Montag, 22. Juli 2019

Gesundheit Ich, der fliegende Roboter

Kleiner Impulsgeber auf dem Rücken: Übungen mit dem fliegenden Roboter

2. Teil: Lieber Zombies statt Edelsteine

Die Hocoma-Leute haben bei ihren bisherigen Produkten wenig überraschend festgestellt: Das Schwierige bei Rückenübungen sind eigentlich nicht die Übungen selbst - sondern, die Leute dazu zu bekommen, sie überhaupt zu machen. Rückentraining ist oft so langweilig, dass selbst der Urvater des Tiefenmuskeltrainings, Werner Kieser, behauptet, Rückentraining solle gar keinen Spaß machen.

Deshalb ist hier alles sehr spaßbetont - allerdings auch ziemlich kindlich. Will man wirklich als fliegender Robbi Steinchen sammeln? Die Männer meiner kleinen Testgruppe meinen, dass das Spielprinzip zwar gut sei, aber der niedliche Roboter ein wenig, nun ja: unmännlich. Sie wären lieber echte Helden, Autos oder Flugzeuge in einer raueren Umgebung - statt hübsche Edelsteine zu sammeln könne man ja auch Gegner umnieten. Oder Zombies ausweichen. Nur so als Beispiel.

Für uns Frauen geht der Robbi schon eher in Ordnung, aber so richtig warm werden wir auch nicht mit ihm - die ganze Optik ist uns zu kindlich. Und wenn am Ende einer Übung nicht endender Applaus aufbrandet und ein kleines Männchen in Dschungelforscher-Outfit uns lobt - "Tolle Leistung" - obwohl wir von fünf möglichen Sternen bei der Genauigkeit der Übung nur einen und bei der Gleichmäßigkeit gar keinen erzielt haben (es liegen halt noch keine höheren Vergleichswerte vor), fühlen wir uns ein wenig auf den Arm genommen. Wir sind alle skeptisch, ob man diese Spielwelt wirklich mehrmals in der Woche nutzen würde.

Als es aber an die Auswertung geht, überrascht uns das Programm mit einer Fülle von Detaildaten - ein echtes Selftracker-Paradies. Man kann sich Übungssätze zusammenstellen, genau nachhalten, wie sich die Beweglichkeit und die Koordination steigert, kurz: Alles, was das Datensammlerherz begehrt, wird hier in anschaulichen Diagrammen aufgearbeitet, und man kann sein Training genau darauf abstimmen.

Fazit

Der Valedo bietet ein ausgereiftes Konzept, die Übungen sind gut. Man kann sie leicht nachvollziehen, und die Auswertung ist ungemein detail- und hilfreich (O-Ton eines meiner Mittester: "Vor der Statistik hätte ich Stunden verbringen können"). Die Übungswelten dagegen sind für Erwachsene zu kindlich gestaltet. Es mag aber Leute geben, die das nicht stört.

Störend hingegen ist eher der Preis: 299 Euro werden für die beiden Hightech-Sensoren aufgerufen. Aufkleben muss man sie auch noch; bei jedem Training verbraucht man zwei der anfangs mitgelieferten 100 medizinischen Klebestreifen - die kann man dann für stolze zehn Euro nachbestellen.

Wer den Valedo nutzen will, muss technisch entsprechend ausgestattet sein. Für Android gibt es noch keine App, diese läuft ausschließlich auf iPad 3 oder iPhone5 und höher.

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