Montag, 19. August 2019

Gesundheit Ich, der fliegende Roboter

Kleiner Impulsgeber auf dem Rücken: Übungen mit dem fliegenden Roboter

Rückenschmerzen sind eines der größten Berufsrisiken für alle, die viel sitzen müssen. Training hilft, aber falsch durchgeführte Übungen können schaden. Das Schweizer Medizintechnikunternehmen Hocoma hat nun ein interaktives Gerät mit Echtzeit-Feedback entwickelt. Wir haben es getestet.

Zugegeben: Man sieht nicht sonderlich cool aus, wenn man auf allen Vieren vor einem Tablet-Computer kniet und dabei mit dem Hintern wackelt. Vor allem nicht, wenn knapp über dem Gesäß ein blinkender Sensor klebt. Aber was tut man nicht alles, um dem Rückenschmerz Goodbye zu sagen.

Es ist das Schicksal aller viel sitzenden Schreibtischarbeiter, dass sie, was Rückenprobleme angeht, zur Hochrisikogruppe zählen. Es gibt keine Ausnahme und keine Ausrede: Jeder sollte etwas für den Rücken tun. Jeder.

Aber was? Es gibt Kieser-Training und Rückenschulen, es gibt Fitness-Filmchen und Übungsbücher. Das Problem beim Training außer Haus: Es ist außer Haus. Das Problem beim Training zu Hause: Fehlende Kontrolle. Weder kann man sicher sein, dass man die Übungen wirklich ganz korrekt macht, noch sieht man Fortschritte.

Hier setzt die Schweizer Medizintechnikfirma Hocoma an, aus deren Werkstätten schon spektakuläre Exo-Skelette und hochtechnisiertes Diagnose-, Therapie- und Übungsgerät für Physiotherapeuten kamen. Ihr Valedo ist ein Gerät, das über zwei Sensoren eine sehr präzise Positionsbestimmung im Raum erlaubt - und seinem Nutzer ein Echtzeit-Feedback gibt, wie gut er die Übungen ausführt. Das geht über einen Avatar: Ein fliegender Roboter auf dem Tablet-Bildschirm vollzieht die Bewegungen des Übenden exakt nach.

Unterwasserlandschaften und Felsen-Hopping

Den Produkttest machen wir zu viert: Zwei Männer, zwei Frauen, alle jenseits der Vierzig, damit rückenschmerzgefährdet. Der Valedo kommt in einer schicken kleinen Tasche: Zwei knapp streichholzschachtelgroße, per Akku aufladbare Sensoren, die man mit Klebestreifen auf dem Körper anbringt - einen hinten knapp über dem Gesäß, einen vorne auf dem Brustbein. Auf dem Tablet-PC muss eine App installiert werden, die einen durch die nächsten Schritte führt: Kalibrieren, Üben, schließlich auswerten.

Die App läuft problemlos und erkennt via Bluetooth die Sensoren sofort. Auch das Kalibrieren klappt, bis auf das etwas anspruchsvollere für die Hüfte, gut. Exakt wird angezeigt, wie weit man bei den vorgeschriebenen Drehungen und Neigungen kommt (leider nicht sehr weit. Aber genau das soll sich ja durch die Übungen ändern).

Dann wird eine niedliche kleine Geschichte erzählt, an deren Ende sich mein neues Ich auf dem Bildschirm manifestiert: Ein fliegender Roboter, der auf seiner Erkundungstour Edelsteine einsammelt, Hindernisse meiden, durch Unterwasserlandschaften tauchen oder von einem Felsen zum anderen hopsen muss.

Jede Übung wird genau erklärt - und erst nach und nach werden alle 45 Übungen freigeschaltet und nach zu trainierendem Körperbereich in den Häusern eines virtuellen Dorfs verortet, dessen Bereiche man dann gezielt ansteuern kann. Man dreht, kniebeugt, neigt und streckt sich, dass es eine Freude ist, immer mit Blick auf den Monitor, und steuert so den Roboter durch die Spielwelten - neue Übungen werden nach und nach freigeschaltet, das Dorf wächst. Die Bluetooth-Sensoren, ausgestattet mit 3D-Gyroskop, 3D-Akzeleromat und 3D-Magnetometer, halten genau nach, wie man sich bewegt - und schlagen Alarm, wenn man etwas falsch macht.

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