Samstag, 18. Januar 2020

Vernetztes Fahrrad Pedal digital - jetzt wird auch das Fahrrad smart

Digitalisierung: Das vernetzte Fahrrad
TMN

2. Teil: 72 Millionen Fahrräder für 82 Millionen Deutsche

Und abgesehen davon kann ein digitales Fahrrad für den radelnden Geschäftsmann die gleichen Funktionen übernehmen wie eine Smart Watch: "Das Rad sagt dir, wann Du zum nächsten Termin musst", sagt Shoemack.

Alle Beteiligten in der Branche glauben, dass Wachstum in den nächsten Jahren vor allem von E-Bikes und digital vernetzten Fahrrädern kommen wird. Das traditionelle analoge Fahrrad ist zwar nicht das meist genutzte, aber nach wie vor das am weitesten verbreitete Verkehrsmittel in Deutschland: Die 82 Millionen Einwohner der Bundesrepublik besitzen etwa 72 Millionen Fahrräder, schätzt der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Für E-Bikes werde bis 2025 ein Marktanteil von 30 Prozent prognostiziert, sagt ZIV-Sprecher David Eisenberger.

Am Fahrrad hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts technisch deutlich weniger verändert als bei Autos: Ein modernes Stadtrad ist seinen Ende des 19. Jahrhunderts gebauten Vorgängern weit ähnlicher als ein neuer Mercedes dem von Carl Benz gebauten Patent-Motorwagen des Jahres 1885.

Lesen Sie auch: Das Specialized Awol im Fahrrad-Fahrtest

E-Bike und Digitalisierung bedeuten nun einen starken Innovationsschub. "Wir gehen davon aus, dass in Zukunft jedes zweite Rad im Erwachsenenbereich ein E-Bike sein wird", sagt ZEG-Chef Honkomp. Lange Jahre waren E-Bikes hauptsächlich ein Produkt für die ältere Generation - ein typischer Repräsentant der ersten Generation E-Bike ist CSU-Chef Horst Seehofer, Jahrgang 1949.

Doch das ändert sich: "Seit zwei Jahren haben wir eine starke Verschiebung hin zu jüngeren Käufern - zum Beispiel junge Mütter, die ihr Kind im Anhänger zum Kindergarten fahren", sagt Honkomp. Es gebe auch viele Menschen, die nicht viel Zeit für sportliches Training hätten. "Aber sie fahren trotzdem gerne auf einen Berg zur Almhütte und kaufen sich dann ein Mountain-E-Bike."

Die sportlichen E-Bikes bringen den Altersschnitt der Käufer deutlich nach unten. "Derzeit liegt das Durchschnittsalter der E-Bike-Käufer zwischen 40 und 45, vor fünf Jahren lag das noch zwischen 60 und 65. Die Zielgruppe wird größer", sagt der ZEG-Chef.

Doch dass das traditionelle Fahrrad verschwinden wird, glaubt Honkomp nicht. "Solange Kinder geboren werden, wird auch Rad gefahren. Das Fahrrad ist für viele Kinder und Jugendliche die erste eigene, persönliche Mobilitätsmöglichkeit. Daher wird das Fahrrad seinen Stellenwert auch weiterhin behalten", meint der ZEG-Chef.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung