Donnerstag, 14. November 2019

Test-Runden mit dem Mini-Faltrad Kwiggle Klappt bestens!

Testfahrt mit dem Mini-Klapprad Kwiggle: So fährt sich der Prototyp des 8-Kilo-Klapprads
BASIL-Fotografie / Sabine Sellnau

Ich gebe es ehrlich zu: Bislang stand ich Falträdern höchst skeptisch gegenüber. Das liegt auch an jenem Klappradfan, mit dem ich vor einigen Jahren ein Pendlerschicksal zwischen zwei rheinischen Städten teilte. Stolz wie Oskar lief er mit seinem Brompton-Drahtesel vor der Bahnstation auf. Nach gut einer Minute Rumfummelei schleppte er einen koffergroßen Haufen aus Stahlrohren, Fahrradketten, Pedalen und Sattel in den Regionalexpress.

Mehrmals blieb ich im prall gefüllten Zug an den abstehenden Teilen des Klapp-Ungetüms hängen. Und während er vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof noch hektisch seine Schrauben anzog, saß ich längst in der Straßenbahn.

Gut, mit einem herkömmlichen Tourenrad hätte sich der Mann wohl noch bösere Blicke und spitzzüngige Pendlerkommentare eingehandelt. Doch sein Faltrad war meinem Dafürhalten nach zu schwer zu schleppen, zu umständlich im Zusammenbau, zu groß für den Bahntransport und schlicht ziemlich unelegant.

Ein solches Rad, urteilte ich damals, ist ein metallgewordener Akt der Verzweiflung - über häufig angesteuerte Ziele, die sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur mit großen Umwegen erreichen lassen. Und damit nichts für mich. Denn bislang hatte ich im Arbeitsleben das Glück, dass meine Büros problemlos mit Öffis zu erreichen waren.

Doch dann kam Kwiggle. Nicht zu mir ins Haus, sondern in die Redaktion. Genauer gesagt stand Kwiggle kurz vor Weihnachten im Foyer des Spiegel-Verlagshauses, wo mir Karsten Bettin die Vorzüge des von ihm entwickelten Klapprades zeigen wollte.

Acht Kilo leicht - mit ungewohnter Fahrposition

Die Vorteile von Kwiggle lassen sich schnell beschreiben: Es ist mit acht Kilogramm ein echtes Leichtgewicht unter den Faltbaren. Es lässt sich in wenigen Handgriffen auf die Größe eines kleinen Rollkoffers zusammenklappen. Damit dürfte die Beförderung von Fahrer samt Rad auch in U- oder S-Bahn nicht zum Ärgernis ausarten.

Sein Nachteile: Die Optik des Rades ist gewöhnungsbedürftig, die Fahrposition ungewohnt - und noch ist das Kwiggle nicht regulär erhältlich. Seit über sieben Jahren tüftelt Bettin, ein studierter Maschinenbauer, an dem Mini-Klapprad. Seit knapp zwei Jahren widmet er sich seinem Rad hauptberuflich, laut eigenen Aussagen hat er feste Zusagen von Industriepartnern für die Großserienfertigung.

Bloß: Ganz so weit ist es noch nicht. Deshalb hat Bettin auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter einen Investorenaufruf gestartet, der noch bis zum 20. Januar läuft. Auf rund 1000 Bestellungen hofft er dabei, verkaufen will er das Faltgefährt um rund 1500 Euro.

Das Kwiggle ist definitiv nichts für Radfahrer, die um keinen Preis auffallen wollen. Denn zwischen dem Sattel und der Gangschaltung befindet sich nur Luft. Zudem fährt man auf dem Rad fast komplett aufrecht. Bettins ursprüngliche Idee war es, ein Fahrrad für Standfahrten zu entwickeln. Der Sattel kam erst später hinzu - und schwingt beim Fahren hin und her, was zunächst durchaus gewöhnungsbedürftig ist.

Deshalb ist auch der Aufstieg auf das Rad ungewohnt: Zuerst sollte ich mir den Sattel zwischen die Beine klemmen, erklärt Bettin, dann erst auf die Pedale steigen. Mit etwas Überwindung klappt das auch. Und nach einigen Runden macht das Rad sogar richtig Spaß. Zwar ist zwischen dem Sattel und dem Lenker viel weniger Platz als bei einem herkömmlichen Fahrrad. Doch mit seinen fast schon winzig kleinen Reifen ist es sehr wendig zu lenken.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung