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Testfahrt mit dem Mini-Klapprad Kwiggle: So fährt sich der Prototyp des 8-Kilo-Klapprads

Foto: BASIL-Fotografie / Sabine Sellnau

Test-Runden mit dem Mini-Faltrad Kwiggle Klappt bestens!

Ich gebe es ehrlich zu: Bislang stand ich Falträdern höchst skeptisch gegenüber. Das liegt auch an jenem Klappradfan, mit dem ich vor einigen Jahren ein Pendlerschicksal zwischen zwei rheinischen Städten teilte. Stolz wie Oskar lief er mit seinem Brompton-Drahtesel vor der Bahnstation auf. Nach gut einer Minute Rumfummelei schleppte er einen koffergroßen Haufen aus Stahlrohren, Fahrradketten, Pedalen und Sattel in den Regionalexpress.

Mehrmals blieb ich im prall gefüllten Zug an den abstehenden Teilen des Klapp-Ungetüms hängen. Und während er vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof noch hektisch seine Schrauben anzog, saß ich längst in der Straßenbahn.

Gut, mit einem herkömmlichen Tourenrad hätte sich der Mann wohl noch bösere Blicke und spitzzüngige Pendlerkommentare eingehandelt. Doch sein Faltrad war meinem Dafürhalten nach zu schwer zu schleppen, zu umständlich im Zusammenbau, zu groß für den Bahntransport und schlicht ziemlich unelegant.

Ein solches Rad, urteilte ich damals, ist ein metallgewordener Akt der Verzweiflung - über häufig angesteuerte Ziele, die sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur mit großen Umwegen erreichen lassen. Und damit nichts für mich. Denn bislang hatte ich im Arbeitsleben das Glück, dass meine Büros problemlos mit Öffis zu erreichen waren.

Doch dann kam Kwiggle. Nicht zu mir ins Haus, sondern in die Redaktion. Genauer gesagt stand Kwiggle kurz vor Weihnachten im Foyer des Spiegel-Verlagshauses, wo mir Karsten Bettin die Vorzüge des von ihm entwickelten Klapprades zeigen wollte.

Acht Kilo leicht - mit ungewohnter Fahrposition

Die Vorteile von Kwiggle lassen sich schnell beschreiben: Es ist mit acht Kilogramm ein echtes Leichtgewicht unter den Faltbaren. Es lässt sich in wenigen Handgriffen auf die Größe eines kleinen Rollkoffers zusammenklappen. Damit dürfte die Beförderung von Fahrer samt Rad auch in U- oder S-Bahn nicht zum Ärgernis ausarten.

Sein Nachteile: Die Optik des Rades ist gewöhnungsbedürftig, die Fahrposition ungewohnt - und noch ist das Kwiggle nicht regulär erhältlich. Seit über sieben Jahren tüftelt Bettin, ein studierter Maschinenbauer, an dem Mini-Klapprad. Seit knapp zwei Jahren widmet er sich seinem Rad hauptberuflich, laut eigenen Aussagen hat er feste Zusagen von Industriepartnern für die Großserienfertigung.

Bloß: Ganz so weit ist es noch nicht. Deshalb hat Bettin auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter einen Investorenaufruf gestartet, der noch bis zum 20. Januar läuft . Auf rund 1000 Bestellungen hofft er dabei, verkaufen will er das Faltgefährt um rund 1500 Euro.

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Das Kwiggle ist definitiv nichts für Radfahrer, die um keinen Preis auffallen wollen. Denn zwischen dem Sattel und der Gangschaltung befindet sich nur Luft. Zudem fährt man auf dem Rad fast komplett aufrecht. Bettins ursprüngliche Idee war es, ein Fahrrad für Standfahrten zu entwickeln. Der Sattel kam erst später hinzu - und schwingt beim Fahren hin und her, was zunächst durchaus gewöhnungsbedürftig ist.

Deshalb ist auch der Aufstieg auf das Rad ungewohnt: Zuerst sollte ich mir den Sattel zwischen die Beine klemmen, erklärt Bettin, dann erst auf die Pedale steigen. Mit etwas Überwindung klappt das auch. Und nach einigen Runden macht das Rad sogar richtig Spaß. Zwar ist zwischen dem Sattel und dem Lenker viel weniger Platz als bei einem herkömmlichen Fahrrad. Doch mit seinen fast schon winzig kleinen Reifen ist es sehr wendig zu lenken.

Bis zu 30 km/h Geschwindigkeit sind drinnen - eine Gangschaltung noch in Entwicklung

Da anders als bei herkömmlichen Rädern hier der ganze Körper mitfedert, müssten sich auch Bordsteinkanten gut bewältigen lassen. Probiert habe ich das allerdings nicht. Denn das Hamburger Schmuddelwetter machte am Testtag längere Ausfahrten zu keiner echten Option.

Und dank der Stehposition fällt auch die Balance sehr leicht. Ein Nebeneffekt: Mit dem Kwiggle kann ich problemlos auch langsames Schrittempo fahren, ohne zu wackeln anzufangen. Für Fußgängerzonen wäre das ideal.

Doch das Rad lässt sich auch mit deutlich mehr Tempo bewegen. Knapp 30 km/h Spitzengeschwindigkeit sind mit der von Bettin entwickelten Kettenübersetzung für die kleinen Räder möglich. Die hat er ebenso patentieren lassen wie seine Klappverschlüsse, die ohne Festschrauben auskommen oder etwa das Produktionsverfahren.

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Foto: mika amaro

Insgesamt acht Patente hat Bettin für das Rad angemeldet, das Kwiggle ist also auch ein fahrender Ausweis deutscher Ingenieurskunst. Mit vier, fünf Handgriffen lässt sich das Rad auf die Größe eines Fluggepäckkoffers zusammenfalten, weniger als 20 Sekunden benötigt Bettin dafür. Und dank zweier geschickt angebrachter kleiner Rollen lässt sich das Kwiggle auch ebenso wie ein Rollkoffer hinterherziehen.

Kwiggle ließe sich auch unter dem Büro-Schreibtisch verstauen

Ein paar Details will Bettin noch verbessern, bevor das Rad in Serie geht. Er plant etwa einen Gepäckträger, der Radtaschen mit Ortlieb-Tragesystem aufnehmen kann. Zudem will Bettin seinem Kwiggle auch eine Gangschaltung mit drei und später sechs Gängen verpassen.

Zwar ist der Erfinder mit seinem Rad auch schon mal 40 oder 50 Kilometer am Stück gefahren. Doch der Sattel hat eher stützende als tatsächlich entlastende Wirkung. Bettin sieht sein Rad deshalb als ideales Pendlerwerkzeug für überfüllte Metropolen. Gerade in Asien, so meint er, könnten Menschen mit seinem Rad von S-Bahn-Stationen zu ihren Nahzielen fahren und ihr Rad dann zusammengeklappt ins Büro oder in die Wohnung mitnehmen.

Ob wohlhabendere Mittelschichtangehörige dann 1500 Euro für ein solches Rad ausgeben, muss sich zeigen. Bettin hat ambitionierte Ziele für sein Rad: Um die 50.000 Stück möchte er in den kommenden Jahren davon verkaufen.


Hinweis: Wer zu den Pionieren gehören will, kann via Kickstarter noch bis zum 20. Januar 2017 eines der ersten Kwiggle-Bikes ordern. Detailinformationen finden Sie hier .

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