Andreas Butz

Neue Chancen für den Laufsport Virtuelle Läufe - wie Corona die Laufszene verändert

Andreas Butz
Von Andreas Butz
Von Andreas Butz
Corona hat die Laufszene verändert: Warum nicht mal einen virtuellen Firmenlauf starten? mm-Laufcoach Andreas Butz über Innovationen und neue Chancen im Laufsport.
mm-Laufcoach Andreas Butz (ganz links) mit einer Trainingsgruppe

mm-Laufcoach Andreas Butz (ganz links) mit einer Trainingsgruppe

Foto: Horst Fehse

So wie Corona die Wirtschaft und das Bildungswesen zwingt sich nachhaltig zu verändern, so wird immer deutlicher, dass auch die Laufszene künftig nicht mehr die gleiche sein wird, wie wir sie kannten. Wir werden uns von manchen Wettkämpfen dauerhaft verabschieden müssen und lernen, neuen Formen des Wettkampfs eine Chance zu geben. Und wenn Sie Personalverantwortlicher sind und zweifeln, ob Firmenläufe noch zeitgemäß sind, oder auch einfach nur ein begeisterter Läufer, der sich über den geringen Abstand im Startbereich von Volksläufen Gedanken macht, dann sollten Sie jetzt unbedingt weiterlesen. 2021 macht der Laufsport einen innovativen Neustart und dieser wird vielfältiger, virtueller und sehr spannend sein.

Es lag an der Fitnessszene, dass sich der Laufsport zunächst optisch veränderte. Lockdown bedingt mussten die Studios schließen. Doch Fitnesssportler wären keine Sportler, wenn sie sich nicht neue Wege suchen würden dem Körperkult zu frönen. Und so entdeckten sie Outdoor-Sport taugliche Schuhe im Kleiderschrank und testeten sich am Laufen. Die "Neuen" auf der Promenade waren für uns "Alte" leicht zu erkennen. Am bunteren und teils knapperen Outfit, an den breiteren Schultern oder auch am beeindruckenden Sixpack. So oder so, schön anzusehen. Und weil Laufen selbst in den härtesten Lockdown-Zeiten immer erlaubt war, blieben die Neuen dem Laufsport treu. Wir sind mehr geworden.

Andererseits mussten wir Laufsportler auch viele bittere Einbußen hinnehmen. Ein Wettkampf nach dem anderen wurde verschoben, erst um Wochen, dann Monate, schließlich aufs nächste Jahr. Und 2021 geht es zunächst weiter. Viele Laufveranstalter hoffen derzeit auf den Herbst. Dies bringt eine Wettkampfdichte in den Laufkalender wie sie noch nie der Fall war, wenn die Läufe denn durchgeführt werden können. So manchem Veranstalter geht inzwischen die Luft aus.

Virtuelle Läufe - Innovation durch Corona

Wie Unternehmen auch, hängen Laufevents von Mitarbeitern (Helfern), Finanzen (Sponsoren) und ihrer Innovationsfreudigkeit (Wettbewerb) ab, damit die Kunden (Läufer) weiterhin antreten. Corona geht mit der Sense durch den Laufsport und treibt die Anbieter im Überlebenskampf zu Innovationen. Virtual Running könnte eines der neuen Konzepte sein, das die Chance hat dauerhaft zu bleiben.

Sogenannte "virtuelle Läufe" waren zunächst nur eine Notlösung der Laufveranstalter, um ihren treuen Kunden einen passablen Ersatz zu bieten und Startgelder nicht zurückzahlen zu müssen. Dies, zumal die Finisher-Medaillen für die Veranstaltungen längst gekauft und mit Datum versehen produziert waren. Gerade Marathon-Veranstalter schlugen ihren Teilnehmern vor den Marathon allein zu Hause und damit virtuell zu laufen. Und wer seine Distanz und Laufzeit glaubwürdig per Bild-Upload nachweisen konnte, erhielt wenig später sogar seine Finisher-Medaille. Und so wurde mancher London-Marathon nicht an der Themse, sondern am Rhein gelaufen und das Selfie mit Medaille entstand nicht vor dem Buckingham Palace, sondern vor dem Kölner Dom. Ich gebe zu, ich habe dies erst deutlich später als Chance erkannt. Da waren andere zunächst schneller. Doch ich hole auf ;-)

Die Notlösung etablierte sich als "Virtual Running". Ein Begriff, der den Kern nicht trifft, denn gelaufen wird ganz real, ohne Avatare oder Virtual Reality Brille, sondern mit echtem Schweiß und gegen echte Gegner. Nur sieht man diese erst abends online, in den Ergebnislisten. Einige Anbieter erkannten schnell, dass die Lauflust durch diese Art Läufe zu erhalten war. Und so entwickelten sie neue Laufevents, bei denen man mitmachen kann, ohne zu reisen. Für den Ergebnisdienst wird eine kleine Gebühr erhoben. Schnell wurde dieses Prinzip durch Startnummern zum Selbstausdruck aufgepeppt und Medaillen, die man zur Belohnung hinzubestellen kann.

Virtuelle Ausrutscher

Weil Läufer wissen, dass sich viele Medaillen an der Wand schöner machen als nur eine, erfanden Laufanbieter immer mehr Anlässe sich für virtuelle Läufe anzumelden. Diese Anlässe erhielten besondere Namen wie "Valentinslauf" und die dazu passenden Startnummern und Medaillen wurden zum Thema passend mit Blumen verziert. Andere Veranstalter setzen auf die virtuelle Reiselust der Läufer und gestalten die Medaillen und Eventnamen nach exotischen Orten. Und so kann man den Honolulu Marathon auch an der Alster laufen. Und ja, es gibt auch Veranstalter, die verkaufen in erster Linie sehr bunte Medaillen, ohne dass der Erwerber einen vollzogenen Lauf nachweisen muss. Die Laufszene wird darüber abstimmen, ob diese Stilblüten Bestand haben werden. Doch seriös veranstaltet, haben die modernen Laufevents viele Chancen zu überleben.

Virtuelle Läufe haben viele Vorteile

Der Kern aller guten virtueller Läufe ist, dass man einen Anlass hat zu laufen. Virtuelle Läufe finden in der Regel als Sololäufe statt, zu denen man nicht reisen und auswärts übernachten muss. Virtuelle Läufe können damit immer stattfinden und geben dem Läufer Planungssicherheit. Regionale Vereine und Lauftrainer werden darüber hinaus schnell erkennen, dass – wenn erlaubt – man den betreuten Sportlern zu den virtuellen Laufevents passend, auch ganz reale Teamruns anbieten kann, also geführte Gruppenläufe in der Region. Und alle diese Menschen, Einzelsportler und Vereinssportler aus der ganzen Welt, allein im Park unterwegs oder gemeinsam auf dem Sportplatz, werden in den Ergebnislisten vereint. Hier kann man sich vergleichen und Motivation tanken für die nächsten virtuellen Läufe und Runningdays, wie die vor mir entwickelte Laufserie bei Laufcampus heißt.

Die neuen Laufformate werden und können klassische Laufevents durch Städte mit anfeuernden Zuschauern beim Wettkampf Sportler gegen Sportler nicht ersetzen. Doch sie haben offensichtliche Vorteile. Virtuelle Läufe sind auch wegen ausbleibender Reisetätigkeit deutlich klimafreundlicher.

Wer in diesem Zusammenhang darüber nachdenkt, dass zu Europas größtem Firmenlauf schon über 70.000 Läuferinnen und Läufer aus dem ganzen deutschsprachigen Raum sternförmig nach Frankfurt angereist sind, um als Team gerade mal 5,6 Kilometer durch die City zu laufen, der muss in Zeiten von Corona und Greta einfach darüber nachdenken, ob Teambuilding auch anders gehen kann. Für einen Stadtmarathon über 42,2 Kilometer durch die Republik zu reisen, okay. Aber für 5 bis 6 Kilometer? Und wann werden sich Personalchefs wieder vorstellen können, ihre Mitarbeiter dicht gedrängt bei Businessruns zu sehen? Das wird dauern.

Im Startbereich eines großen Stadtlaufs ging es vor Corona ähnlich eng zu wie sonst nur in den ersten Reihen von Rockkonzerten. Und gejubelt wurde unter der La Ola auch laut, damals, als wir das Wort Aerosole noch nicht kannten. Kleine Volks- und Eliteläufe werden künftig für Abstand sorgen. Aber Läufe mit 10.000 Teilnehmern? Und wie soll man sich als Veranstalter oder Gesundheitsamt gegenüber den mitgereisten Zuschauern am Streckenrand verhalten? Familiäre Volksläufe und virtuelle Laufevents mit Corona konformen Konzepten werden 2021 die Laufszene erreichen. Für große Publikumslieblinge wird es schwierig.

Virtuelle Läufe können die modernen Firmenläufe sein

Ich war, bin und bleibe immer ein Fan von Firmenläufen. Regelmäßiges Laufen und Walking ist das einfachste, günstigste und effektivste, was man Mitarbeitern zum Erhalt ihrer Fitness andienen kann. Doch so wie ich Firmenchefs ergänzend immer darauf hingewiesen habe, dass ein Lauf zunächst nur ein Event sei, welches erst durch regelmäßiges Training zur Gesundheitsmaßnahme wird, so muss ich heute den gleichen Chefs zustimmen, wenn diese mir sagen, ohne Firmenläufe fehle der motivierende Anlass fürs Training. Richtig, Arbeit und Sport klappt viel besser, wenn man weiß, wofür man sich anstrengt. Diese Erkenntnis war für mich der Schlüssel unsere Runningdays nicht nur aber gerade auch auf Firmenteams auszurichten. Und so wird aus einer Notlösung für eine ganze Laufszene ein Gewinn.

Vorteile für Chefs und Firmenlaufteams:

  • Die Teilnahmegebühren sind deutlich geringer, weil keine Strecken gesperrt werden und Helfer und Verpflegung bezahlt werden müssen. Die Startgebühren halbieren sich und damit die Kosten für Unternehmen.

  • Auch Reisekosten entfallen für Mitarbeiter, denen aus verschiedenen Betrieben die Teilnahme ermöglicht werden soll.

  • Extrakosten aus Sammelpunkten wie von Firmenläufen bekannt, mit Zelten und von weiten sichtbaren Beachflags entfallen auch.

  • Virtuelle Läufe sind nicht nur kosten- und klimafreundlicher, sondern auch mitarbeiterfreundlicher. Weil ein Zusammenkommen an einem Ort entfällt, kann wirklich jeder Mitarbeiter teilnehmen, egal ob man vom Homeoffice aus arbeitet, im Ausland oder in der Zentrale sitzt.

  • Da virtuelle Läufer in der Regel großzügige Zeitfenster haben, zumindest 24 Stunden, oft sogar mehrere Tage, können auch Schichtarbeiter mitmachen.

  • Die übliche Reduzierung auf nur eine für jeden Walker oder Läufer machbare 5 bis 6 Kilometer Distanz entfällt. Ambitionierte Sportler können sich auch über 10 Kilometer oder Halbmarathon messen.

  • Und Social Walls, sogenannte Pinnwände im Internet, können dazu beitragen, dass man mit Fotos zumindest virtuell zusammenkommen kann.

Das gemeinsame Getränk, nachdem man als Team vereint sportlich gekämpft hat, dieses gute Gefühl können virtuelle Läufe natürlich nicht ersetzen. Doch sie sind deutlich mehr als die anfänglich gedachte Notlösung. Virtuelle Läufe sind gekommen um zu bleiben und eine echte Chance Menschen nachhaltig fürs Laufen zu motivieren.

Virtuelle Läufe im Internet

Laufserie mit Firmenlaufwertung:

Mottoläufe mit Medaillen:

Etappenläufe:

Events mit fixem Termin:

Terminlisten: