballtipps der Finanzprofis Sbad statt Bric als WM-Sieger

Fußball ist ein Milliardengeschäft, klar. Aber wen sieht die Milliardenindustrie der Banken eigentlich auf dem Siegertreppchen? Einen Geheimtipp - oder doch eine klassische Mannschaft wie Brasilien oder Argentinien?
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Der Beginn der Fußball-WM in Brasilien bringt es an den Tag - Fußball ist doch für alle da. Über das Foul an dem brasilianischen Spieler Fred wird in den Eckkneipen von Bahia bis Bottrop gestritten. Ebenso diskutieren und bangen die Fans um das Knie Christiano Ronaldos oder die rechte Schulter von Manuel Neuer. Die Königsfrage aber lautet: Wer holt den Pokal? Auch in den Glastürmen der Finanzindustrie macht man sich dazu Gedanken. Einerseits sicherlich streng rational.

"Es ist wohl verfrüht, von Spanien zu erwarten, Deutschlands Wachstumsleistung bereits 2014 zu toppen", räsoniert zum Beispiel Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt bei der Fondsboutique Meriten. "Allerdings gehen wir davon aus, dass sich der Abstand zwischen den europäischen Ländern im weiteren Jahresverlauf bis in 2015 hinein verringern wird. Südeuropa könnte 2015 für einige positive Wachstumsüberraschungen sorgen. In Sachen Wachstum sieht die Platzierung Deutschlands, Spaniens und Italiens anders aus als beim Fußballranking. Klarer wirtschaftlicher Champion ist aktuell Deutschland. Ob es zum Fußballweltmeister reicht, ist weniger klar." Andere setzen da schon ungenierter auf die reine Fußballkarte. Jim O'Neill beispielsweise.

Ein Mann, der unter anderem mit der Schöpfung des Akronyms Bric - für die Länder Brasilien, Russland, Indien und China - nicht nur Anlagegeschichte für seinen Arbeitgeber Goldman Sachs Asset Management schrieb, sondern auch ausgewiesener Fußballfan ist. Genauer, Fan des englischen Manchester United. In seinem Londoner Büro hing an der Wand ein Trikot des Vereins. Er gehörte sogar zu jenen reichen Fans, die ManU unter dem Schlachtnamen "Red Knights" der Eignerfamilie Glazer abkaufen wollte. Nun also nennt O'Neill seine Favoriten - das Akronym Sbad. Genauer, Spanien, Brasilien, Argentinien und Deutschland. Einer der vier werde es machen. Andere Experten werden da schon etwas deutlich und stellen eine klare Rangfolge auf, berichtet Guruwatch 

Brasilien sehen zum Beispiel alle als Gewinner an. Befragt wurden Goldman Sachs, Deutsche Bank, UniCredit und Danske Bank sowie 171 Analysten. Legt man die Gesetze der Finanzmärkte an, ließe sich von einer "overconfidence" sprechen - und Belgien würde unter Umständen triumphieren. Da es aber nur ein Spiel ist, folgt hier der Überblick über die Tips der Finanzprofis.

Brasilien - Platz 1

Treffer: Neymar hat getan, was Brasilien von ihm erwartet - ein Tor geschossen

Treffer: Neymar hat getan, was Brasilien von ihm erwartet - ein Tor geschossen

Foto: Sebastiao Moreira/ dpa

Brasilien: die Standardantwort für Fußball-Kegelbrüder und alle, die dem Sport sonst eher distanziert gegenüber stehen. Denn Brasilien, eine Weltmeisterschaft, Zuhause: Was soll da schon schiefgehen - außer japanische Schiedsrichter?

Argentinien - Platz 2

Gut aufgestellt: Argentinien gibt sich entschlossen auf dem Mannschaftsfoto. Der Torwart scheint seine Griffsicherheit an einem Baby stärken zu wollen

Gut aufgestellt: Argentinien gibt sich entschlossen auf dem Mannschaftsfoto. Der Torwart scheint seine Griffsicherheit an einem Baby stärken zu wollen

Foto: DPA

Argentinien: Die Hand Gottes ruht leicht verfettet im der Anzugtasche; Diego Armando Maradonna hat mit der Weltmeisterschaft nichts mehr zu tun. Dennoch - oder deswegen - räumen die Finanzprofis dem Team gute Chancen auf Platz zwei ein. Zumindest ist es die Standardantwort.

Deutschland - Platz 3

Deutschland: Von wegen "ganz in Weiß" - Deutschland trägt Querstreifen, in der WM sogar nur einen Streifen. Zum Ärger der Traditionalisten. Wobei - Hauptsache, gut gespielt

Deutschland: Von wegen "ganz in Weiß" - Deutschland trägt Querstreifen, in der WM sogar nur einen Streifen. Zum Ärger der Traditionalisten. Wobei - Hauptsache, gut gespielt

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Deutschland: Man lege die Stirn in Falten und murmele etwas von Turniermannschaft - und schon wird deutlich, dass von Deutschland die Rede ist. Auch die Finanzprofis scheinen ähnlich zu denken. Zumindest sehen die meisten von ihnen Deutschland auf dem dritten Platz.

... oder eben auch Spanien

Fast wie immer: In der spanischen Mannschaft tummeln sich viele bekannte Gesichter der EM 2012, der WM 2010 und der EM 2008 ... eine gefühlte Ewigkeit

Fast wie immer: In der spanischen Mannschaft tummeln sich viele bekannte Gesichter der EM 2012, der WM 2010 und der EM 2008 ... eine gefühlte Ewigkeit

Foto: DPA

Spanien - ja klar, die "furia roja" zu vergessen, wäre sträflich. Auch wenn einige den Tiki-taka-Stil am Ende wähnen, wähnen viele die Spanier zu den Favoriten gehörig.

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